Weniger arbeiten, mehr Freizeit: Gründe und Tipps

5 Gründe, weshalb Jüngere für mehr Freizeit auf Gehalt verzichten

05.09.2017
weniger arbeiten - mehr Freizeit

Am Ende des Monats auf den Gehaltszettel zu blicken und dort plötzlich einen geringeren Endbetrag zu entdecken als noch vor wenigen Wochen, klingt zunächst wenig erstrebenswert. Gerade jüngere Arbeitnehmer entscheiden sich mitunter jedoch bewusst für diesen Moment. Ihr Bedürfnis nach mehr Freizeit lässt einige auf Gehalt verzichten - und das mitunter aus gutem Grund. Doch es gibt auch einen anderen Ansatz.

Ein wenig steht diese Entwicklung den Ergebnissen einer, von AVANTGARDE Experts in Auftrag gegebenen, Studie entgegen. Dort nannte nahezu die Hälfte der Befragten das Gehalt als wichtigsten Faktor, wenn es um die Zufriedenheit am Arbeitsplatz ging. 75 Prozent gaben jedoch an, die Familie der Karriere vorzuziehen. Sogar 83 Prozent entschieden sich zulasten der Karriere für mehr Privatleben, überließe man ihnen die Wahl.

Zwar hält die Mehrheit dennoch an der klassischen Fünf-Tage-Woche fest, immerhin 26 Prozent zeigten sich jedoch bereit, für eine Vier-Tage-Woche auf 20 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Freizeit schlägt Karriere - und das gerade bei jungen Arbeitnehmern. So gaben sie häufiger an, für mehr Freizeit bereit zu sein, auf Gehalt zu verzichten. Aber weshalb? AVANTGARDE Experts liefert fünf Gründe.

Verbesserung der Work-Life-Balance

Sie feiert ihr Comeback: die Work-Life-Balance. Durch ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Job und Privatleben erhoffen sich Arbeitnehmer mehr Zufriedenheit, vor allem aber ein glückliches, erfülltes Leben. Die Freuden der Freizeit sollen sich mit den Pflichten des Geldverdienens so vereinen, dass ein befriedigendes Gleichgewicht entsteht. Überstunden, eine von der Arbeit bereits gefüllte Woche, erfahren längst nicht mehr so viel Anerkennung wie noch vor einigen Jahren. Nimmt der Job eine zu große Rolle ein, sind deshalb gerade junge Arbeitnehmer bereit, zugunsten einer besseren Work-Life-Balance auf Gehalt zu verzichten.

Work-Life-Balance

Downshifting: Erfüllung abseits des Jobs

Die jüngere Generation achtet heute also viel mehr darauf, nicht mehr ihre komplette Zeit im Büro zu verbringen. Leistungsfähigkeit durch genügend Ausgleich, scheint zusehends zum Leitsatz zu werden. Leistungsfähigkeit allein ist jedoch nicht entscheidend. Viele Menschen, gerade junge, suchen ihre Erfüllung heute auch abseits des Jobs. Freizeit nimmt einen höheren Stellenwert ein, die Arbeit - wenn möglich - weniger. War Langezeit der Arbeitsplatz einziger, erfüllungsbringender Ort, so rückt heute häufig die Selbstbestimmung an diesen Platz. Nicht mehr der Job diktiert Leben und Tagesablauf, Menschen tun es selbst. Downshifting - sprich, die Reduktion von Arbeitszeit zugunsten eines selbstbestimmten, erfüllten Lebens - wird zur echten Option.

Entschleunigung als Ausweg aus dem Rad des Fortschritts

In einer Zeit, in der sich das Rad immer schneller dreht, in der Menschen ständig und überall erreichbar sind, erwacht das Bedürfnis nach Entschleunigung. Der Fortschritt erschuf einen Strudel, der Arbeitnehmer magisch aufsog. Nun versuchen sie, ihm zu entkommen. Ein ausgeglichenes Leben gilt vielen jungen Menschen als mindestens ebenso erstrebenswert, teils sogar als erstrebenswerter, als eine steile Karriere inklusive vollgepackter Arbeitswochen. Sie möchten einen Schritt zurück gehen, um ihre innere Ruhe zurückzuerlangen und nicht Gefahr zu laufen, irgendwann vom Burn-Out überrascht zu werden.

