Corona Studie 2020

AVANTGARDE Experts Studie 2020: Arbeiten in Corona-Zeiten

Eine repräsentative Verlaufsstudie von AVANTGARDE Experts zur Situation deutscher ArbeitnehmerInnen während und nach der Corona-Pandemie.
26
Mai
2020

Eins ist in den letzten Wochen deutlich geworden: Covid-19 hat das Leben in ganz Deutschland verändert – der Alltag ist weder privat noch beruflich gleichgeblieben. Die einzelnen Menschen hinter der Gruppe der ArbeitnehmerInnen im Homeoffice sind dabei bislang noch wenig betrachtet worden. Der Personaldienstleister AVANTGARDE Experts hat deshalb im April 2020, im Rahmen einer Verlaufsstudie über drei Zeitpunkte hinweg, über 500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwischen 18 und 69 Jahren deutschlandweit nach ihrer derzeitigen Lage während der Corona-Pandemie befragt. Befragt wurden ausschließlich ArbeitnehmerInnen, die in dieser Situation zumindest an einigen Tagen die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten. Dabei bezog die bevölkerungsrepräsentative Umfrage Aspekte der beruflichen und privaten Situation mit ein.

Ein Schwerpunkt lag auf der Arbeitssituation im Homeoffice und auf den Folgen, die dies auf das Wohlergehen der ArbeitnehmerInnen hat. Die Ergebnisse überraschen teilweise und bestätigen gleichzeitig viele Vermutungen. Sie zeigen eine Perspektive der ArbeitnehmerInnen, die wertvolle Impulse für diese herausfordernde Zeit geben kann.

Die Kernfragen der Studie: Wie sehr hat sich das Leben der ArbeitnehmerInnen durch Corona verändert? Wie wirkte sich die Pandemie und damit verbundene staatliche und betriebliche Maßnahmen beruflich aus, wie privat? Was sind die größten Herausforderungen während dieser Zeit? Und wie schätzen die ArbeitnehmerInnen die Zeit nach dem Ende der Pandemie ein?

 

Forschungsdesign

In der Studie wird zu drei verschiedenen Zeitpunkten untersucht, wie sich die Corona-Krise auf das Leben und Arbeiten auswirkt: Im April 2020, nach der Corona-Krise und weitere zwölf Monate später. Zu allen drei Zeitpunkten werden die gleichen Fragen an die gleiche Teilnehmergruppe gestellt, sodass ein direkter Vergleich über einen Zeitraum ermöglicht wird. Neben Auswirkungen auf das Arbeitsleben wurden auch Fragen zum persönlichen Leben gestellt. Befragt wurden ArbeitnehmerInnen, welche während der Corona-Pandemie zumindest an einigen Tagen im Homeoffice arbeiten können.

Die repräsentative AVANTGARDE Experts Studie über die Arbeitswelt in Deutschland während der Corona-Pandemie 2020 zeigt, wie sehr sich der berufliche Alltag der ArbeitnehmerInnen verändert und wie stark sie persönlich betroffen sind.
Methode: Die Erhebung wurde unter in Deutschland lebenden ArbeitnehmerInnen zwischen 18 und 69 Jahren durchgeführt (N = 505), die während der Pandemie die Möglichkeit zu Homeoffice haben. Befragt wurden diese über ein aktiv und passiv rekrutierendes Online Access Panel durch Splendid Research in Hamburg im April 2020.

Die Ergebnisse im Überblick

So hat Corona das Leben in Deutschland verändert

Wenig überraschend hat die Corona-Pandemie das Leben eines großen Teils der ArbeitnehmerInnen stark verändert. Das Stresslevel der Befragten ist allerdings im Vergleich nur bei einem Drittel der Befragten angestiegen und nur ein Viertel betrachten ihre Situation negativer als noch vor der Pandemie. Bei einem Drittel hat die Quarantäne psychische wie körperliche Beschwerden ausgelöst. Was am meisten fehlt, ist die soziale Interaktion, die sich nicht einfach über virtuelle Kommunikation ersetzen lässt. Das anhaltende Arbeiten im Homeoffice empfinden die Befragten dagegen nicht als problematisch: Knapp 40 Prozent hat mehr Zeit für Sport und Hobbies und ein Großteil (59 Prozent) fühlt sich bei der Arbeit entspannter.

