Studie zur Arbeitszufriedenheit in Deutschland 2017

Eine Studie von AVANTGARDE Experts zur Arbeitszufriedenheit in Deutschland

Arbeit und Glück 2017

Arbeit und Glück 2017

»Die Arbeit muss sich in Zukunft nach dem Leben der Menschen richten, sonst wird es nicht funktionieren«, sagt Ralph Bruder, Leiter des Instituts für Arbeitswissenschaft an der TU Darmstadt. Ein guter Zeitpunkt also, um über „Glück am Arbeitsplatz“ nachzudenken und die Menschen zu fragen, wie sich die Arbeit denn nach ihnen zu richten hat. In einer bevölkerungs-repräsentativen Umfrage von AVANTGARDE Experts wurden über 1.000 Berufstätigen, nach 2016 zum zweiten Mal, die Frage gestellt, wie zufrieden sie sind und was ihnen bei der Arbeit wichtig ist. 

Wie zufrieden sind deutsche arbeitnehmer im Vergleich zu 2016?

Insgesamt sind zwei Drittel der Befragten mit ihren aktuellen Arbeitsbedingungen zufrieden und nur rund acht Prozent damit derzeitig unzufrieden. Insbesondere die befragten Arbeitnehmer aus Stuttgart und Dortmund zeichnen sich diesbezüglich durch eine hohe Zufriedenheit aus.

 

Dieses Ergebnis deckt sich mit der Einschätzung der befragten Führungskräfte als Arbeitgebervertreter. Auf die Frage hin, wie sie die Zufriedenheit ihrer Belegschaft aktuell einschätzen, antworteten die Personalentscheider nahezu deckungsgleich zwischen 5 und 8, also von „weder noch“ bis hin zu „zufrieden“. Eine sehr realistische Einschätzung, wie sich hier zeigt:


ARBEITSZUFRIEDENHEIT IM STÄDTEVERGLEICH

Heruntergebrochen auf die zwölf größten Metropolen Deutschlands ist Stuttgart die Stadt mit den zufriedensten Arbeitnehmer, gefolgt von Dortmund und Chemnitz. Auf Platz 4 folgen Dresden und Köln auf Platz 5. Die Städte mit der höchsten Lebensqualität stechen in puncto Arbeitszufriedenheit nicht hervor. München ist im Mittelfeld auf Platz 6 zu finden und Düsseldorf bildet sogar das Schlusslicht auf Platz 12.

Gehalt bleibt der wichtigste Faktor für Zufriedenheit am Arbeitsplatz

Wie bereits 2016 postuliert, bleibt es bei dem Faktum: Arbeit ist Mittel zum Zweck. Angestellte wollen Geld verdienen, damit sie sich ein erfülltes Privatleben leisten können. Das Gehalt ist und bleibt für die Deutschen der mit Abstand wichtigste Zufriedenheitsfaktor am Arbeitsplatz – und damit wichtiger als die persönliche Selbstverwirklichung. Auch Selbstbestimmung und die oft beschworene Work-Life-Balance können hier nicht mithalten. Weit mehr als ein Drittel (37%) der Befragten gab an, wenn sie sich für eine der Antwortmöglichkeiten entscheiden müssten, ist das Gehalt ausschlaggebend für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Das widerlegt die oft zitierte These, dass sich die meisten Deutschen bei der Arbeit selbst verwirklichen müssen, um zufrieden zu sein. Erst auf Platz 2 folgt die Work-Life-Balance, dann kommen die Kollegen und dahinter die Arbeitsinhalte. Potentielle Boni, die Gestaltung des Arbeitsplatzes oder Entwicklungschancen werden eher als „nice to have“ gesehen.

 

Auf Arbeitgeberseite wird das Gehalt ebenfalls als ein Grundbedürfnis gesehen, das es zu befriedigen gilt. Erst danach werden weiche Faktoren, wie die sogenannte Vertrauensarbeitszeit oder Entwicklungsmöglichkeiten genannt. Auch Arbeitgeber halten von monetären einmaligen Belohnungen wenig. In den Interviews hieß es, dass diese zu schnell verpuffen würden und nicht als langfristiges Vehikel zur nachhaltigen Zufriedenheit am Arbeitsplatz nützen.

