Langeweile im Büro: 6 Tipps, was Du dagegen tun kannst

6 Tipps zum Umgang mit Langeweile im Büro & wie sie Deine Produktivität ankurbeln kann

31.10.2017
Langeweile im Büro

Viele Menschen haben die besten Ideen unter der Dusche oder beim Joggen – und das ist kein Zufall. Kaum zu glauben, aber mehrere Studien legen nahe, dass Du tatsächlich am kreativsten und produktivsten bist, wenn Du eintönigen Aufgaben nachgehst! Was genau sich hinter diesem scheinbaren Widerspruch verbirgt und wie Du Dein Potenzial konkret im Job nutzen kannst, erfährst Du hier.

Zusammenhänge zwischen Langweile und Kreativität

Langeweile und Kreativität haben nichts miteinander zu tun? Weit gefehlt. In kleinen Mengen kann Langeweile Deiner Kreativität sogar richtige Schübe versetzen und Dich produktiv werden lassen! Forscher der University of Lancashire und der Penn State University sind in voneinander unabhängigen Studien zu dem Schluss gekommen, dass kurze Phasen langweiliger Tätigkeit die menschliche Kreativität entscheidend anregen können. Besonders simple Aufgaben, bei denen sich das Tagträumen einstellen kann, können Dein kreatives Potenzial am Wirksamsten hervorlocken und Deine Produktivität signifikant steigern.

Die britischen Forscherinnen Sandi Mann und Rebekah Cadman ließen ihre Probanden 15 Minuten lang in einem Telefonbuch lesen oder Nummern daraus abschreiben. Im Anschluss sollten sie Ideen für den Gebrauch von Plastikbechern entwickeln. Das Ergebnis der Experimente derjenigen Teilnehmer, die sich mit den eintönigen Telefonbuch-Aufgaben beschäftigten, kamen auf weitaus kreativere Ideen als die Mitglieder der Kontrollgruppe, die von der Aufgabe verschont geblieben waren.

Geistesblitze entstehen bei Langeweile

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch Karen Gasper und Brianna Middlewood der Penn State University: Sie zeigten ihren Probanden zunächst Videos und stellten ihnen anschließend die Aufgabe, Wortreihen zu erweitern. Diejenige Gruppe, die sich ein langweiliges Video ansehen musste, kam im Anschluss auf viel originellere und kreativere Ideen als die anderen Gruppen, denen entspannende, bedrückende oder ansprechende Videos gezeigt wurden.

Die Studienergebnisse legen demnach nahe, dass öde Phasen im Job hilfreich sein können, um danach besonders interessante Lösungsansätze zu entwickeln und produktiv zu werden. Mit folgenden Tipps kannst Du Langeweile für Deine Karriere gezielt nutzen.

1. In die Gänge kommen

Wenn Dir langweilig ist, liegt es nicht unbedingt daran, dass gerade nichts Spannendes los wäre. Manchmal ist Deine Wahrnehmung nur durch physische Mängel wie die falsche Ernährung oder zu wenig Wasserzunahme gehemmt, welche dafür sorgen, dass Deine Leistung nachlässt und Dir Interessantes entgeht. Dafür kann es mehrere, sehr simple Gründe geben: Fehlender Sauerstoff, zu wenige Nährstoffe, Schlaf- oder Bewegungsmangel können Deine Tagesform schwächen und Deinen Geist unzugänglich für Deine Umwelt und die Vorgänge darin machen. Gerade wenn der Körper unterversorgt ist, kann es passieren, dass Du Dich schlapp und lustlos fühlst. Um aus dem Tief zu kommen, können daher verschiedene Maßnahmen hilfreich sein: Das Büro lüften, einen gesunden Snack zu Dir nehmen, oder auch eine kurze Runde um den Büroblock zu drehen.

Was Du tun kannst, wenn Deine körperliche Verfassung Dir gerade im Weg steht, findest Du hier.