Mehr Zeit für Hobbies und Freunde

Anstatt den Großteil ihrer Zeit im Büro zu verbringen, streben einige junge Menschen sogar Teilzeitmodelle an. Dass das Gehalt dabei sinkt, ist zweitrangig. Es zählt die neuerlangte Flexibilität. Die zusätzlich gewonnene Freizeit. Plötzlich bleibt mehr Zeit, Hobbies nachzugehen, Dinge mit Freunden zu unternehmen. Das schafft einen Ausgleich zum teils stressigen Arbeitsalltag, dank dessen sich Arbeitnehmer weniger gehetzt fühlen. Das Stresslevel sinkt, die Zufriedenheit steigt. Gerade für jüngere Menschen, die im Vergleich - auch das belegt die Studie - häufig unzufriedener mit dem Job sind als ältere Kollegen, ein durchaus entscheidender Aspekt.

In der Natur arbeiten

Familienfreundlichkeit

Hobbies und Freunde sind offensichtlich eine Facette, einen speziellen Platz nimmt jedoch die Familie ein. So gaben im Zuge der Studie gerade Arbeitnehmer zwischen 25 und 36 an, gern in einem familienfreundlichen Unternehmen arbeiten zu wollen. Heißt: In einem Unternehmen, das auch die Bedürfnisse junger Väter und Mütter berücksichtigt. Neben dem Job soll schließlich genügend Zeit für den Nachwuchs und die junge Familie bleiben. Ist dies per se nicht der Fall, wählen immer mehr die Option der Arbeitszeitreduktion.

Probleme: Reicht das reduzierte Gehalt aus?

Einerseits zeichnet sich also ein Trend ab, andererseits gaben im Zuge der, von AVANTGARDE Experts in Auftrag gegebenen, Studie über die Hälfte der Befragten an, lieber bei der klassischen Fünf-Tage-Woche zu bleiben, um weiterhin volles Gehalt zu beziehen. Wenig überraschend spielt der Gehaltszettel am Ende also weiterhin eine essentielle Rolle bei Entscheidungen des Arbeitslebens. Arbeitnehmer müssen genau abwägen, ob es für sie wirklich ratsam ist, für mehr Freizeit auf ein Fünftel ihres Gehalts zu verzichten. Häufig genügt der Spielraum dafür nicht. Zumal ein geringeres Gehalt geringere Rentenbezüge zur Folge hat.

Lösungsansatz: Mehr Flexibilität für mehr Freizeit

Bezahlung nach Leistung, nicht nach Zeit. Möglicherweise ein Ansatz, der auch junge Arbeitnehmer überzeugt, die zugunsten der Freizeit bereit wären, Gehalt zu opfern. Immerhin sprachen sich im Zuge der Studie 43 Prozent der Befragten für mehr Flexibilität aus. Gewissermaßen ein Kompromiss. Ein Solcher Ansatz brächte das Arbeitsleben ein Stück weg vom klassischen, immer noch weit verbreiteten Anwesenheitsprinzip, nähme Angestellte dennoch weiter in die Pflicht. Am Ende entschiede die geleistete Arbeit. Das Ergebnis wäre ausschlaggebend. In welchem Zeitraum es erzielt wird, wie der Angestellte dorthin gelangt, wäre zweitrangig.

So erhielten Arbeitnehmer mehr Flexibilität, könnten sich ihre Zeit so einteilen, dass genügend Zeit für Hobbies, Freunde und Familie bleibt. Gute Arbeit müssten sie dennoch abliefern -  ein entscheidender Faktor. Angestellte hätten größtenteils selbst in der Hand, wann der Feierabend beginnt, müssten jedoch nicht auf einen beachtlichen Teil ihres Lohns verzichten.

Bilder: Bild 1: iStock/erhui1979, Bild 2: iStock/vetkit, Bild 3: iStock/Todor Tsvetkov

05.09.2017

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