Studie zu Marketing Jobs in Deutschland

Marketingstandort Deutschland

Eine Studie von AVANTGARDE Experts.

Die AVANTGARDE Experts Studie zeichnet ein realistisches Bild der aktuellen und zukünftigen Arbeitssituation von Marketingexperten in Deutschland. Methode: Erhebung in Deutschland von 360 Angestellten in Marketing und Sales, sowie begleitendende Leitfadeninterviews mit Marketing Führungskräften u.a. der BMW Group, ORACLE, Albert Bauer Digital und BBDO. Befragt wurden diese über ein Online Access Panel sowie per Telefon.

Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit Veränderung innerhalb der Marketing-Branche befassen. Sie betrachten dabei in der Regel bestimmte Bereiche oder Trends. Die Arbeitsbedingungen von Marketiers, und wie sich diese in Zukunft verändern, wird dabei nicht untersucht. Diese Frage beantwortet AVANTGARDE Experts in seiner aktuellen Studie mit der Befragung von Marketing-Experten und - Führungskräften. Die Studie umfasst den deutschen Markt und kommt zu folgenden zentralen Erkenntnissen:

  • Marketing-Experten sind mit ihren Arbeitsbedingungen deutlich zufriedener als der bundesweite Durchschnitt.
  • Mythos Großraumbüros: Anstatt die Kommunikation unter den Mitarbeitern zu fördern, bewirken sie das Gegenteil. Die geschriebene E-Mail bleibt die Kommunikationsform Nummer eins.
  • Zukunftsthema Digitalisierung: In ihr sehen Marketiers nicht nur Chancen, sondern auch zahlreiche Herausforderungen.
  • Im Marketing schlummert ungenutztes Potential. 76 Prozent sind von ihrer aktuellen Aufgabe nicht erfüllt und könnten wertvoller für das Unternehmen sein.

Die Studie ergab zudem, dass die Digitalisierung das Zukunftsthema in der Marketing-Branche ist. 42 Prozent der Befragten sehen die Digitalisierung jetzt und in Zukunft als die größte Chance für ihre Arbeit. Kurz gesagt, die viel zitierte Digitalisierung wird zum Schlüsselfaktor. Als Recruiting-Experte für Marketing-, Kommunikations- und Sales-Experten begleitet AVANTGARDE Experts diesen Prozess. Spannend ist, dass Uneinigkeit darüber herrscht, was alles in den Bereich der Digitalisierung zählt. Das fällt bei dem Thema künstliche Intelligenz auf. Während die befragten Marketiers mit 8 Prozent darin eine geringe Chance für ihre Arbeit sehen, sind sich Führungskräfte sicher, dass künstliche Intelligenz zu einem der vorherrschenden Zukunftsthemen im Marketing wird. Dabei sehen sie jedoch keine Gefahr für die Marketing-Branche. Aus ihrer Sicht überwiegen die positiven Aspekte.

Hohe Arbeitszufriedenheit unter Marketing-Experten

Die Arbeitszufriedenheit ist einer der entscheidenden Faktoren der Arbeitswelt. Nur wer zufrieden ist, geht motiviert zur Arbeit und ist entsprechend Leistungsfähig. Im Vergleich zu der im Sommer 2017 durchgeführten AVANTGARDE Studie mit dem Thema Arbeitszufriedenheit in Deutschland, lässt sich feststellen, dass Marketing-Experten deutlich zufriedener mit ihren Arbeitsbedingungen sind als der bundesweite Durchschnitt. Während die Studie „Arbeit und Glück“ 2017 zwar eine leichte Steigerung des Arbeitszufriedenheits-Index von 6,9 auf 7 festgestellt hat, sind Akteure im Marketing mit dem Zufriedenheitsindex von 7,3 deutlich zufriedener. Männliche Marketiers sind dabei mit einem durchschnittlichen Index von 7,5 ein Stück zufriedener als ihre Kolleginnen (7,2).