2. Mut zur (Un-)Ordnung

Ein aufgeräumtes Büro gilt als vorbildlich und macht einen guten Eindruck. Doch nicht jeder kann optimal an einem aufgeräumten Arbeitsplatz arbeiten. Denn je nachdem, in welcher Umgebung Du arbeitest, wirkt sich das auf Dein Verhalten aus. Es kann unter Umständen also sogar sehr hilfreich sein, beim Chaos zu bleiben. Ein unordentlicher Arbeitsplatz kann Dir im Job dabei helfen, wenn es gerade darauf ankommt, kreativ, originell und innovativ zu sein, wie die Psychologin Kathleen Vohs in einem Beitrag der Zeitschrift Psychological Science feststellt. In einer Reihe von Experimenten ist sie zu dem Ergebnis gekommen, dass eine aufgeräumte und saubere Umgebung dazu führt, dass Menschen tun, was von ihnen erwartet wird und sich dabei an bestehenden Ordnungen orientieren. Eine unordentliche Arbeitsumgebung hingegen führte bei den Probanden zu mehr Kreativität. Je nachdem, was beruflich gesehen Dein Ziel ist, kannst mit der Wahl Deiner Arbeitsumgebung gezielt Einfluss auf Deine Leistung nehmen.

kreative Unordnung auf dem Schreibtisch

3. Gehirn trainieren

Bei kleinen Zeitfenstern kannst Du die Langeweile auch gezielt nutzen, um Deinen eigenen Kopf zu trainieren. Denn: Für Deine Leistungen sind die exekutiven Funktionen des Gehirns entscheidend! Die Hirnforschung bezeichnet mit diesem Begriff alle kognitiven Fähigkeiten, die Denken und Handeln kontrollieren und koordinieren. Ob beim Fußball oder im Job – sie sind für planmäßiges, strategisches und effektives Handeln ausschlaggebend, von der Koordination beim Multitasking und dem Task-Switching über Konzentrationsvermögen und Entscheidungsfindung bis hin zum Entwickeln kreativer Lösungsansätze. Und das Tolle daran ist, dass sich diese Fähigkeiten trainieren lassen und Du damit Dein ungenutztes Hirnpotenzial aktivieren kannst.

Anders gesagt: Dein Denkvermögen und die damit verbundenen sprachlichen und körperlichen Handlungen kannst Du durch wiederholten und regelmäßigen Umgang mit gezielten Stimuli verbessern. Strategisch gesehen ist das die reinste Goldgrube, um Dir die Zeit bei der Arbeit sinnvoll zu vertreiben und Deine Fähigkeiten zu verbessern. Gedächtnistraining, Konzentrationsaufgaben oder Denksport wie Logikrätsel helfen Dir gezielt, Dein Gehirn zu trainieren. Praktische Übungen findest Du zum Beispiel hier.

Je mehr Du Deinen Geist trainierst, desto bewusster und bestimmter kannst Du Entscheidungen treffen, Dich in neuen Situationen zurechtfinden oder leichter neue Lösungsansätze für komplexe Zusammenhänge entwickeln. Das heißt, je fitter Dein Gehirn ist, desto mehr Kontrolle hast Du über Dein eigenes Leistungsvermögen.

4. Neue Herausforderungen suchen

Um bei langweiligen Phasen im Job nicht in einen Trott zu verfallen und aktiv im Geschehen zu bleiben, ist es gut, den Kontakt zu Deinen Kollegen zu suchen. Zwar können sie innerhalb Deiner Abteilung auf andere Gebiete spezialisiert sein, jedoch ist es sinnvoll Hilfe anzubieten.

Zum Beispiel kannst Du einen überforderten Kollegen entlasten, wenn Du gerade keine Aufgaben zu erledigen hast. Einerseits hältst Du damit den Workflow in Gang und hast andererseits die Möglichkeit, Dich an Neues heranzuwagen und frischen Wind in Deine Routine zu bringen. Eventuell entdeckst Du dabei sogar neue Talente oder Interessen. Ein weiterer Pluspunkt: Dein Kollege wird Dir mit Sicherheit dankbar sein und Euer Teamgeist wird gestärkt.

