Gleichberechtigung im Beruf: Darum sind Frauen oft unzufriedener

Warum sind Frauen im Durchschnitt häufiger unzufrieden im Job als Männer?

18.04.2017
Unzufriedenheit im Job bei Frauen

Zufriedenheit im Job setzt sich aus diversen Faktoren zusammen. Hier beispielsweise das Gehalt, dort die zeitliche Flexibilität. Erscheinen derlei Aspekte positiv, sind ArbeitnehmerInnen zufrieden. Erscheinen sie negativ, stellt sich Unzufriedenheit ein. Natürlich empfindet das jeder anders. Was dem einen in Sachen Gehalt ausreichend erscheint, wirkt auf den anderen knapp. Eines macht eine von AVANTGARDE Experts in Auftrag gegebene Studie jedoch deutlich: Frauen sind im Job häufiger unzufrieden als Männer.

Frauen und Männer im Job - Unterschiede in der ZufriedenheitWann immer die allgemeine Zufriedenheit in den Fokus rückte, schnitten Arbeitgeber weiblicher Befragter ein wenig schlechter ab. Doch weshalb? Einen ersten Anhaltspunkt liefert das Gehalt. Laut Studie ist es der essentiellste Faktor, sollen sich ArbeitnehmerInnen in ihrem Job wohl fühlen. 44 Prozent der Befragten gaben an, dass nichts die eigenen Arbeitsbedingungen so positiv beeinflusse, wie ein als gerecht und ausreichend empfundenes Gehalt.

Unverständlicherweise - das geht aus einer Studie des Job- und Karriereportals Glassdoor hervor - verdienen Frauen heute allerdings immer noch durchschnittlich 5,5 Prozent weniger als Männer. Bei gleicher Tätigkeit, Ausbildung und Erfahrung.  Tendenzen, weibliche Angestellte schlechter zu bezahlen als männliche, bestehen also weiterhin. Am gravierendsten sind die Unterschiede im Marketing und Vertrieb. Natürlich empfinden Frauen das als ungerecht. Der Frust steigt. Die Zufriedenheit nimmt ab.

Weniger anerkannt, weniger zufrieden

Um das eigene Bankkonto allein geht es dabei allerdings nicht. Hätten ArbeitnehmerInnen die Wahl – auch das zeigt die Studie – entschieden sich 60 Prozent für mehr Anerkennung. Nur 40 Prozent streben nach gesteigerter Abwechslung. Nun liegt es in der Natur des Menschen, monetären Ausgleich für erbrachte Arbeit als Ausdruck von Anerkennung zu empfinden. Erscheint das Gehalt im Verhältnis zum eigenen Einsatz als zu niedrig, fühlen sich ArbeitnehmerInnen weniger gewürdigt. Gerade bei Frauen ist dies häufig der Fall.

Homeoffice als Option für berufstätige Frauen mit kleinen Kindern

Nicht genügend Flexibilität

Frauen müssen oft Job und Familie unter einen Hut bringenDazu haben sie nahe der 30 oft das Gefühl, angesichts einer möglichen Schwangerschaft schlechtere Karrierechancen als männliche Kollegen zu besitzen. Gerade in diesem Alter bekommen sie gewisse Positionen nicht mehr angeboten, beziehungsweise haben im Falle einer Bewerbung einen Nachteil gegenüber männlichen Mitbewerbern. In der Theorie könnte sie der Mutterschutz schließlich zu einer Pause zwingen. Ob eine Schwangerschaft geplant ist oder nicht, ist dabei meist unerheblich.

Darüber hinaus machen weibliche Angestellte auch in Verbindung mit der zeitlichen Flexibilität schlechtere Erfahrungen. Umso gravierender, da die Befragten der Studie flexible Arbeitszeiten direkt hinter dem Gehalt als zweiten großen Faktor für Zufriedenheit am Arbeitsplatz einordnen.

Teilzeit statt Karriere

Offenbar gestehen Arbeitgeber Frauen gerade für Familie und Mutterrolle nicht genügend Flexibilität zu. Häufig halten sie am alten Modell des klassischen 8-Stunden-Tags fest. Für Mütter ist das gerade in Zeiten des Kitaplatzmangels ein Problem. Dem Wunsch, wieder zu arbeiten, steht dann das Bedürfnis und die Pflicht, sich um das Kind zu kümmern, gegenüber.

Häufig können Frauen Arbeit und Familie nicht so verknüpfen, wie sie dies anstreben. Und besitzen in der Konsequenz schlechtere Karrierechancen. Sie erhalten häufig weniger verantwortungsvolle Jobs, müssen sich mitunter mit Teilzeitpositionen abfinden. Das senkt die Aufstiegschancen – und am Ende die Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

Multitasking von berufstätigen Frauen

Flexiblere Arbeitszeiten und Gehaltsangleichung als Lösungsansatz

Gerade die von vielen Befragten der Studie herbeigewünschte Flexibilität von Arbeitszeit könnte jedoch Abhilfe schaffen. Dabei geht es weniger darum, Frauen oder Müttern einen Freifahrschein auszustellen. Vielmehr würde sich der Fokus ein von der klassischen Anwesenheit hin zu erbrachter Arbeitsleistung verschieben.

Ginge es einzig um das Ergebnis, erhielten Frauen die Chance, sich bei Bedarf um das Kind zu kümmern, gleichzeitig jedoch qualitativ hochwertige Arbeit abzuliefern. Die klassische Entscheidung „Job oder Familie“ fiele weg. Die Karrierechancen blieben intakt.