HOP ODER TOP? PRÄFERENZEN IM BERUFSLEBEN

Wenn sich der Arbeitnehmer entscheiden müsste, zeigt sich ein eindeutiges Bild: Bei einigen Fragen konnten sich die Teilnehmer, wie in der Vergleichs-Studie 2016, nur für einen von zwei Punkten entscheiden. AVANTGARDE Experts wollte wissen: „Welche der beiden Möglichkeiten würde Sie glücklicher machen?“. Die Ergebnisse zeigen ein erstaunliches Werteempfinden.

Mehr Deutsche wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten

Bei der Entscheidung zwischen „Selbstbestimmung“ oder „Geld“ ergibt sich eine signifikante Verschiebung in Richtung Selbstbestimmung. Hätten sich im Jahr 2016 noch 75 Prozent für mehr Geld entschieden, sind es 2017 nur noch 62,1. Flexible Arbeitszeiten und damit ein Stück mehr Selbstbestimmung auf der anderen Seite haben sich 2016 nur 25 Prozent der Befragten gewünscht. 2017 sind es mit 37,9 Prozent fast die Hälfte mehr. Bei Männern ist der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten sogar leicht höher (39,7%).  Bei den Top 5 im Städtevergleich ist der Osten beim Wunsch nach mehr Gehalt stark vertreten: Leipzig auf Platz 1 mit 75,5 Prozent und Chemnitz auf Platz 2 mit 68,8 Prozent. Der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten ist, trotz hoher Arbeitszufriedenheit, in Stuttgart (52 %) am größten. Gefolgt von Düsseldorf (47%), Dortmund (44%), München (43%) und Essen (38%).

 

Anstatt den Lohn halten die meisten Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten als wichtigeren Faktor für die Arbeitszufriedenheit. An dieser Stelle täuschen sich zwar, wie bereits 2016, die meisten Personalentscheider in Unternehmen, aber der Trend zeigt, dass sich beide (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) in diesem Punkt annähern.

 

 

Gehalt ist den Befragten deutlich wichtiger als bessere Weiterbildungsmöglichkeiten

Welche Rolle das Geld spielt, wird besonders bei der Entscheidungsfrage zwischen „höherem Gehalt“ und „Weiterbildungsmöglichkeiten“ deutlich. Die überwältigende Mehrheit von 78,6 Prozent würde sich gegen Weiterbildung und für mehr Geld auf dem Gehaltskonto entscheiden.

 

Auch hier messen Personalentscheider Weiterbildungsmöglichkeiten einen höheren Stellenwert als einer Verbesserung beim Gehalt bei. Das liegt unter anderem daran, dass Personalabteilungen davon ausgehen, dass das Gehalt als Hygienefaktor – sozusagen als Voraussetzung – stimmen muss.

Flexible Arbeitszeiten bleiben wichtiger als Home-Office

Kaum Verschiebung zum Vorjahr gab es beim Thema flexible Arbeitszeiten und Home-Office. Innerhalb des Wertes Selbstbestimmung wurden Zeit und Ort unterschieden. Mit knapp 77 Prozent bewerteten die Deutschen flexible Arbeitszeiten höher, als die Möglichkeit, auch von zu Hause arbeiten zu können. Das Home-Office ist immer noch nicht so attraktiv wie zeitliche Flexibilität.

 

Dieses Verhältnis schätzen die Arbeitgeber richtig ein. Flexible Arbeitszeiten, als Faktor für Arbeitszufriedenheit, sind auch Unternehmen wichtiger als das Home-Office oder der flexible Arbeitsort. Überraschend ist allerdings die Aussage, dass die sogenannte „Vertrauensarbeitszeit“ – also keine Zeiterfassung – bei Teilen der Belegschaft nicht gerne angenommen wird. Gleitzeit mit minutiöser Stundenerfassung wird sogar vorgezogen. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich freie Arbeitstage mit besserem Gewissen genießen lassen, wenn man ein gefülltes Überstundenkonto besitzt.

Deutsche Arbeitnehmer werden ein Stück risikofreudiger

Im Vergleich zu 2016 als noch 68 Prozent der Befragten Jobsicherheit den Entwicklungs-chancen vorgezogen haben, entscheiden sich 2017 nur noch 62 Prozent für den sicheren Job. Im Geschlechtervergleich zeigen Männer ein wenig mehr Risikobereitschaft als Frauen und würden sich mit 39,3 Prozent für „mehr Entwicklungschancen“ entscheiden. Bei den Frauen dagegen sind es nur 35,8 Prozent, die sich gegen einen sicheren Job und für eine Arbeitsstelle mit höheren Entwicklungschancen entscheiden. Im Städtevergleich ist die Hauptstadt Berlin, diejenige mit den meisten risikobereiten Arbeitnehmern. In Dresden dagegen würden 70 Prozent eher den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach wählen.