 

Marketiers in Unternehmen und mit max. 1 x Woche Home-Office am zufriedensten

Unterscheiden wir die Zufriedenheit von Marketingfachleuten in Agenturen und in Unternehmen, sind Marketingangestellte in Unternehmen noch ein Stück glücklicher. Sie erzielen einen Zufriedenheitsindex von 7,6. Ähnlich ist es bei Marketingpersonal, das regelmäßig, aber maximal einmal pro Woche im Home-Office ist (7,64). Hier liegt es also nahe zu folgern, dass der hohe Anteil von 45 Prozent der Befragten mit Home-Office-Möglichkeit das Plus an Zufriedenheit ausmacht. Interessant dabei ist auch, dass ein „Noch-Mehr“ an Heimarbeit nicht zufriedener macht. Wer öfter als einmal pro Woche von zu Hause arbeitet, ist sogar für den Marketing-Bereich mit 7,11 unterdurchschnittlich zufrieden. Geringere, aber nicht zu vernachlässigende Auswirkungen auf die Zufriedenheit haben „viel unterwegs sein“ (7,37), „überwiegend alleine arbeiten“ (7,4) oder das Großraumbüro (7,2). Natürlich sind die Faktoren für die Arbeitszufriedenheit vielfältiger als der Ort, an dem man arbeitet. In der Ergebniszusammenfassung gehen wir darauf noch tiefer ein.

 

Telefonieren erhöht die Arbeitszufriedenheit

Vergleicht man die Zufriedenheit der befragten Marketing-Experten mit ihrer vorwiegenden Kommunikationsform im Job, fällt auf, dass diejenigen am zufriedensten sind, die überwiegend per Telefon kommunizieren (7,5). Das persönliche Gespräch spiegelt mit einem Wert von 7,3 den Durchschnitt aller Befragten wider und hat somit keinen Einfluss auf die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Unter den drei am häufigsten genannten Kommunikationsformen schneidet die E-Mail mit 7,2 am schlechtesten ab, was den Einfluss auf die Zufriedenheit angeht. Als Grund dafür kann die zeitliche Verfügbarkeit des Gegenübers genannt werden. Denn wer eine E-Mail bekommt, antwortet in der Regel wann er will, beziehungsweise die Zeit dafür findet. Wird eine Mail an mehrere Empfänger verschickt, kann sich die Wartezeit zusätzlich verlängern. Wer telefoniert erhält eine direkte Antwort von seinem Gesprächspartner und kann zusätzlich Rückfragen stellen. Das bestätigt eine Studie der Western University in London, Ontario2, die herausfand, dass ein Gespräch 34-mal effektiver ist als eine Mail. Wer im Berufsalltag seine Effektivität steigert, ist gleichzeitig auch zufriedener, diese Vermutung liegt auf der Hand. Doch wieso sorgt die persönliche Face-to-Face Kommunikation nicht für noch mehr Effizienz und damit für eine vermeintlich höhere Zufriedenheit am Arbeitsplatz? Persönlich wird im Büroalltag überall kommuniziert, auch in der Kaffeeküche und am Kopierer. Dass dabei hin und wieder auch persönliches und irrelevantes besprochen wird, was nicht zur Effizienzsteigerung beiträgt, versteht sich von selbst. Der Telefonhörer wird hingegen meist nur bei einem konkreten Anliegen in die Hand genommen.

 

Fehlende Sinnhaftigkeit als Zufriedenheits-Killer

Ein entscheidender Faktor für die Zufriedenheit mit den eigenen Arbeitsbedingungen ist die Sinnhaftigkeit, die man in seiner Tätigkeit sieht. Auf die Frage, was ihre Arbeitsbedingungen am meisten positiv beeinflussen könnte, antworteten mit 18 Prozent die meisten der befragten Marketing-Experten mit Sinnhaftigkeit. Diese 18 Prozent weisen mit lediglich 6,3 einen Zufriedenheitsindex auf, der weit unter dem Durchschnitt liegt. Ein besonders überraschendes Ergebnis zeigt sich, wenn man einen genaueren Blick auf die Zufriedenheit derjenigen wirft, die angaben, dass ihr Potential in der aktuellen Aufgabe nicht komplett ausgeschöpft wird und jener, die angaben, dass sie sicherlich noch wertvoller für das Unternehmen sein könnten. Sie weisen eine durchschnittliche Zufriedenheit von 7,4 auf. Die Tatsache, dass das eigene Potential nicht komplett ausgeschöpft wird, hat also keine Auswirkung auf die Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen.

 

So arbeiten Marketiers jetzt und in Zukunft

Die aktuelle Arbeitszufriedenheit hat Auswirkungen auf den zukünftigen Alltag von Marketingfachleuten. In diesem Punkt sind sich alle befragten Experten einig. Umso wichtiger ist es, in diesem Zusammenhang nicht nur den Status quo zu ermitteln. Gleichzeitig müssen die Ursachen möglicher Unzufriedenheit dargestellt und der Blick auf die zukünftige Arbeitsweise von Marketiers gerichtet werden.