Das Resultat? Zufriedenere Arbeitnehmerinnen. Der wohl entscheidende Schritt wäre jedoch, die Gehaltsschere deutlich zu verringern, respektive abzuschaffen. Denn am Ende ist eben - gerade das verdeutlicht die Studie - nichts so wichtig für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz wie das Gehalt. Nicht zuletzt im Vergleich mit Kollegen, die das gleiche Aufgabenfeld bearbeiten, die gleiche Erfahrung und Ausbildung mitbringen.

Bilder: Bild 1:iStock/RichVintage, Bild 2: AVANTGARDE Experts, Bild 3: iStock/g-Stockstudio, Bild 4: AVANTGARDE Experts, Bild 5: iStock/sorbetto

18.04.2017

Kommentare

Das Grundproblem liegt nicht am Job oder den Chancen sondern an der Einstellung vieler Frauen. Wir haben doch alle Möglichkeiten, können Kinder bekommen oder nicht, können heiraten oder nicht, können Karriere machen oder nicht... Das einzige was wir tun müssen: Uns entscheiden - genau das ist das Problem! Frauen sind nicht so entscheidungsfreudig, grübeln zu viel und können mit Misserfolgen schlechter umgehen. Lösung: Sich an der eigenen Nase packen, mutiger werden, Konsequenzen eigener Entscheidungen tragen und Fehler auch einmal eingestehen - vielleicht auch mal von Männern lernen. Diese durchdenken nicht jede Entscheidung mehrfach. Dann wird man auch zufriedener. Männer können (noch) keine Kinder bekommen - das ist doch ein unschätzbares Glück, was uns Frauen da zuteil wird, einfach mal genießen, welche Möglichkeiten wir haben. Und wenn ich mich für das Glück mit Kindern entscheide, dann muss ich auch akzeptieren, dass Arbeitszeitflexibilität den Arbeitgeber etwas kostet, Frauen durchschnittlich häufiger krankheitsbedingt ausfallen und durch Erziehungszeiten eben auch weniger Berufserfahrung haben als viele Männer. Wir sollten fair bleiben. Bislang habe ich noch nicht erlebt, dass Frauen, die sich auf ihre Karriere konzentriert haben und keine Kinder bekommen haben, schlechter bezahlt wurden als Männer. Man kann nicht alles haben, Kinder, Teilzeit und das gleiche Gehalt, wie ein Mann der dies nicht in Anspruch nimmt. Und noch ein Punkt, das Risiko einer Schwangerschaft und der damit verbunden Kosten wurde auf die Unternehmen abgewälzt, dass diese vorsichtig sind, bei der Einstellung und Förderung junger Frauen ist nur verständlich (zumal viele Frauen sich bei Schwangerschaft sofort krank schreiben lassen). Diese Risiken sollte die Allgemeinheit tragen müssen und nicht die Unternehmen. Die Arbeitsplatzgarantie sorgt dabei auch für eine Benachteiligung junger Frauen - aus Unternehmersicht verständlich. Verzichten wir als Frauen darauf? Nein, wir wollen die Sicherheit - das kostet Karrierechancen in jungen Jahren. Wie gesagt, man kann nicht alles haben und man muss dem anderen Geschlecht gegenüber auch fair bleiben. Langsam kommt es nämlich zu einer Benachteiligung von Männern in modernen Gesellschaften: Wer traut sich als Politiker eine Politikerin genauso hart zu kritisieren wie einen Mann? Frauen stehen alle Türen offen, sie müssen nur hart an sich arbeiten und kämpfen - wie jeder Mann.

Sie schreiben einerseits, dass Arbeitgeber Frauen in den 8 Stundentag drängen und im gleichen Absatz, dass Frauen zu häufig in Teilzeit statt in Vollzeit arbeiten müssen und das zu Lasten der Karriere geht. Was denn nun?

Gehalt - Lernen von den Männern - mindestens 2 Mal pro Jahr nachfragen und die eigene erbrachte Leistung als Argumentation benutzen. Frauen möchten ihre Vorgesetzten oftmals nicht verärgern, verhandeln schlecht bis gar nicht, reagieren auf Ablehnung ihrer Wünsche emotional, verpassen den richtigen Zeitpunkt und lassen sich auf unbestimmte Zeit vertrösten - besser wäre es sofort einen neuen Verhandlungstermin zu vereinbaren.

Hallo Frau Klein, vielen Dank für Ihren Kommentar. Diesen Widerspruch haben sie richtig erkannt, aber genau dieser stellt das Problem dar. In vielen Unternehmen ist es strukturell für Frauen schwierig trotz Kinder eine Vollzeitstelle zu bekommen. Sie werden dann oft in Teilzeit gedrängt. Oder sie sind "genötigt," eine Teilzeitstelle anzunehmen, obwohl sie mehr als nur Teilzeit arbeiten könnten. Keine der beiden Varianten ist optimal. Daher müssen flexiblere Arbeitskonzepte her.

Hallo Frau Meyer, danke für Ihren Input. Auch wenn man das nicht ganz verallgemeinern kann, haben sie grundsätzlich recht. Gutes Verhandlungsgeschick führt langfristig sicherlich zu größerer Zufriedenheit. Das Gute ist, dass man das ja trainieren kann. Dem ein oder anderen wird es dann sicherlich immer noch schwer fallen.

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