Homeoffice-Alltag: Arbeiten während Corona

Durch das Verschmelzen von Home und Office während der Corona-Pandemie, spüren die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland zwar starke Auswirkungen auf ihre berufliche Situation, allerdings sind diese überraschend positiv. Ein Großteil der Befragten startet dank wegfallender Arbeitswege stressfreier in den Tag. Jeder zweite Befragte arbeitet im Homeoffice konzentrierter und entspannter. Familien gelingt tendenziell ein gekonnterer Umgang mit der Gesamtsituation, obwohl die Zeiteinteilung sich schwieriger gestaltet. Das soziale Miteinander im Büro fehlt dem Großteil der Befragten am meisten, vor allem Paaren und Befragten ab 40 Jahren. Obwohl die Mehrheit der Probanden die virtuelle Zusammenarbeit als gut empfindet, bevorzugt der Großteil reale Zusammenkünfte. Überzeugt von virtuellen Meetings sowie einer Prozessbeschleunigung im Homeoffice sind weitestgehend Akademiker.

 

Herausforderungen für Unternehmen

Deutschlands Unternehmen überraschen im Bereich Digitalisierung. Mehr als zwei Drittel der Befragten vergeben für die Umstellung auf Homeoffice eine gute Note an ihr Unternehmen. Nur 20 Prozent empfanden ihren Betrieb als schlecht vorbereitet und sprechen von fehlender Technik und mangelhaftem Know-how. Insbesondere im Auge behalten sollten Arbeitgeber die soziale Komponente im Team. Nur 5 Prozent der Befragten gaben beispielsweise an, die Zusammenarbeit funktioniere im Homeoffice besser. Während allgemeiner Homeoffice-Phasen Kollaboration und Teamgeist zu erhalten ist also ein Faktor den Arbeitgeber im Auge behalten sollten. Die staatlichen Maßnahmen aufgrund der Krise scheinen sich insgesamt stärker auf Privates, als auf Berufliches auszuwirken. Homeoffice verschafft den Befragten mehr Zeit für sich. Die Work-Life-Balance hat sich positiv entwickelt. Das Mehr an Zeit nutzen ArbeitnehmerInnen vor allem für Hobbies und Familie. Hingegen ist nur bei knapp der Hälfte der Befragten Interesse an beruflichen Weiterbildungen mittels Online-Formaten vorhanden. Auf der Negativseite wird aktuell wiederum das Fehlen von sozialem Ausgleich, wozu auch die Zeit mit KollegInnen im Büro zählt, von einer großen Mehrheit doch deutlich wahrgenommen. Konsequenterweise nennt ein Drittel den Erhalt von Arbeitsmoral und Motivation als große Herausforderung für Unternehmen. Nur der Erhalt von Arbeitsplätzen wird noch häufiger genannt.

Ausblick

Trotz teilweise negativer Stimmungslage sehen viele Befragte den nächsten sechs Monaten optimistisch entgegen. Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer bzw. jede zweite Arbeitnehmerin ist froh, dass er bzw. sie nach der Corona-Krise wieder wie gewohnt der Arbeit im Büro nachgehen kann. 44 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ein flexibler Wechsel zwischen Büro und Homeoffice nach Corona bestehen bleibt und 41 Prozent stellen sich vor, dass sie mehr im Homeoffice arbeiten werden. Außerdem würde unternehmensseitig ein zunehmender Fokus auf die Digitalisierung von Arbeitsprozessen gelegt werden (39 Prozent). Die Auswirkungen in den nächsten Monaten werden auf die berufliche Situation minimal positiver als auf die private Situation vermutet. Ein allgemeiner Kanon unter den StudienteilnehmerInnen ist vor allem das Bedürfnis, nach der Krise mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen und bewusster zu leben. Stichwort: verbesserte Work-Life-Balance.