Familie bleibt wichtiger als die Karriere

Wenn es hart auf hart kommt, entscheiden sich die meisten der Befragten, wie bereits 2016, für die Familie. Bei der Gegenüberstellungsfrage „Würden Sie lieber Familie oder Karriere wählen“ loggten 73 Prozent der Befragten den Wert Familie ein. Dem gegenüber stehen nur 27 Prozent Karrieristen. Etwas stärker karriereorientiert ist Chemnitz mit Platz 1 im Vergleich der Städte und Düsseldorf sowie Berlin auf 2 und 3. Die meisten Familienmenschen wohnen dagegen in Dortmund, Hamburg und Frankfurt.

Die Tatsache, dass die Familie einen hohen Stellenwert hat, ist nicht erst seit gestern bei Arbeitnehmern angekommen. Alle befragten Unternehmen bieten familienfreundliche Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit oder Teilzeit an und investieren in Tagesbetreuungen.

 

 

Kollegen bleiben wichtiger als Familienfreundlichkeit im Unternehmen

Trotz des Fakts, dass die Familie der Karriere vorgezogen wird, ist den meisten Arbeitnehmern das unmittelbare Umfeld am Arbeitsplatz wichtiger als ein familienfreundliches Unternehmen. Müssten sich die Befragten entscheiden, würden sie ein angenehmes soziales Umfeld einem familienfreundlichen Unternehmen vorziehen. Mit 66,1 Prozent, nahezu unverändert zu 2016, hat sich bei der Werte-Gegenüberstellung eine Zweidrittel-Mehrheit für nette Kollegen und damit gegen das familienfreundliche Unternehmen entschieden. Ein Grund dafür, könnte sein, dass bei vielen Unternehmen familienfreundliche Arbeitszeitmodelle wie flexible Arbeitszeiten und Home-Office längst Standard sind und daher die meisten Arbeitnehmer keinen Mangel in diesem Bereich empfinden.

78 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Privatleben als Karriere

Bei der Gegenüberstellung von Privatleben und Karriere gewinnt der weiche Faktor mit überwältigender Mehrheit: 78 Prozent würden sich eher für „mehr Privatleben“ anstatt für „mehr Karriere“ entscheiden.  Das sind zwar 5 Prozent weniger als im Vorjahr, aber immer noch ein Wert auf sehr hohem Niveau. Wohl deswegen rangiert auch das Gehalt so hoch innerhalb der Arbeitszufriedenheit: Wenn das Privatleben einen so viel höheren Stelenwert einnimmt, dann ist Arbeit am Ende doch nur ein Mittel zum Zweck – und kein Lebensinhalt.

Im Bundesvergleich ist in Dresden, Essen, Hamburg, Stuttgart und Chemnitz der Wunsch nach mehr Privatleben am höchsten. Die Städte mit den meisten Karrieristen sind Leipzig, Berlin, Düsseldorf, München und Frankfurt. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist nur marginal, aber mit 80 Prozent entscheiden sich Frauen eher für mehr Privatleben als Männer mit 76,3 Prozent.

30 Prozent der Arbeitnehmer wünscht sich eine 4-Tage-Woche

Bei der Frage nach der idealen Arbeitswoche, würden mit 50,3 Prozent der Teilnehmer bei ihrer aktuellen 5-Tage-Woche bleiben. Im Vergleich zum Vorjahr waren es noch 55 Prozent. Die Verschiebung geht zu Gunsten der 4-Tage-Woche. Knapp 30 Prozent (2016: 26 Prozent) der Befragten würden für eine 4-Tage-Woche auf Geld verzichten – 80 Prozent des Gehalts würde ihnen reichen. Mehr arbeiten für mehr Geld wollen immer noch Wenige: Nur 13 Prozent (2016: 13,8 %) der Teilnehmer würde für 120 Prozent des Gehalts auf eine 6-Tage-Woche gehen. Eine kleine Minderheit von 5 Prozent (2016: 3 %) würde mit 60 Prozent Gehalt eine 3-Tage-Woche genießen.

