Wer sein Wunschgehalt in der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch durchsetzt, hat gut lachen.

So führst Du Gehaltsverhandlungen im Vorstellungsgespräch richtig

Geld alleine macht nicht glücklich – aber es hilft ungemein. Daher ist wichtig, bereits im Bewerbungsgespräch gut zu verhandeln. Aber wie beginne ich die Gehaltsverhandlungen? Welche Argumente sprechen für mich? Welche Gehaltsvorstellung ist realistisch? Wir haben Bewerbungscoach Thomas Völkl für Dich befragt. Er verrät Dir, wie Du jetzt Gehaltsverhandlungen im Vorstellungsgespräch richtig führst und auf dem Weg zum Traumjob das Hindernis der Gehaltsverhandlung problemlos meisterst.
13
Juli
2021

Gehalt im Vorstellungsgespräch verhandeln: Das Wichtigste in Kürze

Damit Du bei der Gehaltsverhandlung im Einstellungsgespräch Deinen Gehaltswunsch durchsetzt, solltest Du im Internet recherchieren, was Dein Job wert ist und eine realistische Gehaltsvorstellung entwickeln. Das zu verhandelnde Gehalt hängt letztlich von einer Reihe von Faktoren ab:

  • Branche & Region des Unternehmens
  • Größe des Arbeitgebers
  • Ausbildung
  • Expertenstatus

Dein Wunschgehalt kannst Du im Vorstellungsgespräch auf zwei verschiedene Arten angeben: Du kannst entweder ein fixes Jahresbruttogehalt („Meinen Qualifikationen entsprechend empfinde ich ein Gehalt von 50.000 Euro als angemessen.“) nennen oder aber Du teilst dem Personaler eine Gehaltsspanne mit („Meine Gehaltsvorstellungen liegen zwischen 45.000 und 50.000 Euro pro Jahr.“).

Du musst bei der Angabe Deiner Gehaltsvorstellung im Vorstellungsgespräch sachlich nachvollziehbar darlegen, warum Deine Arbeitsleistung das von Dir geforderte Wunschgehalt wert ist. Beschreibe daher konkret Deine Fähigkeiten oder Aufgaben, um Deinen Gehaltsforderungen Nachdruck zu verleihen. Deine Qualifikation, Deine berufliche Erfahrung und Dein Expertenstatus spielen eine wichtige Rolle, um das von Dir geforderte Gehalt am Ende auch zu erhalten.

Auf dem Weg zum Traumjob gibt es nur noch ein Hindernis: die Gehaltsverhandlungen. Aber auch diese meisterst Du mit den Tipps des Experten Thomas Völkl problemlos.

Thomas Völkl

Interviewpartner Thomas Völkl

Als Autor des Buches Exzellente Personalauswahl greift Thomas Völkl auf seine Jahre lange Erfahrung im Personalwesen zurück. Der ausgebildete Sprecherzieher und Diplom-Kaufmann gibt sein Wissen aber nicht nur an die Arbeitgeber weiter. In Bewerbungstrainings vermittelt er auch Arbeitnehmern wertvolle Tipps.

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Um die Gehaltsverhandlungen erfolgreich führen zu können, ist es wichtig, dass Du Deinen Marktwert kennst und eine realistische Gehaltsvorstellung entwickelst. Oftmals musst Du bereits im Bewerbungsanschreiben erste Gehaltsvorstellungen nennen. Thomas Völkl gibt dafür diese Tipps:

„Dazu sind die Branche und die Region des Unternehmens grundlegend. Im ländlichen Raum herrscht ein anderes Gehaltsniveau als in den Ballungszentren. Außerdem spielen Deine Ausbildung oder Dein Expertenstatus eine wichtige Rolle. Im Internet kannst Du die Einkommensbereiche Deiner Branche und Ausbildung einsehen. Daran solltest Du Dich unbedingt halten. Auch Gespräche mit Kollegen, die in anderen Firmen oder in anderen Regionen arbeiten, können Anhaltspunkte liefern. Meist hat jedoch das Unternehmen einen festen Gehaltsbereich, in dem die Stelle angesiedelt ist. Außerhalb dieses Bereiches eine Einigung zu erzielen, ist nahezu ausgeschlossen.“