 

Großraumbüro und Home-Office werden in Zukunft seltener besucht

Mit 49 Prozent der im Marketing beschäftigten Personen verrichtet knapp die Hälfte ihre Arbeit in einem Großraumbüro. Zählt man diejenigen dazu, die in 2er bis 4er Büros arbeiten, steigt die Anzahl auf 70 Prozent.

Geht es nach den interviewten Führungskräften aus dem Marketing, wird das in Zukunft nicht so bleiben:

„Die Frage ist, ob man überhaupt noch ins Büro fährt oder von einem ganz anderen Ort aus arbeitet. Wir haben hier aktuell noch eine Zeiterfassung […]. Ich denke, das wird nicht mehr lange so geben."

Die Entwicklung geht hier laut Aussage der Marketing-Führungskräfte zur Vertrauensarbeitszeit, eigenen Zeiteinteilung und dem ortsunabhängigen Arbeitsplatz. Angesichts der Tatsache, dass im Moment noch 70 Prozent täglich ins Büro fahren, dürfte die Arbeitsplatzsituation eine der größten Veränderungen sein, auf die sich Marketing-Experten einstellen müssen.

 

Weniger E-Mails und mehr persönliche Gespräche

Marketingfachleute kommunizieren viel. Das gehört zur Job-Beschreibung einfach dazu. Genauer betrachtet schreiben Marketiers mehr als sie miteinander sprechen. Auf die Frage, wie Marketing- Experten vorwiegend während der Arbeit kommunizieren, gaben 52 Prozent der Befragten per E-Mail an. Knapp 30 Prozent nannten das persönliche Gespräch und 14 Prozent das Telefonat oder Telefonkonferenz. Telefon und E-Mail sind damit die mit Abstand (95 Prozent) wichtigsten Kommunikations-Werkzeuge von Marketingfachleuten. Messenger-Dienste, die Videokonferenz und das Intranet teilen sich überraschenderweise weit abgeschlagen 5 Prozent der Kommunikation. Überraschend dabei ist, dass gerade diesen Kommunikationsformen eine große Zukunft im Arbeitsalltag vorausgesagt wird. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens respondi3, die im Auftrag der Jobseite Indeed durchgeführt wurde, kam zu dem Ergebnis, dass sich Chat- und Messenger-Dienste hoher Beliebtheit erfreuen. Laut der Studie führen Messenger-Dienste zudem dazu, dass deutlich weniger E-Mails geschrieben werden. Dieses Ergebnis konnte in der aktuellen AVANTGARDE Studie nicht bestätigt werden. 

Anstatt im Büroalltag über den Intranet-Chat oder Messenger miteinander zu kommunizieren, wird im Marketing noch persönlich miteinander gesprochen. Lediglich 2 Prozent gaben an, vorwiegend über Messenger zu kommunizieren. Beim Intranet-Chat (1 Prozent) sind es sogar noch weniger.

Noch häufiger wird im Arbeitsalltag nur per E-Mail kommuniziert: 52 Prozent nennen den elektronischen Brief als ihre vorwiegende Kommunikationsform. Gleichzeitig ist die E-Mail jedoch auch die unbeliebteste Form der Kommunikation: 42 Prozent, und damit die meisten gaben an, dass sie im Arbeitsalltag E-Mails gerne weniger nutzen würden. Gefolgt von Telefon und der Telefonkonferenzen (20 Prozent). Signifikante Unterschiede zwischen Agenturmitarbeiter und Marketingspezialisten in Unternehmen konnten nicht festgestellt werden. Die naheliegende Schlussfolgerung, dass im Großraumbüro mehr persönlich ausgetauscht wird, konnte die vorliegende Studie nicht bestätigen. Die Befragten, die angegeben haben, vorwiegend im Großraumbüro zu arbeiten, haben nur mit 32 Prozent das persönliche Gespräch als bevorzugten Kommunikationskanal genannt und nur 8 Prozent das Telefon. Zu 60 Prozent nutzen Marketiers im Großraumbüro E-Mail oder Messenger-Dienste.