Anerkennung ist wichtiger als Abwechslung

Wenn die Befragten zwischen Abwechslung und Anerkennung wählen müssen, entscheidet sich die Mehrheit mit 57,4 Prozent für Anerkennung. Insbesondere gilt das für Frauen. Hier ziehen sogar 61,5 Prozent mehr Lob einer abwechslungsreichen Tätigkeit vor. Auf Städte bezogen fehlt besonders Arbeitnehmern in Chemnitz, Leipzig, Essen, Dresden und München Anerkennung am Arbeitsplatz.

 

Der Mangel an Anerkennung ist - nach den Leitfaden-Interviews zu urteilen - in den Chefetagen angekommen. Alle befragten Unternehmen arbeiten aktiv an sogenannten Incentivierungsprogrammen oder richten ihr Leitbild neu aus und stellen das Thema wertschätzenden Kommunikation und Anerkennung in den Mittelpunkt. Wobei Anerkennung in den Unternehmen sehr unterschiedliche Ausprägungen haben kann: von „Führen mit Zielen“, feste Zielvereinbarungsgespräche über mehr Gehalt oder einfach nur konstruktives Feedback bis hin zu einer offenen Fehlerkultur.

VERBESSERUNG DER ARBEITSBEDINGUNGEN

In der einschlägigen Personalmanagement-Fachliteratur ist zu lesen, dass eine leichte Überforderung für die Arbeitsleistung förderlich sei. Diese Maxime nehmen sich nicht mehr so viele Chefs zu Herzen wie noch 2016. Denn bei der Frage, wie sehr der Job die Befragten fordert, gaben zwar immer noch mehr an, eher über- als unterfordert zu sein. Allerdings steigt die Zahl, der Ausgeglichenen stark an. Mit 24,5 Prozent (2016: 35%) ist nur noch ein Viertel der Befragten in ihrer Jobsituation eher überfordert. Die Mehrheit mit 53 Prozent fühlt sich leicht bis stark überfordert. Die Mehrheit mit 58,3 Prozent fühlt sich mehr oder weniger in Balance. Nur noch 17,3 Prozent (2016: 21%) fühlen sich mit ihren Aufgaben leicht bis stark unterfordert.

 

Bei der Frage an Personalverantwortliche in Unternehmen, wie stark gefordert sie die Belegschaft einschätzen, kam ein ganz ähnliches Ergebnis zum Tragen. Im Durchschnitt wurde eine leichte Überforderung prognostiziert. Dass dieser Umstand nicht einfach auf die Kenntnis der Fachliteratur zurückzuführen ist, zeigt die Antwort von über 1.000 Angestellten. Insgesamt kann den befragten Personalverantwortlichen ein sehr realistisches Bild der Gefühlslage ihrer Belegschaft bescheinigt werden.

Für mehr als die Hälfte verbessert das Wunschgehalt die Arbeitssituation entscheidend

Bei der Frage, welche Faktoren das Arbeitsleben verbessern würde, landen, wie schon in der Befragung 2016, hehre Ideale wie Gleichberechtigung oder soziales Engagement auf den mittleren oder gar hinteren Rängen. Die ersten drei Plätze gehen unverändert an das Wunschgehalt, flexible Arbeitszeiten und mehr Urlaub. Spitzenreiter beim Wunschgehalt im Städtevergleich sind Hamburg, Berlin und Chemnitz.

An dieser Stelle täuschen sich die meisten Arbeitgeber-Vertreter deutlich. Bei fast allen Befragten wurde als erstes aussichtsreiche Perspektiven, geringere Arbeitsbelastung und besser Entwicklungsmöglichkeiten genannt. Dass ein Wunschgehalt, mehr Urlaub oder flexible Arbeitszeiten den durchschnittlichen Angestellten auf Anhieb zufriedener machen könnte, kam keinem Personalentscheider in den Sinn.

 
 

Durch die Ausgeglichenheit schlummert mehr Potential in der Belegschaft.

AVANTGARDE Experts fragte die Beschäftigen: „Wie könnten Sie, neben Ihrer regulären Funktion und Aufgabe, Ihr Unternehmen unterstützen?“ Knapp die Hälfte, nämlich 46 Prozent (2016: 48%), wählten die Antwortmöglichkeit „Meine Erfahrung an Berufsstarter weitergeben“. Ein Drittel könnte sich zudem vorstellen, bei bestimmten Projekten außerhalb ihres Aufgabenbereichs, als Berater zu agieren oder einem jüngeren Kollegen als langfristiger Mentor zur Seite zu stehen. Ein Viertel der Befragten reizt es auch, Projekte im Ausland zu betreuen. Hier gibt es kaum Veränderungen zur Befragung im Vorjahr.