Das perfekte Timing für die Gehaltsverhandlungen im Vorstellungsgespräch

Das Sprichwort „Über Geld spricht man nicht“ ist nirgends so passend wie in Deutschland. Laut einer Umfrage der Postbank ist für 64 Prozent der Deutschen Geld nach wie vor ein Tabuthema. Daher sind auch die Gehaltsverhandlungen für viele unangenehm und sie scheuen sich, das Thema im Bewerbungsgespräch anzusprechen. Insbesondere wenn Dein Gegenüber den Eindruck erweckt, nicht über das Gehalt reden zu wollen, ist das eine Herausforderung. Doch mit diesen Tipps meisterst Du sie sicher:

Kläre zunächst alle sachlichen Details und beantworte die Fragen Deines Gesprächspartners. Am Ende des Vorstellungsgesprächs – oder im zweiten Gespräch – wird dann das Gehalt thematisiert. Thomas Völkl rät dazu:

„Ein ‚Um den heißen Brei‘-Reden und dabei hoffen, dass der Gesprächspartner auch versteht, was ich meine, ist weder zu empfehlen noch eine zielführende Strategie. Die Gefahr der Missverständnisse ist dafür einfach zu hoch. Wenn das Thema bei einem Vorstellungsgespräch nicht von Seiten des Gesprächspartners kommt, solltest Du als Bewerber das Thema direkt ansprechen. Hier kannst Du direkt nach dem Rahmen für das Zieleinkommen der ausgeschriebenen Stelle fragen. Frage bewusst nach dem Zieleinkommen, um nicht das Monatsgehalt alleine zu fokussieren, sondern auch weitere geldwerte Vorteile (Firmenwagen, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld) im Blick zu haben.

Außerdem lohnt es sich, einen Blick in die Zukunft und/oder die Entwicklung Deines persönlichen Zieleinkommens zu werfen. Damit kann eine gestufte Gehaltsanpassung als Option ins Spiel gebracht werden. Oftmals fällt es leichter, schrittweise ein Gehalt anzupassen, als gleich mit einem zu hohen Gehalt das Gespräch ins Stocken zu bringen. Ein weiterer empfehlenswerter Einstieg ist Dein bisheriges Gehalt. Ergebnisse im Gespräch erzielst Du übrigens leichter, wenn Du Deinem Gegenüber einen gewissen Handlungsspielraum belässt.“

„Was möchten Sie bei uns verdienen?“ – Fragen der Personaler

Es kann auch sein, dass Du die Gehaltsverhandlungen nicht selbst ins Rollen bringen musst. Im Vorstellungsgespräch können auch diese Fragen auf Dich zukommen:

Fragen in der Gehaltsverhandlung im Bewerbungsgespräch

Viele Personaler beginnen die Gehaltsverhandlungen mit der Frage nach Deinem bisherigen Verdienst:

„Hast Du als Bewerber bei einem Vorstellungsgespräch bereits Berufserfahrung, wird der Personaler mit großer Wahrscheinlichkeit nach Deinem bisherigen Gehalt fragen. Antworte offen und ehrlich und kommuniziere dazu Deine Vorstellungen nach dem neuen Gehalt.“

Wir haben dazu zwei Antwortstrategien für Dich zusammengestellt:

Frage: Was haben Sie bisher verdient?

Antwort: Mein bisheriges Gehalt befindet sich im marktüblichen Rahmen. Da es sich dabei um mein Einstiegsgehalt handelt und ich seitdem meine Fähigkeiten und Kenntnisse ausgebaut habe, bin ich der Meinung, dass das kein guter Vergleichswert ist. Außerdem werde ich in Ihrem Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen, weshalb ich mir ein marktübliches Jahresgehalt zwischen ________ Euro und ________ Euro vorstelle.

Frage: Wie sehen Ihre Gehaltsvorstellungen aus?

Antwort: Ein Gehalt von ________ Euro empfinde ich meinen beruflichen Qualifikationen nach als angemessen.