 

Feindbild „Nummer 1“ im Marketing-Arbeitsalltag: E-Mails

Besonders hervorzuheben ist, dass Marketing-Führungskräfte sehr stark mit zu viel elektronischer Post kämpfen und dass ihren Arbeitsalltag vor allem das E-Mail-Postfach und viele Meetings bestimmen. Der Wunsch nach Entlastung der E-Mail-Flut war dort besonders stark zu spüren. Aber auch für alle anderen ist der elektronische Brief das Feindbild im Marketingarbeitsalltag schlechthin.

Marketingjob 2030: Inhalte, Chancen und Herausforderungen

Gerade in den Leitfaden-Interviews konnten die Studienleiter feststellen, dass die Art und Weise der Kommunikation einer der bestimmenden Faktoren ist. Sie entscheidet, ob Arbeit zum Erfolg führt, der Arbeitsalltag gelingt und die Arbeit für den Einzelnen als erfüllend wahrgenommen wird. Inwieweit diese Erfüllung auch mit den Inhalten korreliert und wie Inhalte, Chancen und Herausforderungen im Marketing in Zukunft aussehen, beantwortet die Studie im vorliegenden Kapitel.

 

Sinkende Budgets als größte Herausforderung im Marketing

AVANTGARDE Experts wollte wissen, was Marketing-Experten als die derzeit größte Herausforderung für ihre Arbeit sehen. 42 Prozent der Befragten sind sich einig, dass dies im Moment sinkende Budgets sind. Der hohe Anteil an Marketingmitarbeitern aus Agenturen spiegelt sich in diesem Ergebnis sicherlich ein Stück wider. Starre Prozesse und die permanente Verfügbarkeit wurden mit 30 und 24 Prozent am zweit- und dritthäufigsten genannt. Aus der Digitalisierung resultiert eine steigende Komplexität des Marketing Jobs. 21 Prozent nennen sie als eine der größten Herausforderungen. Interessant ist, dass die steigende Komplexität bei den 20- bis 30-Jährigen Marketing-Experten eine etwas größere Rolle spielt als bei den 30- bis 40-Jährigen. 30 Prozent der jüngeren sehen steigende Komplexität als eine der größten Herausforderungen. Bei den 30- bis 40-Jährigen sind es 25 Prozent. Im Vergleich zu anderen Branchen4 spielt die Angst vor dem Wegfall des Arbeitsplatzes durch Automatisierung im Marketing eine sehr geringe Rolle (8 Prozent).

Das wird in den Experteninterviews mit Verweis auf den hohen Anteil kreativer Arbeit im Marketing, den eine Maschine nicht leisten kann, erklärt. Blicken Marketing-Experten in die Zukunft, sehen sie keine große Veränderung, was die Herausforderungen angeht. Auf die Frage, wo sie in Zukunft die größten Herausforderungen ihrer Arbeit sehen, antworteten die befragten Experten weitgehend gleich.

Marketing-Experten fehlt die Sinnhaftigkeit

Müssen sich die Marketing-Experten entscheiden, was ihre Arbeitsbedingungen am meisten positiv beeinflussen könnte (außer Geld), wählen mit 18 Prozent die meisten „Sinnhaftigkeit“. Der Wunsch nach mehr Sinn in der eigenen Tätigkeit rangiert noch vor mehr Entwicklungschancen, flexibleren Arbeitszeiten und weit vor der Forderung nach weniger Hierarchien (8 Prozent). Die Arbeitszufriedenheit scheint der Wunsch nach mehr Sinnhaftigkeit jedoch nicht zu beeinflussen. Hier liegen Marketing-Experten etwas über dem Bundesdurchschnitt. Gehalt und Entwicklungschancen sind den meisten immer noch wichtiger als die Sinnhaftigkeit des Jobs. Das bestätigt eine Studie der Organisation Ashoka und McKinsey5 . Sie kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sich ein Großteil der Arbeitnehmer (39 Prozent) eine sinnstiftende Tätigkeit wünscht. Einen Job im Sozialsektor können sich laut der Studie allerdings nur wenige vorstellen. Als Grund wurden hier vor allem die geringen Gehälter in diesem Sektor genannt.

