Boreout vermeiden durch leichte Überforderung am Arbeitsplatz

Gesunde Überforderung und Glück am Arbeitsplatz

02.05.2017
Multitasking - Überforderung im Job

Während Experten das Phänomen des Burnouts bereits zur Volkskrankheit ausrufen, ist die gegenteilige Entwicklung, das sogenannte Boreout noch weitgehend unbekannt. Dabei tragen Unterforderung und fehlende Sinnstiftung einen großen Anteil an der Unzufriedenheit am Arbeitsplatz. Eine von AVANTGARDE Experts in Auftrag gegebene Studie verweist auf den positiven Zusammenhang zwischen leichter Überforderung und Arbeitszufriedenheit. Daher stellt sich die Frage, wie man aus einer gesunden Überforderung positive Impulse für mehr Zufriedenheit im Job ziehen kann?

Laut einer Umfrage der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin fühlen sich 11 Prozent der Arbeitnehmer unterfordert. Ebenso wie beim Burnout-Syndrom kann sich andauernde Langeweile und fehlende Sinnstiftung negativ auf die Gesundheit auswirken. Ist eine Belastung durch zu viel Stress am Arbeitsplatz gesellschaftlich akzeptiert, sieht es beim Boreout anders aus. Stress durch Nichtstun? Viele ausgelastete Angestellte empfinden das allenfalls als „Jammern auf hohem Niveau“. Doch wer seine Fähigkeiten nicht unter Beweis stellen kann und sich im Job nutzlos fühlt, empfindet seine Tätigkeit schnell als frustrierend. Angestellte mit täglich neuen vermeintlich zu hohen Herausforderungen, verbuchen Erfolgserlebnisse und schaffen so nachhaltige Arbeitszufriedenheit

Gesunde Überforderung als Impulsgeber

Überforderung am Arbeitsplatz, auf den ersten Blick negativ konnotiert, kann sie in einem gesunden Maß die Arbeitsleistung fördern. Herausfordernde Projekte trotz Schwierigkeiten erfolgreich zu meistern, bewirkt einen positiven Lerneffekt und einen Selbstbewusstseinsschub. Ein Effekt, der sich auf zukünftige zunächst überfordernde Tätigkeiten gewinnbringend auswirkt. Werden Arbeitnehmer häufig mit Herausforderungen konfrontiert und müssen sich durchbeißen, verzeichnen sie motivierende Erfolgserlebnisse. Angestellte, die ihre gewohnten Aufgaben erfolgreich erledigen, aber nichts Neues lernen, erleben diese Leistungsstimulation weniger. Das alte Mantra „Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben“ könnte in diesem Zusammenhang nicht passender sein.

Sinnvoller Einsatz im Alltag

Um diese Erkenntnis gezielt in den Alltag zu integrieren, gibt es verschiedene Herangehensweisen. Dabei gilt es zwei Dinge zu bedenken. Zum einen hat jeder Mensch ein individuelles Empfinden für Über- oder Unterforderung. Was der Eine als positiven Stress empfindet, wird dem Anderen zu viel an Arbeit. Zum anderen gilt es zu unterscheiden, woher die Herausforderung stammt. Aufgaben, die Arbeitgeber an sich selbst stellen oder die sie für sinnvoll erachten, werden gerne erledigt. Unliebsame Tätigkeiten, die Chefs oder Kollegen bei einem abladen, empfindet man eher als negativen Stress. Damit die gesunde Überforderung kein ungesundes Ausmaß annimmt, ist es wichtig zu priorisieren. Ist der anfangs scheinbar nie zu bewältigende Berg an Arbeit abends ein gutes Stück kleiner geworden, lässt sich der nächste hohe Workload leichter angehen.

Work-Life-Balance

Wo beginnt chronische Überforderung? Erste Alarmzeichen

Bei allen positiven Aspekten eines fordernden Jobs, ist es wichtig den Grad der Auslastung in einem gesunden Maß zu halten. Eine besorgniserregende Tendenz ist die starke Zunahme von psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen am Arbeitsplatz. In der AVANTGARDE Experts Studie gaben 53 Prozent der Befragten an, sich in ihrem Job leicht bis stark überfordert zu fühlen. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, ist es ratsam die ersten Alarmzeichen zu erkennen und diese vorzubeugen.

Typische Anzeichen für eine ungesunde Überforderung an Arbeitsplatz:

  • Nachlassende Leistungsfähigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Häufung vermeidbarer Fehler

Überstunden sind die Folge. So entsteht schnell ein Teufelskreis, der sich zu einem chronischen Erschöpfungszustand entwickelt.

Eine ungesunde Überforderung begleiten zudem häufig psychosomatische Symptomen wie:

  • Schlafstörungen, Rücken- und Kopfschmerzen

Wie kann man als Betroffener diesen Alarmzeichen des Körpers vorbeugen?

Tipps von Organisationspsychologe und Coach Bert Feustel, um Überforderung am Arbeitsplatz im gesunden Rahmen zu halten

  1. Setzen Sie Prioritäten und lernen Sie „Nein“ zu sagen: Eine gesunde Auslastung und herausfordernde Tätigkeiten tragen, wie oben gezeigt, zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz bei, dennoch ist es wichtig, sich einzugestehen, nicht alles schaffen zu können und Aufgaben abzugeben
  2. Gönnen Sie sich Auszeiten und achten Sie auf eine gesunde Work-Life-Balance: Viele gestresste Angestellte lassen schnell die Mittagspause ausfallen und schieben Überstunden, um dem Arbeitspensum gerecht zu werden. Dies kann schnell nach hinten losgehen. Nur wer sich regelmäßig Pausen gönnt, kann kreativ und leistungsfähig zu seinen Aufgaben zurückkehren. Abends sollte zudem Zeit für Sport und soziale Kontakte bleiben. Ihre Gesundheit und Ihr Umfeld wird es Ihnen danken!
  3. Prüfen Sie Ihre eigenen Erwartungen: Klinken Sie sich bewusst aus dem Hamsterrad aus und hinterfragen Sie Ihre Beweggründe. Setzen Sie zu hohe Ansprüche an sich selbst? Versuchen Sie die Erwartungen anderer stets zu 100 Prozent erfüllen? Hierbei ist es wichtig, ehrlich mit sich selbst zu sein und gegebenenfalls Mut zu Veränderungen zu haben.
Über Bert Feustel
  • M.A. Philosophie, Psychologie, Wissenschaftstheorie, Logik
  • Business-Consulting / - Training / - Coaching
  • Organisationsentwicklung

  • Einzel-Coaching
  • Train-the-Trainer (auch unternehmensintern)
  • Veröffentlichungen und Vorträge: "Der Erfolgscoach" (2007) und "Mach mehr aus Dir" (2008)
  • Webseite: mindsystems.de

Bilder: Bild 1: iStock/alphaspirit, Bild 2: iStock/ksyu_deniska

02.05.2017

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