Stellt man Verantwortlichen in Unternehmen die gleiche Frage, ist mehr von kreativen Denklaboren, Ideenmanagement und Zeit für Innovationen die Rede. Überspitzt träumen anscheinend Arbeitgeber von „Moon Shot“-Ideen à la Google und Arbeitnehmer von der selbstlosen Wissensweitergabe und Kontakt mit der neuen Generation. Interessant wären Projekte, die beides erfüllen. Sozusagen kreative Think Tanks als Begegnungstätte von erfahrenen Fachkräfte und dem Nachwuchs mit dem Ziel Innovationen zu schaffen.

 

WECHSEL DES ARBEITSPLATZES

Bei der Frage nach dem Wechselwunsch antwortete über die Hälfte, dass ein Wechsel im nächsten halben Jahr eher unwahrscheinlich ist. Immerhin ist für ein Fünftel der Befragten ein neuer Job im nächsten halben Jahr denkbar. Unentschlossen sind aktuell 27,3 Prozent.

Insbesondere viele Wechselwillige im Osten

Im Detail betrachtet befindet sich die Mehrheit der Wechselwilligen im Osten des Landes. In den Städten Chemnitz, Dresden und Leipzig gaben besonders viele an, sich einen Jobwechsel innerhalb des nächsten halben Jahres vorstellen zu können.

Warum bleiben, wenn man eigentlich kündigen möchte?

Hat ein Arbeitnehmer innerlich gekündigt und ist bereits auf Jobsuche, hält ihn nur eine Gehaltserhöhung von der Kündigung ab. Das zumindest geben, unverändert zum Vorjahr, 60 Prozent der Befragten an. Ein Drittel der Befragten nennt flexible Arbeitszeiten, mehr Urlaub und nette Kollegen als Grund, von einem Arbeitgeber-Wechsel abzusehen. Für nur 17,5 Prozent ist mehr gestalterische Freiheit ein Grund, nicht zu kündigen. Arbeitszeit für eigene Projekte, ein flexibler Arbeitsort oder Möglichkeiten zur Weiterbildung waren nur für zehn Prozent wichtig. Bei dieser Frage waren Mehrfachantworten möglich.

Gerade dieser Punkt unterscheidet Arbeitnehmer und Arbeitgeber am deutlichsten. Gehen Arbeitgeber davon aus, Mitarbeiter nur durch eine langfristige Perspektive halten zu können, bleiben Arbeitnehmer eher an der Oberfläche und nennen mehr Gehalt, flexiblere Arbeitszeiten und mehr Urlaub als potentielle Gründe von einer Kündigung abzusehen.

 

 

Der ideale Job: flexible Arbeitszeiten und Sozialleistungen

Wenn die Frage nach dem Gehalt entfällt, rückt die Selbstbestimmung in den Vordergrund. Bei der Frage nach Erwartungen an den idealen Arbeitgeber schaffen es mit 45,7 Prozent (2016: 44%) die flexiblen Arbeitszeiten auf Platz 1. Überraschenderweise tauchen auf Platz 2 mit 40,2 Prozent (2016: 37%) Sozialleistungen auf, die in Deutschland eigentlich für selbstverständlich gelten. Platz 3, mit 30,8 Prozent (2016: 34%), geht an die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die in vorangegangenen Fragen eher eine untergeordnete Rolle spielten. 

"Ich brauche keine Weihnachtsfeier, um glücklich zu sein“, heißt es bei einem der befragten Arbeitgebervertreter. Auch bei der Frage nach dem idealen Arbeitgeber trennen sich die Ansichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer deutlich. Die Arbeitgeber gehen etwas tiefer als „flexible Arbeitszeiten“ und „Sozialleistungen“. Neben dem viel zitierten modernen Arbeitsumfeld, werden spannende Inhalte, Gestaltungsspielräume, kurze Wege, flache Hierarchien, offene Atmosphäre und Innovationswille genannt. Alles Themen, die eine ganze Unternehmenskultur prägen.

 

Freunde und Familie haben einen hohen Einfluss auf berufliche Entscheidung

Bei der Frage, welche Rolle Freunde und Familie bei beruflichen Entscheidungen spielen, antwortet die Mehrheit der Befragten mit 40 Prozent (2016: 49 %), dass das persönliche Umfeld Einfluss habe. Bei 32 Prozent sei der Einfluss sogar hoch bis sehr hoch. Nur 15 Prozent (2016: 19 %) gaben an, dass der Freundes- und Familienkreis wenig oder gar keinen Einfluss auf berufliche Entscheidungen hat. 