 

Digitalisierung: Chance und Herausforderung zugleich

Die größte Chance für ihre Arbeit sehen Marketing-Experten in der Digitalisierung allgemein – sowohl im Moment als auch in Zukunft. Mit 42 Prozent war es sowohl die häufigste Antwort auf die Frage „Wo sehen Sie jetzt die größte Chance Ihrer Arbeit?“ als auch auf die die Frage „Wo sehen Sie in Zukunft die größten Möglichkeiten Ihrer Arbeit?“ Dabei spielt das Alter der Befragten keine Rolle. Sowohl die 20- bis 30-Jährigen als auch die 30- bis 40-Jährigen Marketing-Experten schätzen mit 42 Prozent und 47 Prozent die Digitalisierung als die größte Chance für die Zukunft des Marketings ein.

In den Experteninterviews wurde zudem deutlich, dass die größte Chance gleichzeitig viele Herausforderungen mit sich bringt. Durch die voranschreitende Digitalisierung ist eine Anpassung des Marketing-Jobs notwendig. Online-Marketing wird eine immer wichtigere Rolle einnehmen, weshalb zukünftig Experten gefragt sind. Anstatt Marketing-Generalisten wird Spezialisierung auf den verschiedenen digitalen Kanälen gefordert. Allgemein wird die Marketing-Welt, laut den Experten, schnelllebiger und vielschichtiger. Zukünftig wird es immer mehr Kanäle geben, die es auszuwählen und richtig zu bespielen gilt. Marketing wird komplexer und weniger greifbar (Online-Marketing), weshalb die interviewten Experten mit einer großen Herausforderung durch die zunehmende Kundenberatung rechnen. Ein Interviewpartner fasste es mit den Worten „Man muss dem Kunden die Welt der Digitalisierung erklären“ zusammen.

Künstliche Intelligenz (KI) spielt laut den befragten Experten auch in Zukunft eine eher geringe Rolle. Nur 8 Prozent der Befragten sehen für ihre momentane Arbeit eine Chance in KI. Für die Zukunft ihrer Arbeit schätzen sie mit 11 Prozent die Chancen durch künstliche Intelligenz nicht viel höher ein. Auf Unternehmensseite sind das mit knapp 20 Prozent noch doppelt so viele wie im Durchschnitt. Auch die meisten Fachmagazine schlagen andere Töne an. Im vergangenen Jahr gaben 19 Experten im UPLOAD Magazin6 einen Ausblick auf das Marketing der Zukunft. Als einer der Trends wurde künstliche Intelligenz genannt. Nico Zorn von saphiron, einem Beratungsunternehmen für E-Commerce und Online-Marketing, sagte im UPLOAD Magazin: „Ob Mustererkennung im CRM, die Optimierung des Versandzeitpunkts im E-Mail-Marketing oder die Aussteuerung der Werbemittel im Display Advertising: Wo heute oft noch das Bauchgefühl entscheidet, werden zunehmend intelligente, selbstlernende Systeme zum Einsatz kommen.“ Es stellt sich also die Frage, ob künstliche Intelligenz im Allgemeinen eher unter- oder überschätzt wird. Während Automatisierungsprozesse in großen Unternehmen dabei helfen, Prozesse zu optimieren und große Datenmengen (Big Data) sinnvoll zu nutzen, stoßen Agenturen dabei leicht an ihre Grenzen. Sie haben schlichtweg nicht die Kapazitäten, mit derartig großen Datenmengen zu arbeiten.

Im Marketing schlummert ungenutztes Potential

Welche Inhalte bestimmen den Alltag eines Marketing-Experten und wie ausgelastet ist er damit? Eine Frage, die AVANTGARDE Experts den Befragten in der Studie stellte. Für Führungskräfte ist es oft schwierig, für Mitarbeitern das richtige Maß an Arbeit abzuschätzen. Denn der Pfad zwischen Über- und Unterforderung ist schmal und kann, wenn man ihn verlässt, zu großen Belastungen für die Mitarbeiter führen – in beide Richtungen.

Was beschäftigt Marketing-Experten während der Arbeitszeit am meisten? Das wollte AVANTGARDE Experts von den rund 360 Befragten wissen. Den Hauptteil ihrer Arbeitszeit (52 Prozent) verwenden sie demnach für die Umsetzung ihrer Konzepte, deren Erstellung mit 37 Prozent auf Platz zwei liegt.