Unterstützung im Job durch Teamarbeit

5. Selbstreflexion betreiben

Führt Langeweile zu Stillstand und Unzufriedenheit im Job, betonen Psychologen die Bedeutung von Achtsamkeit und Selbstreflexion, um persönliche Ziele zu definieren, Wünsche vor Augen zu führen und zu überprüfen, woran es konkret hakt.

„We do not learn from experience… we learn from reflecting on experience“, so der amerikanische Philosoph und Psychologe John Dewey. Zu Deutsch: „Wir lernen nicht aus Erfahrungen… wir lernen daraus, wenn wir sie reflektieren“. Das zentrale Element, um Deine eigene Leistungsfähigkeit anzutreiben, ist die aktive Auseinandersetzung mit Deinen eigenen Erfolgen, Wünschen und Zielen.

Stelle Dir zum Beispiel folgende Fragen:

Angestellter bei der Selbstreflexion

Aus bisherigen Erlebnissen lernst Du am meisten, wenn Du versuchst, Deine konkrete Erfahrung zu abstrahieren und sprachlich zu erfassen. Dabei kann Dir auch helfen zu überlegen, welche Alternativen es gegeben hätte und was das auf Deine aktuelle Situation übertragen bedeutet. Sobald Du beginnst, Dir all Deiner Erfolge, Fähigkeiten und Potenziale bewusst zu werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Du Deine Ziele tatsächlich erreichst und so noch produktiver und zielgerichteter wirst.

6. Perspektiven finden

Dass Du Dich hin und wieder im Job langweilst, kann vorkommen. Wenn die Langeweile sich jedoch häuft, ist es gut, sich der eigenen beruflichen Situation bewusst zu werden, sie ernst zu nehmen und zu überdenken. Vielleicht kann es schon helfen, Arbeitsprozesse umzugestalten oder sogar mehr Verantwortung zu übernehmen.

Das Gespräch mit Deinem Vorgesetzten zu suchen und Dein Problem klar zu benennen, ist in diesem Fall vernünftig. Achte darauf, dass Du Dich nicht einfach nur beschwerst, sondern mache deutlich, dass Du motiviert bist, etwas an der Situation zu ändern und inwiefern das auch einen Gewinn für das Unternehmen darstellen könnte. So hast Du gute Argumente, weshalb eine Änderung der Situation eine Verbesserung für alle Beteiligten herbeiführen könnte. Wenn Du bereit wärst, Deinen Verantwortungsbereich zu erweitern und Deine individuellen Potenziale umfassender zu nutzen, dann kannst Du das auch anbieten. Bevor Du Dich zu diesem Schritt entscheidest, solltest Du Dir jedoch ganz sicher sein, dass keine Aufgaben unter den Tisch gefallen sind oder Du einen Punkt auf Deiner To-Do-Liste vergessen hast. In unserem Magazin findest Du Tipps für ein besseres Durchsetzungsvermögen beim Gespräch mit Deinem Vorgesetzten.

Solltest Du trotz allem Deinen Job anzweifeln und Dich vielleicht in einer Sinnkrise befinden, lies unser Interview mit dem Job-Coach Dr. Bernd Slaghuis. Möglicherweise ist es auch Zeit für einen Jobwechsel? Auf der Suche nach neuen Perspektiven und Herausforderungen hilft Dir unsere Jobbörse weiter.

Bilder: Titelbild: gettyimages/ AntonioGuillem; Bild 1: gettyimages/ ThomasVogel; Bild 2: gettyimages/ eternalcreative; Bild 3: gettyimages/ gradyreese; Bild 4: gettyimages/ jeffbergen.

31.10.2017

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