Im Städteranking spricht bei Beschäftigten in Chemnitz bei beruflichen Angelegenheiten der Familien- und Freundeskreis am meisten mit. Für Befragte aus Hamburg hat das persönliche Umfeld den vergleichsweise geringsten Einfluss auf berufliche Entscheidungen.

Die vorliegende bevölkerungsrepräsentative Umfrage zeigt: Insgesamt sind deutsche Arbeitnehmer zufriedener als noch 2016. Aber: nach wie vor hängt die Arbeitszufriedenheit stark vom Gehalt ab. Auch wenn es – nach der Befragung 2016 – eine leichte Verschiebung hin zu Werten rund um den Themenkomplex „Work-Life-Balance“ gibt. Selbstbestimmung durch flexible Arbeitszeiten ist deutschen Arbeitnehmern erst an zweiter Stelle von Bedeutung. Aber der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten nimmt im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich zu. Direkt danach sorgen auf Platz 3 ausreichend Freizeit und Platz 4 gute soziale Beziehungen im Job für Glück am Arbeitsplatz. Vielbeschworene Werte wie Gleichberechtigung, gute Perspektiven sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheinen  für viele Angestellte in Deutschland nebensächlich zu sein. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass fast jeder Dritte für eine 4-Tage-Woche auf Gehalt verzichten würde. Spannender Fakt ist außerdem, dass deutsche Arbeitnehmer sich zunehmend ausgeglichen fühlen und trotzdem noch jeder fünfte überlegt, in den nächsten 6 Monaten den Job zu wechseln.

Neu war in diesem Jahr der Städtevergleich: Spannendste Ergebnisse daraus sind, dass Stuttgart die zufriedensten Arbeitnehmer in Deutschland beherbergt und dass Beschäftigte in den neuen Bundesländern am wechselwilligsten sind. Außerdem scheint der Wunsch nach mehr Anerkennung (70 Prozent) in ostdeutschen Städten besonders hoch zu sein.

Arbeitgeber auf der anderen Seite stellen das harmonische Teamgefüge, also die sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz, in den Mittelpunkt, wenn es um Zufriedenheit am Arbeitsplatz geht. Direkt im Anschluss sehen Chefs wertschätzende Kommunikation und damit Anerkennung als ausschlaggebend. Diese Beobachtung deckt sich mit der Arbeitnehmer-Zufriedenheit. An dritter Stelle halten Personalverantwortliche das Aufzeigen von Entwicklungschancen und entsprechende Führung der Mitarbeiter als Coach für bedeutend.

Die Gegenüberstellung der Wertehierarchie der Angestellten zeigt aktuell ein anderes Bild. Erst wenn die sogenannten Hygienefaktoren Gehalt und flexible Arbeitszeiten stimmen, haben Arbeitnehmer ein Auge für das Team und ein Ohr für wertschätzende Kommunikation.

Dann sind auch Arbeitnehmern gute soziale Beziehungen, also ein harmonisches Teamgefüge, wichtig. Führungskräfte sehen im Anschluss Entwicklungschancen für Mitarbeiter als bedeutendes Führungsinstrument und Attraktivitätsfaktor für einen Job. Bevor sich Angestellte über potentielle Perspektiven für einen Job entscheiden, ziehen sie die Sicherheit, die beispielsweise ein unbefristeter Arbeitsvertrag bietet, vor. Allerdings gibt es hier eine leichte Verschiebung von 2016 zu 2017 von der gewollten Sicherheit hin zur mehr Perspektive. Für Arbeitgeber ergibt sich daraus eine klare Strukturempfehlung und Wertehierarchie in ihren Stellenausschreibungen. Für Arbeitnehmer ist eine wichtige Aussage, dass nicht jeder Job gleich zur Selbstverwirklichung führen muss. Es darf auch einfach mal „nur“ Arbeit sein.

Soziodemographische Daten (1/6) – GESCHLECHTERVERTEILUNG

Soziodemographische Daten (2/6) – Altersverteilung

Soziodemographische Daten (3/6) – Herkunftsregion

Soziodemographische Daten (4/6) – Tätigkeit

Soziodemographische Daten (5/6) – Familienstand

Soziodemographische Daten (6/6) – Kinder

FOTOS

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