Besprechungen und strategische Themen teilen sich Platz 3 und die interne Kommunikation nimmt für ein Viertel aller Befragten einen großen Teil ihrer Arbeit in Anspruch. Auch hier konnte AVANTGARDE Experts zwischen Agenturkollegen und deren Pendants auf der Unternehmensseite keine signifikanten Unterschiede erkennen. Anders sieht das auf Führungsebene aus. Dort prägen vor allem Meetings, interne Abstimmungen und Entscheidungen den Arbeitsalltag.

 

Drei Viertel aller Marketingverantwortlichen fühlen sich von ihrem Job nicht ausgefüllt

Komplett auszufüllen scheinen die Befragten diese Tätigkeiten nicht. AVANTGARDE Experts wollte wissen, wie gefordert sich die befragten Marketing-Experten von ihrer aktuellen Jobsituation fühlen. Nur ein geringer Teil (7 Prozent) fühlt sich im aktuellen Job leicht überfordert. Dem gegenüber stehen 76 Prozent, die ihr Potential nicht ganz ausgeschöpft sehen und die von sich sagen, dass sie sicherlich noch wertvoller für das Unternehmen sein könnten. Dadurch unterscheiden sich die Marketing-Experten signifikant vom bundesweiten Durchschnitt. Wie die AVANTGARDE Experts Studie „Arbeit und Glück“ 2017 herausfand, fühlt sich über die Hälfte (53 Prozent) der deutschen Arbeitnehmer leicht bis stark überfordert. Die Personalmanagement-Fachliteratur lehrt, dass eine leichte Überforderung für die Arbeitsleistung förderlich sei. Nicht nur aus diesem Grund sollten Vorgesetzte von Marketiers die Ursache dafür finden, weshalb das Potential vieler ihrer Mitarbeiter nicht ausgeschöpft ist. Zu starke Unterforderung im Beruf macht krank. Wer am Arbeitsplatz nur die Zeit totschlägt, kann in Folge dessen unter Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Depression leiden. Laut Psychotherapeut Wolfgang Merkle7 könne Unterforderung auf Dauer genauso krank machen wie Überforderung. Die Folge ist der sogenannte „Bore-out“. Dass man sich vom Nichtstun erschöpft fühlt, klingt absurd. Laut Merkle ist es jedoch eine Mischung aus Anspannung und Entspannung, die für die Gesundheit verantwortlich ist. Das bestätigt eine Umfrage der Techniker Krankenkasse, bei der 15 Prozent der Befragten Unterforderung als Stress-Faktor angaben8.

Eine Aufgabe von Führungskräften im Marketing ist es, in Zukunft die richtige Balance aus Unter- und Überforderung zu finden. Nur so können sie das Potential ihrer Mitarbeiter optimal ausschöpfen. Potential, das in der Zukunft der Marketing-Branche dringend benötigt wird, wie die vorliegende Studie zeigt. Führungskräfte sollten das Potential Ihrer Mitarbeiter nutzen, um die Herausforderungen vor denen ihre Branche steht zu meistern. Mit 30 Prozent und 25 Prozent gaben die meisten der Befragten an, dass steigende Komplexität und starre Prozesse in Zukunft, nach sinkenden Budgets, die Hauptherausforderungen für die Marketing-Branche darstellen. Zwei Bereiche, in denen dank des ungenutzten Potentials schon jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden können.

 

 

Der Marketingjob 2030

Die aktuelle Studie von AVANTGARDE Experts zeigt deutlich, dass Marketing-Experten mit ihren Arbeitsbedingungen zufriedener sind als der bundesweite Durchschnitt. Dennoch gibt es einige Stellschrauben an denen Unternehmen und Agenturen drehen können, um ihre Mitarbeiter zu motivieren und so die Arbeitszufriedenheit weiter zu steigern. Allen voran die fehlende Sinnhaftigkeit im Marketing-Job, die ein großer Teil der Befragten nannte.

 

Gesamtes Potential ausschöpfen

In Zukunft verändern sich die Erfolgsfaktoren für Unternehmen dramatisch. Das Buch „The War for Talent“ von Ed Michaels, Helen Hendfield-Jones und Beth Axelrod bringt dieses Phänomen auf den Punkt: Während in Vergangenheit die Innovationsfähigkeit entscheidend war, um erfolgreich zu sein, entscheidet in Zukunft vor allem das Fachpersonal über Erfolg oder Misserfolg9. Für die Personalabteilung wird Talent-Management in Zukunft immer wichtiger. Der Wettbewerb um gute Fachkräfte verschärft sich und es reicht nicht aus, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Man muss sie auch richtig einsetzen.

