Mentor und Protegé im Büro

Personalverantwortung erfolgreich übernehmen und Wissen weitergeben

Ursprünglich ein Modell aus Unternehmensberatungen, setzen auch andere Branchen zunehmend auf Mentorenprogramme. Wie eine aktuelle Studie von AVANTGARDE Experts nun herausfand, kommt dieses Konzept der Personalentwicklung bei vielen Mitarbeitern gut an. Knapp die Hälfte aller Arbeitnehmer wäre bereit, ihr Unternehmen zusätzlich zu unterstützen, indem sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen an Berufsstarter weitergeben. Zudem würde sich ein Drittel aller Befragten dazu bereit erklären, einem jüngeren Kollegen langfristig als Mentor zur Seite zu stehen. Was es heißt, ein so genannter „Personal Mentor“ zu sein, welche Fähigkeiten Du hier mitbringen solltest und wieso nicht nur junge Mitarbeiter von diesem Konzept profitieren, verraten wir Dir jetzt.
20
Feb

PERSONAL MENTORING ALS ERFOLGSKONZEPT FÜR DAS GANZE UNTERNEHMEN

Der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel ist zweifellos eine der größten Herausforderungen für Unternehmen in den nächsten Jahren. Erfahrene Mitarbeiter verfügen über ein großes Know-how, was in ihrem Arbeitsalltag nicht immer Anwendung findet. Die jüngere Generation könnte hiervon profitieren. Angestellte, die bereits länger in der Firma sind und Führungskräfte geben ihr Wissen, ihre Kontakte und Erfahrungen an jüngere Mitarbeiter weiter. Unternehmen schaffen damit sowohl kompetenten Nachwuchs als auch Sinnstiftung für die erfahrene Belegschaft.

SO FUNKTIONIEREN DIE MENTORINGPROGRAMME

Zusätzlich zur allgemeinen Einarbeitung im Team setzen immer mehr Unternehmen auf ein Mentoring-Programm, um jüngere Mitarbeiter schneller und nachhaltiger zu integrieren. Der Mentor kann hier sowohl ein Kollege aus der gleichen Abteilung, der direkte Chef als auch ein Mitarbeiter aus einem komplett anderen Bereich sein. Denn innerhalb des Tandems geht es, je nach Modell, nicht nur um die Einarbeitung in tägliche Aufgaben und die fachliche Kompetenz des Berufsstarters.

Als Personal Mentor führst Du Deinen Schützling in die Unternehmenskultur ein. Du hilfst bei zwischenmenschlichen Konflikten und gibst ehrliches Feedback. Der erfahrene Mitarbeiter stellt Kontakte her und gibt Tipps für Personalgespräche oder neue Projekte. Er gibt dem Mentee Ratschläge zu Arbeitsweisen aber auch zwischenmenschlichem Verhalten, wodurch dieser sich sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickeln kann.

WAS MACHT DICH ZU EINEM GUTEN MENTOR?

I. DIE BASICS

In Deinem Unternehmen gibt es die Möglichkeit, an einem Mentorenprogramm teilzunehmen und Du spielst mit dem Gedanken, Dich als Mentor zu engagieren? Hier macht es Sinn, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Erwartungen Du an diese Tätigkeit hast, welche Fähigkeiten Du mitbringen solltest und welche Skills sich zusätzlich aneignen lassen. Nicht jeder ist für ein Mentoring-Programm geeignet. Der Erfolg dieser Art der Zusammenarbeit ist zu einem großen Anteil von der Kompetenz des Mentors abhängig. Wir haben daher einige grundlegenden Anforderungen gesammelt, die einen guten Mentor ausmachen:

  • Eine langfristige Motivation (in der Regel gehen die Programme über ein bis zwei Jahre)
  • Viel Erfahrung, sowohl fachlich als auch die Unternehmenskultur betreffend
  • Ein gutes Netzwerk im Unternehmen
  • Ein kommunikatives und empathisches Wesen
  • Freude an der Zusammenarbeit mit jungen Menschen
  • Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Perspektiven
  • Wille zur persönlichen Weiterentwicklung
  • Ein offenes Ohr für den Mentee und seine Bedürfnisse
  • Begegnung auf Augenhöhe
  • Genug Zeit für regelmäßige Treffen
  • Kritik- und Konfliktfähigkeit

II. TIPPS FÜR DIE PRAXIS

Nachdem die Grundvoraussetzungen abgesteckt sind, gilt es, den Mentee wirklich kennenzulernen. Hier braucht es viel Einfühlungsvermögen. Gabriele Eick, Unternehmensberaterin und langjährige Mentorin fasst es folgendermaßen zusammen: „Der Mentor lässt die Persönlichkeit seines Schülers auf sich wirken und ergänzt sie. Einem introvertierten Menschen verkuppelt er mit einem starken Redner. Einem Eigenbrötler bringt er bei, Aufgaben zu delegieren. Er stellt die Fragen, die sein Schüler nicht selbst stellt. Und er sollte Reibung erzeugen." [Quelle: https://www.business-wissen.de/artikel/mentoring-alt-und-jung-lernen-voneinander/ zitiert nach: Enable, 7/2007]

Mentoring Grafik

MENTOR MUSS FINGERSPITZGENGEFÜHL IN BEZIEHUNG ZUM MENTEE BEWEISEN

Ein guter Lehrmeister muss die Stärken und Talente seines Schülers ebenso erkennen, wie Schwächen, Sorgen oder Probleme. Gerade letzteres erfordert Fingerspitzengefühl. Als guter Mentor solltest Du Deinem Schützling vermitteln, dass er Dir auch persönliche Niederlagen und Ängsten anvertrauen kann. Hier ist es hilfreich, nicht als der allwissende Übermensch aufzutreten, sondern von den Hürden und Stolpersteinen Deiner Karrierelaufbahn zu erzählen.