DIE ERGEBNISSE IM DETAIL


1. So hat Corona das Leben in Deutschland verändert


Die Corona-Pandemie verändert das Leben in Deutschland – mit Auswirkungen auf jeden Bereich des Alltags, auf den Beruf wie auf das Private. Unter den befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland gab es fast niemanden, der die Veränderung nicht spürte. Durchschnittlich gaben die ArbeitnehmerInnen sogar an, eine starke Veränderung zu empfinden: Auf einer Skala von 1 bis 10 ergab sich unter den ArbeitnehmerInnen in Deutschland ein Durchschnittswert von 6,7. [1]

98 Prozent der Befragten gaben an, ihr Leben habe sich durch Corona verändert. Über 72 Prozent sagten sogar, ihr Leben habe sich im Vergleich zu vorher stark bis sehr stark verändert.[2]

Das Ausmaß der Veränderung unterscheidet sich dabei nur geringfügig nach demografischen Merkmalen. Besonders spürten jüngere Menschen von 18-29 Jahren und Mittvierziger, dass nicht mehr alles beim Alten ist: Auf einer Skala von 1-10 ergab sich in diesen Altersgruppen ein Durchschnittswert von 6,9 bzw. 6,8. Am wenigsten hat sich dagegen für ArbeitnehmerInnen jenseits der 60 geändert, hier lag der Durchschnitt bei 6,2. Bei Frauen ergab sich mit 6,9 ein höherer Durchschnittswert als bei Männern (6,5).

Familien[3] empfanden die Veränderungen als besonders weitreichend: Der Durchschnittswert lag bei Probanden mit Kindern bei 7,1, bei Probanden ohne Kindern bei 6,5. Unter den Befragten mit Kindern gaben 77 Prozent an, ihr Leben habe sich stark bis sehr stark gewandelt, während dies nur 70 Prozent der Kinderlosen behaupteten.

Bei dieser Studie wurden ausschließlich ArbeitnehmerInnen befragt, die die Möglichkeit haben, in Corona-Zeiten oder grundsätzlich zumindest einige Tage im Homeoffice zu arbeiten. Auch hier macht sich ein Unterschied bemerkbar: Unter den Studienteilnehmern, die angaben, bereits vor Corona regelmäßig im Homeoffice gearbeitet zu haben, gaben nur 66 Prozent starke bis sehr starke Veränderungen an. Unter denjenigen, die als staatliche und unternehmerische Maßnahmen erst jetzt die Möglichkeit zu Homeoffice haben, spürten dies 77 Prozent. Hier zeigt sich deutlich, wie sehr ArbeitnehmerInnen davon profitieren konnten, wenn die Infrastruktur für das Arbeiten von Zuhause bereits gegeben war.

 

 

Wie äußerte sich die empfundene Veränderung konkret?

Zum einen ist die allgemeine Stimmung bei einem Viertel der Befragten gesunken, während das Stresslevel bei einem Drittel der ArbeitnehmerInnen in der Corona-Zeit angestiegen ist.

Knapp die Hälfte (48 Prozent) sagten, ihre Stimmung sei im Vergleich zu vor der Pandemie negativer geworden. Und nur 30 Prozent der Befragten empfinden ihr Leben stressiger als zuvor.


Dabei sind die Unterschiede mit nur 2 Prozent zwischen Frauen und Männern marginal. Stärker angestiegen ist das Stresslevel bei Familien: Unter Familien sind es 46 Prozent, die einen starken bis sehr starken Anstieg an Stress empfinden, unter Kinderlosen gaben dies nur 9 Prozent an. Innerhalb von Familien gibt es kaum einen Unterschied zwischen den Geschlechtern: 45 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer, die in einem Haushalt mit Kindern wohnen, gaben einen starken bis sehr starken Anstieg an.