 

Tipp:

Nach Deinen Vorbereitungen solltest Du eine Vorstellung davon haben, was Du maximal an Gehalt im Bewerbungsgespräch fordern kannst. Das sollte aber nicht Dein Wunschgehalt sein. Denn Du musst damit rechnen, dass Dein Gesprächspartner Dich noch herunterhandeln wird. Setze Dir deshalb eine Gehalts-Untergrenze, unter der Du die Stelle nicht antreten wirst – Zusatzleistungen solltest Du bei Deiner Berechnung bereits berücksichtigen. Bedenke außerdem, dass Du bei der Gehaltsverhandlung nie fordernd auftrittst, sondern diplomatisches Geschick walten lässt.

So viel bin ich wert! – Finde die richtigen Argumente

Mit einer gut begründeten Gehaltsverhandlung kommst Du Deinen Vorstellungen ein Stück näher:

Gehaltsvorstellungen im Vorstellungsgespräch herausfinden

Bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch solltest Du nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen. Eine gute Begründung für Deine Forderungen ist unerlässlich:

„Der entscheidende Punkt ist, dass Du objektiv und nachvollziehbar begründest, warum das Unternehmen Deine Arbeitsleistung wie gewünscht bezahlen und damit bewerten sollte. Beschreibe konkret Deine Kompetenzen oder Aufgaben, um Deine Forderungen zu untermauern.

Deine persönliche Qualifikation, Deine Erfahrung im Berufsfeld und Dein Expertenstatus spielen dabei eine große Rolle. Bewegst Du Dich in Berufsfeldern, in denen ein Fachkräftemangel herrscht, wirst Du mit anderen Forderungen ins Gespräch gehen können als in Branchen, in denen ausreichend Arbeitskräfte am Markt sind. Unterscheiden Dich spezifische Erfahrungen oder Wissen wie Auslandsaufenthalte, Spracherfahrungen oder Anwendungswissen im Bereich Industrie 4.0 von anderen Bewerbern? Dann ist das bedeutend für die Höhe Deiner Gehaltsforderungen.

Am einfachsten ist das natürlich, wenn eine Änderung in den Arbeitsaufgaben, der Verantwortung oder dem Arbeitsumfang erfolgt. Hier musst Du klar argumentieren, dass sich die höhere Verantwortung, der neue oder gestiegene Arbeitsumfang oder die neuen Herausforderungen zur Erledigung der Aufgaben auch im Gehalt niederschlagen sollten.“

 

 

In nachfolgendem Video erfährst Du von der Expertin Silke Kopitz, wie Du im nächsten Vorstellungsgespräch Dein Wunschgehalt verhandelst.

Gehalt – So setzt sich Dein Arbeitsentgelt zusammen

Gehaltsvorstellungen im Vorstellungsgespräch gibst Du immer als Bruttogehalt an. Dieses besteht aus dem Grundgehalt sowie einem variablen Gehaltsbestandteil und nicht-monetären Vorteilen. Diese nicht-monetären Benefits sorgen dafür, dass Dir am Ende des Monats mehr Netto-Gehalt bleibt (Job-Ticket, Bahn, Vergünstigungen, Rabatte etc.). Weihnachts- und Urlaubsgeld sind variabler Bestandteil des Jahresbruttogehalts – Dein Arbeitgeber muss es aber nicht zahlen. Außerdem können noch leistungs- und erfolgsabhängige Boni fällig werden, wenn Du Deinem Unternehmen dank Deiner Arbeit mehr Umsatz bescherst.

Zu wenig Gehalt gefordert im Vorstellungsgespräch?

Wenn Dein Gesprächspartner zu schnell Deinen Gehaltsforderungen zustimmt, kann das Zweifel in Dir wecken. Hat das Unternehmen die Stelle eigentlich deutlich höher dotiert? Thomas Völkl rät in diesem Fall Folgendes:

„In diesem Fall sind Fragen nach weiteren Vergütungen möglich. Du kannst auch langfristige Perspektiven ansprechen, das heißt Du verhandelst einen Zeitplan zur Gehaltssteigerung. Parallel dazu bietet es sich an, dass Du mit Deinem zukünftigen Arbeitgeber einen persönlichen Qualifizierungsplan erstellst und konkrete Fort- oder Weiterbildungen vereinbarst, die beispielsweise durch das Unternehmen finanziert werden.“