Ein entscheidender Punkt, den ein erfolgreicher Mentor beherrschen sollte, ist eine gute Balance zwischen Lob und Kritik. Es ist enorm wichtig, erste Erfolge in der Karriere Deines Mentees wertzuschätzen und ihm positive Rückmeldungen zu geben. Konstruktive Kritik und absolute Ehrlichkeit ist in der Beziehung mindestens genau so bedeutend.

Wenn Du merkst, dass Dein Mentee ein Problem mit seinem Zeitmanagement hat oder seine Fremdsprachenkenntnisse dringend ausbauen sollte, dann sag ihm das sachlich aber direkt. Umgekehrt muss ein Mentor ebenso offen für Feedback und Kritik seitens des Mentees sein.

VORAUSSETZUNG FÜR EIN ERFOLGREICHES MENTORING-TANDEM

Mann Frau Arbeit

Ob eine Mentoring-Zusammenarbeit erfolgreich funktioniert, hängt nicht nur vom Mentor ab. Hier sind beide Seiten gefragt. Zunächst müssen sich die Partner sympathisch sein und ähnliche Vorstellungen von der Zusammenarbeit im Tandem haben. Wichtig ist hier, zu Beginn Ziele und Rahmenbedingungen offen zu besprechen. Auch ein respektvoller Umgang miteinander ist entscheidend.

BOSCH ZEIGT, WIE´S GEHT

Wie ein erfolgreiches Mentorenprogramm funktioniert, zeigt das Beispiel Bosch. Der globale Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt, in Führungspositionen einen Frauenanteil von 20 Prozent bis 2020 zu erreichen. Ein Modell im Rahmen der Führungskräfteentwicklung ist Personal Mentoring. Alle Frauen mit Aussicht auf Beförderung zur nächsthöheren Entwicklungsstufe wird ein Mentor oder eine Mentorin zur Seite gestellt. Diese sind jeweils zwei Hierarchieebenen höher angesiedelt und stammen teilweise aus anderen Geschäftseinheiten, sodass verschiedene Bereiche sich untereinander besser austauschen.

Im Rahmen des Mentorenprogramms werden begleitende Workshops und themenbezogene Veranstaltungen angeboten. Mentor und Mentee stecken zu Beginn gemeinsame Ziele ab und halten diese in einer Art Zielvereinbarung fest. Die Programme laufen sehr erfolgreich. Für die Mentees ergeben sich wichtige Kontakte, sie erhalten neue Ideen und Erfahrungen aus der Berufswelt höherer Führungskräfte. Die Mentoren schätzen vor allem den Austausch und neue Perspektiven, die sie erhalten. Die männlichen Mentoren bekommen durch die enge Zusammenarbeit mit ihren weiblichen Kolleginnen Einblicke in die unterschiedlichen Sichtweisen von Männern und Frauen.

FORTBILDUNGEN UND WISSENSAUSTAUSCH: SKILLS FÜR EINEN GUTEN MENTOR

Als wichtiges Instrument in der Personalentwicklung ist es sinnvoll, das Mentorenprogramm mit professionellem Know-how zu begleiten. Um die erforderlichen Skills auszubauen, bieten sich verschiedene Fortbildungen an. Das Erlernte wird Dir nicht nur helfen, ein besserer Mentor zu sein, sondern Dich auch in Deinem eigentlichen Job weiterbringen. Sinnvoll sind beispielsweise Führungskräfte-Trainings. Hier lernst Du, wie Du Deinen Mentee optimal fördern und motivieren kannst.

Seminare zu Themen wie Persönlichkeitsentwicklung und Konflikt-Management helfen das eigene Verhalten zu reflektieren und dem jüngeren Kollegen wichtige Tipps für Meetings, Verhandlungen oder Konfliktsituationen zu geben. Auch Blogs und Bücher sind hilfreich, um sich neue Skills anzueignen oder mit anderen Mentoren auszutauschen.

Der Blog Mentor Lane gibt nicht nur Ratschläge und Programme für beide Seiten des Tandems, sondern vermittelt auch Mentoren und Mentees aus verschiedenen Unternehmen und Branchen. Um sich zunächst grundlegend mit dem Thema Mentoring auseinanderzusetzten und sich Tipps für Konzepte und Beispiele zu holen, bieten sich Fachbücher wie „Mentoring – Das Praxisbuch für Personalverantwortliche und Unternehmer“ an.

FAZIT

Erfolgreiches Personal Mentoring wird zur Win-Win-Situation für alle Teilnehmer und ist eine wichtige Maßnahme für die Herausforderungen der Zukunft, wie Fachkräftemangel und demographischer Wandel. Die Tätigkeit als Mentor bringt Abwechslung in Deinen Arbeitsalltag, fördert neue Kollegen und schult deine Softskills.

Wenn Du Dich nun nach einer neuen Herausforderung sehnst, Du Personalverantwortung übernehmen und Dein Unternehmen weiter voranbringen willst, kann eine Mentorentätigkeit für Dich das perfekte Projekt sein. Also informiere Dich am besten gleich in der HR-Abteilung, ob in Deinem Unternehmen Mentoring-Programme bereits angeboten werden oder schlage dieses Modell der Personalentwicklung proaktiv vor.

 

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