 

Erkenntnisse unter der Dusche fördern

Die besten Ideen entstehen beim Einschlafen, unter der Dusche oder im Bus aber selten in einem Team-Meeting. Daher ist es wichtig, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem das gesamte Team gerne arbeitet. Nur so wird erreicht, dass die Mitarbeiter auch außerhalb des Meetings nach Lösungen suchen und ihre Ideen beim nächsten Treffen einbringen. Dieser kreative Input stellt einen enormen Mehrwert da. Denn findet das Brainstorming immer nur zu einem bestimmten Zeitpunkt statt, ist es schwierig neue Lösungsansätze zu finden.

 

Motivation durch Wertschätzung

Es muss nicht immer eine Prämie auf dem Gehaltszettel sein. Die Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern kann einfacher und oftmals effektiver zum Ausdruck gebracht werden. Auf den erfolgreichen Projektabschluss kann beispielsweise ein gemeinsamer Betriebsausflug folgen, der gleichzeitig als Teambuilding-Maßnahme dient. Abgeschlossene, kleinere Projektabschnitte können hingegen mit einer gemeinsamen Kaffee- und Kuchenpause gefeiert werden. Viele Führungskräfte befürchten zwar, dass in zu vielen Kaffeepausen Arbeitszeit verloren geht, doch das Gegenteil ist der Fall. Stimmt die Arbeitsatmosphäre, werden die kommunikativen Pausen zum Austausch von Ideen und erworbenem Wissen genutzt – wenn auch unbewusst. Ein weiterer Hebel, um die Motivation der Mitarbeiter zu steigern ist die richtige Feedback-Kultur. Im Arbeitsalltag sorgt ein kleines Lob oft schon für einen Motivationsschub. Doch gute Mitarbeiter möchten in der Regel noch besser werden und um das zu erreichen ist ein detaillierteres und objektiveres Feedbackgespräch nötig.

 

Stärken stärken

Führungskräfte sollten Zeit darin investieren, ihre Mitarbeiter kennenzulernen. Es lohnt sich die Bedürfnisse seiner Kollegen zu kennen und zu wissen, welche Aufgaben sie gerne und welche ungerne erledigen. Die Aussage „Einer muss es ja machen“ trifft nur bedingt zu. Die Präferenzen und Stärken der Teammitglieder sind oft so unterschiedlich verteilt, dass es für jede Arbeit jemanden gibt, der sie gerne macht. Bei der Aufgabenverteilung kann so Motivation gefördert und Frustration vermieden werden. Die Guten scheitern oft nicht an der fachlichen Kompetenz, sondern, weil sie nicht in das Team des Unternehmens passen. Es ist nun einmal so: Die Chemie muss stimmen.

 

Die Arbeit in interdisziplinären Teams stärken

Eine Lösung könnte auch das Arbeiten in interdisziplinären Teams sein. Wer mit seiner eigenen Arbeit einen Beitrag zu gemeinsamen Projekten liefert und das Ergebnis mit Kollegen aus anderen Bereichen bespricht, liefert einen wertvollen Beitrag von dem andere profitieren. Gleiches gilt für eine der Haupterkenntnisse der Studie: 76 Prozent aller Marketing-Experten sehen ihr Potential nicht ausgeschöpft und geben an, dass sie noch wertvoller für das Unternehmen sein könnten. Dieses verschenkte Potential gilt es unbedingt zu nutzen. Außerhalb der Marketing-Welt zeigt sich ein völlig anderes Bild, wie die im Sommer 2017 durchgeführte AVANTGARDE Experts Studie „Arbeit und Glück“ vermuten lässt. Die Studie zur Arbeitszufriedenheit in Deutschland kam unter anderen zu dem Ergebnis, dass sich die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer im Job überfordert fühlt. 26 Prozent gaben in der Studie „Arbeit und Glück“ an, in ihrer Jobsituation ideal ausgefüllt zu sein, während sich die Mehrheit mit 53 Prozent leicht bis stark überfordert fühlt. Auch hier kann eine Lösung das Fördern der Arbeit in interdisziplinären Teams sein. Schafft man Teams mit unterschiedlichen Experten, können andere Abteilungen vom ungenutzten Potential der Marketiers profitieren. Dass die Arbeit in interdisziplinären Teams ein Zukunftskonzept ist, sieht auch ein Großteil der Befragten so. Mit 31 Prozent wurde „Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams“ auf die Frage nach den aktuell größten Chancen für die Arbeit von Marketing-Experten am zweithäufigsten genannt.