Nicht nur Bares ist Wahres

Wie Du siehst, spielt nicht nur das monatliche Geld eine Rolle, „sondern viele weitere Gehaltskomponenten wie Firmenwagen, bezahlte Versicherungsbeiträge, kostenloses Essen und Getränke, zusätzliche Urlaubstage, Mobiltelefone, kostenlose Ferienwohnungen, Firmenkreditkarten und vieles mehr. Deshalb bist Du dann erfolgreich, wenn Du möglichst viele dieser kreativen Lösungen in Betracht ziehst. Denn bestimmte Gehaltskomponenten sind für den Arbeitgeber nahezu kostenneutral, für Dich als Arbeitnehmer jedoch bares Geld wert.“

Knackpunkt Gehalt – wenn Ihr keine Einigung erzielt

Wenn zwischen Deiner Gehaltsvorstellung und der des Personalers Welten liegen, hilft Dir auch die beste Vorbereitung nicht weiter. In diesem Fall hast Du nur folgende beiden Optionen:

  1. Wenn Du Dich nicht unter Wert verkaufen willst, bringe das Gespräch möglichst schnell zum Abschluss. Danach kannst Du dann telefonisch oder per E-Mail ohne Angaben von Gründen dem Unternehmen absagen.
  2. Du sagst dem Personaler offen, dass das angebotene Gehalt zu gering ist und Du mindestens ein Jahresgehalt von X Euro anstrebst. Dein Ansprechpartner kann nun entweder auf das Angebot eingehen und Dich zu den von Dir gewünschten Konditionen einstellen. Oder aber er sucht weiter nach einem geeigneten Mitarbeiter.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Du die Stelle für das angebotene Gehalt annehmen sollst oder nicht: Bitte um etwas Bedenkzeit und wäge Vor- und Nachteile gegeneinander ab. Denn es gibt noch andere Faktoren, die bei der Entscheidung für oder gegen einen Job eine Rolle spielen sollten, zum Beispiel die Work-Life-Balance oder das Tätigkeitsgebiet.

Bin ich Krösus?! – Nein, bist Du nicht!

Reich wie Krösus sind die Wenigsten. Daher hast Du in den Gehaltsverhandlungen nichts zu verschenken. Wir haben für Dich nochmal zusammengefasst, worauf Du bei den Gehaltsverhandlungen im Vorstellungsgespräch achten solltest und wie Du Dein Wunschgehalt erfolgreich verhandelst:

Thomas Völkls Tipps zur Gehaltsverhandlung im Überblick:

„Grundlegend bei einer jeden Gehaltsverhandlung ist eine absolute Klarheit und realistische Einschätzung Deiner Fähigkeiten und Kompetenzen, da das die Argumentationsbasis für Deine Verhandlung ist. Denn neben der Fokussierung auf die Bezahlung, musst Du in der Vorbereitung ebenso betrachten, welche Gegenleistung Du selbst für dieses Gehalt bringen kannst und willst. Schließlich ist das Gehalt die Bezahlung einer (Gegen-)Leistung.

Was willst Du in den nächsten Jahren verdienen? Gerade bei Gehaltsverhandlungen muss auch die langfristige Perspektive gesehen werden. Essenziell für ein erfolgreiches Gespräch ist, sich im Vorfeld in die Rolle des Gesprächspartners zu versetzen. Andere Ratgeber empfehlen zudem, persönliche Stärken und Schwächen innerlich gut zu formulieren, um im Gespräch glaubwürdig rüberzukommen. Wichtig ist, sich besonders seiner Schwächen bewusst zu sein und keine Angst zu haben, diesem unangenehmen Thema dem Chef gegenüber offen entgegenzutreten. Ins Gespräch sollte der Bewerber innerlich strukturiert mit positiver Energie und Motivation gehen.“

 

Jetzt erfolgreich durchstarten!

Wenn Du diese Tipps beherzigst, sollte einer erfolgreich verlaufenden Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch nichts mehr im Weg stehen. Und das Beste: Du hast es schon bis zu den Gehaltsverhandlungen geschafft! Nutze also Deine Stärken, trete selbstbewusst und motiviert auf. Sobald Du den Job in der Tasche hast, informiere Dich, wie Du erfolgreich in den neuen Job startest und wie Du die Probezeit überstehst.

Viel Erfolg bei den Gehaltsverhandlungen im Bewerbungsgespräch wünscht Dir AVANTGARDE Experts

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