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5 Gründe, warum Home-Office keine Verbesserung des Arbeitslebens ist

Während in Ländern wie Schweden oder den Niederlanden das Home-Office mittlerweile flächendeckend verbreitet ist, im letzteren sogar gesetzlich verankert, stehen die Arbeitnehmer hierzulande der Heimarbeit skeptisch gegenüber. Laut einer Studie von AVANTGARDE Experts zur Arbeitszufriedenheit glaubt nur jeder vierte Befragte, dass sich die Möglichkeit zu Hause zu arbeiten positiv auf sein Arbeitsleben auswirkt. Lies hier die ganze Studie. Welche Argumente könnten für diese Sichtweise sprechen?
27
Feb

1. ARBEIT UND PRIVATES VERSCHWIMMEN

Ein nicht zu unterschätzender Nachteil des Arbeitens im privaten Umfeld ist die Gefahr der Überlastung. Anders als im Büro, fehlt beim Home-Office die klare Trennlinie zwischen Arbeit, Pause und Feierabend. Angestellte bleiben so immer im Arbeitsmodus und haben ein schlechtes Gewissen, nichts geschafft zu haben. Dadurch zieht sich die Arbeitszeit zum Teil bis in den späten Abend. Die räumliche Distanz zum Abschalten fehlt. Statt den Arbeitnehmer zu entlasten, bringt Home-Office oft mehr Stress mit sich. Laut des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sammeln Mitarbeiter im Home-Office nahezu doppelt so viele Überstunden an als im Büro. Nicht zuletzt durch das subjektive Gefühl, dem Chef und Kollegen im Office beweisen zu müssen, dass man auch zu Hause produktiv ist.

2. MANGELNDE DISZIPLIN

Die Quellen für Ablenkung im „Büro daheim“ sind vielfältig. Die vermeintlichen Vorteile dieses Konzepts, wie den Haushalt zwischendurch zu erledigen oder die Kinder zu betreuen, bergen Risiken. Vielen Menschen fällt es schwer, sich zu konzentrieren und produktiv zu arbeiten, wenn zwischendurch das Telefon klingelt, die Kinder von der Schule kommen oder der Wäscheberg wartet. Die Produktivität nimmt durch ständige Unterbrechungen erheblich ab. Zuhause erfolgreich zu arbeiten, erfordert viel Selbstdisziplin und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Nicht jedem liegt dieses Modell des flexiblen Arbeitsplatzes ohne die Kontrolle durch Kollegen und Vorgesetzte.

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3. FEHLENDER KONTAKT ZU KOLLEGEN

Wer täglich oder mehrmals die Woche sein Büro in die eigenen vier Wände verlagert, der läuft Gefahr sozial zu vereinsamen. Der zwischenmenschliche Austausch mit Kollegen beim gemeinsamen Mittagessen oder der Kaffeepause trägt erheblich zur Arbeitszufriedenheit bei. Neben der sozialen Komponente kann sich das Home-Office negativ auf das gesamte Team und das eigene Netzwerk auswirken. Wichtige Infos und Vorgänge im Unternehmen, wie interne Stellenausschreibungen, könnten an einem vorbeigehen. Das Team-Building und die damit einhergehende erfolgreiche Zusammenarbeit an Projekten ist schwieriger. Insbesondere wenn innerhalb eines Teams nur einer oder wenige Angestellte zu Hause arbeiten, fehlt den anderen Mitarbeitern oft das Verständnis diese immer wieder auf den neuesten Stand bringen zu müssen. Der kollegiale Zusammenhalt schwindet.

4. LANGE KOMMUNIKATIONSWEGE

Die räumliche Distanz erschwert die Kommunikation. Kurze Absprachen oder Nachfragen sind nicht mehr mit dem Weg ins Nachbarbüro getan. Für jede Abstimmung muss zum Telefon gegriffen oder eine E-Mail formuliert werden. Ein nicht zu unterschätzender Zeitaufwand. Zudem kommt es beim telefonischen Kontakt oder per Mail bewiesenermaßen deutlich häufiger zu Missverständnissen. Aufgabenstellungen oder Feedbacks werden vom Kollegen falsch oder nicht verstanden. Fehler entstehen oder eine nochmalige Nachfrage ist nötig. Insbesondere bei der gemeinsamen Arbeit an einem Projekt ist das Home-Office mit vielen zusätzlichen Arbeitsschritten verbunden. Brainstorming oder Feedbackgespräche sind trotz Skype an einem gemeinsamen Tisch meist produktiver und langwierige Terminabstimmungen entfallen.

 

5. AUS DEM AUGE, AUS DEM SINN – HOME-OFFICE ALS KARRIEREKILLER

Ein großer Nachteil der Heimarbeit ist die Gefahr des Karriereknicks. In vielen deutschen Firmen herrscht nach wie vor eine starke Präsenzkultur. Wer im Home-Office arbeitet, ist für den Chef quasi „unsichtbar“. Egal wie produktiv und erfolgreich die Arbeit ist, die Leistung ist weniger hoch angesehen als bei den Kollegen vor Ort. Zumal in vielen Köpfen das Konzept des Home-Office immer noch mit Bequemlichkeit und Unproduktivität assoziiert wird. Da kann es leicht passieren, dass der omnipräsente Kollege mehr hervorsticht und die Beförderung ergattert. Schließlich spielen neben der Arbeitsleistung eine gute Vernetzung innerhalb der Firma und Sympathiepunkte eine nicht unerhebliche Rolle beim Karrieresprung

FAZIT

Die Skepsis der Angestellten hierzulande ist also nicht ganz unbegründet. Wer die Arbeit von zu Hause für sich als Modell in Erwägung zieht, sollte die angeführten Risiken nicht unterschätzen. Wie so oft ist ein Mittelweg die beste Lösung. Wer ab und an im Home-Office ist, zeigt dennoch Präsenz im Unternehmen, fügt sich ins Team ein und kann so die Vorteile aus beiden Modelle ziehen. Denn schließlich steht Flexibilität ganz oben auf der Wunschliste der Arbeitnehmer in Deutschland.

 

Bildnachweis: Bild 1: unsplash; Bild 2: iStock/Geber86