 

Büromythen kritisch betrachten

Großraumbüros schaffen kürzere Kommunikationswege und fördern so die interne Kommunikation. Das ist zumindest die vorherrschende Meinung. Wie die Studie von AVANTGARDE Experts zeigt, sieht die Realität anders aus: 70 Prozent der Marketiers sitzen in Großraum- sowie 2er bis 4er-Büros und vorwiegend wird per E-Mail kommuniziert. Gleichzeitig kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Arbeitszufriedenheit unter denjenigen am höchsten ist, die überwiegend per Telefon kommunizieren. Arbeitgeber sollten also überdenken, ob Großraumbüros wirklich die optimale Lösung sind. Effizienter scheint die Kombination aus maximal einmal pro Woche Home-Office und einer kleineren Bürostruktur mit der Möglichkeit öfter zum Telefon zu greifen.

 

Know-how zum Thema Digitalisierung vermitteln

In der Zukunft des Marketings wird viel von der Digitalisierung abhängen. 42 Prozent der befragten Marketing-Experten gaben an, dass sie jetzt und in Zukunft die größten Chancen ihrer Arbeit in der Digitalisierung sehen. Die Studie ergab aber auch, dass im Moment nur 8 Prozent in künstlicher Intelligenz eine Chance sehen. Im aktuellen Tagesgeschäft spielt KI also so gut wie gar keine Rolle. Gleichzeitig sehen die Befragten in steigender Komplexität (30 Prozent), direkt nach sinkenden Budgets (42 Prozent), eine der größten Herausforderungen für die Zukunft des Marketings. Hier besteht aus der Sicht von AVANTGARDE Experts Aufklärungsbedarf. Führungskräfte sollten ihren Mitarbeitern verstärkt Fortbildungen zum Thema Digitalisierung und KI ermöglichen, um zukünftige Herausforderungen besser meistern zu können. Einer der entscheidenden Vorteile von künstlicher Intelligenz ist es, durch intelligente Algorithmen komplexe Prozesse zu vereinfachen.

Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, den Mitarbeitern die Angst vor Digitalisierung und künstlicher Intelligenz zu nehmen. Bei all dem Potential das in diesem Bereich steckt, haben viele immer noch die Angst im Hinterkopf, ihr Job könnte durch den Digitalisierungsprozess wegfallen oder sie könnten durch künstliche Intelligenz ersetzt werden. Durch Automatisierung und KI fallen zwar Jobs weg, es entstehen aber auch völlig neue, die es zuvor noch nicht gab. Beispiele dafür sind Jobs wie Big Data Storyteller, Data Analyst oder Data Miner. Alle drei beschäftigen sich mit großen Datenmengen. Während der Data Miner Algorithmen entwickelt um Daten automatisch zu ordnen und diese strukturiert, analysiert der Data Analyst die Informationen mit Hilfe statistischer Tools wie SPSS. Der Data Storyteller erzählt anhand von Visualisierungen was hinter diesen Daten steckt. Sie sind vor allem in der Informatik, im Marketing und im Journalismus gefragt.

Demografie der 363 Marketing-Experten in Deutschland

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellennachweis

Literatur/Studien

1. https://www.lead-digital.de/aktuell/work/top_ten_das_sind_die_berufe_mit_zukunft

2. http://www.businessinsider.de/studie-zeigt-ein-persoenliches-gespraech-ist-34-mal-effizienter-als-eine-mail-2017-6

3. https://www.experten.de/2017/10/04/messenger-auf-dem-vormarsch/

4. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Statistisch-gesehen-Arbeitsplatz-Killer-Automatisierung-3646644.html

5. http://www.zeit.de/karriere/beruf/2013-02/soziale-unternehmen-karrierechancen

6. https://upload-magazin.de/blog/13858-marketing-zukunft/

7. https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article115289330/Unterforderung-im-Beruf-macht-krank.html

8. https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article115289330/Unterforderung-im-Beruf-macht-krank.html

9. http://www.va-p.de/files/AIZ_3_2016_Artikel_Haase.pdf

 

Fotos

https://www.pexels.com/

https://unsplash.com/

 

 

zurück nach oben