Dass Stress und eine negative Einstellung in der aktuellen Situation zu psychischen oder körperlichen Beschwerden führen können, schlägt sich auch in den Ergebnissen der Studie von AVANTGARDE Experts nieder:

Ein Teil der Befragten beobachtet seit Beginn der Corona-Beschränkungen das Auftreten von psychischen (31 Prozent) bzw. von körperlichen Beschwerden (32 Prozent).

Corona Psychische Beschwerden
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Offensichtich wirkt sich die anhaltende Corona-Situation auch auf die Gesundheit der Menschen aus. Da körperliche Probleme oft mit Bewegung und Ernährung zusammenhängen, überrascht folgendes Ergebnis:

Knapp ein Drittel der Befragten mit 31 Prozent gab an, sich in Corona-Zeiten ungesünder zu ernähren. Und gleichzeitig investieren 39 Prozent mehr Zeit in Sport und Bewegung als normalerweise.


Der höhere Sportanteil korreliert auch mit den psychischen und körperlichen Beschwerden. Nur 6 Prozent der Personen, die jetzt mehr Sport treiben, gaben an, körperliche oder psychische Beschwerden zu haben. 

 

 

Mit 59 Prozent fühlt sich die Mehrheit der Befragten im Homeoffice entspannter als im Büro und hat mehr Zeit für Hobbies, Familie und Freunde.[4] Überraschenderweise gilt das auch für arbeitende Eltern mit Kindern. Hier stimmen sogar 63 Prozent der Befragten zu.

 

 

Ein Zusammenhang zwischen der Anzahl an Befragten, die angeben unter größerem Stress zu stehen und den Befragten, die eine allgemein negative Einstellung zur aktuellen Situation haben, besteht in der sozialen Isolation:
 

33 Prozent der befragten ArbeitnehmerInnen fühlen sich einsamer als vor Corona – dabei gab fast jeder Fünfte (21 Prozent) an, viel oder sehr viel einsamer zu sein.

Der rein virtuelle Kontakt zu Kollegen, Freunden und Mitarbeitern ersetzt auch für Homeoffice-Erprobte nicht die persönliche Begegnung. Dass sich vermehrte soziale Interaktion via Videocalls und Telefon sowie empfundene Einsamkeit nicht ausschließen, bestätigt den naheliegenden Verdacht, dass zwischenmenschliches Miteinander in der Realität nicht rein online ersetzt werden kann.

 

 

 

2. Homeoffice-Alltag: Arbeiten während Corona

Die Corona-Pandemie verändert nicht nur das Privatleben vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern wirkt sich auch deutlich auf deren berufliche Situation aus. Wenn das Home zum Office wird und der Arbeitsalltag sich in die eigenen vier Wände verlagert, beide „Welten“, zumindest teilweise, miteinander verschmelzen, hat dies Auswirkungen. Auf einer Skala von 1 bis 10 liegt der Durchschnittswert unter allen befragten ArbeitnehmerInnen in Deutschland bei 6,5.

 

95 Prozent der Befragten gaben an, Auswirkungen auf ihre berufliche Situation durch die Corona-Pandemie zu spüren. 69 Prozent spüren sogar starke bis sehr starke Auswirkungen in Bezug auf ihre berufliche Situation.[5]

Bei allgemeiner Betrachtung der beruflichen Auswirkungen sind Männer und Frauen mit einem Durchschnittswert von 6,3 genau gleich auf. Blickt man auf die 69 Prozent der Befragten mit starken bis sehr starken Auswirkungen, so geht hervor, dass etwas mehr Frauen mit einem Anteil von 52 Prozent diese deutlicher spüren als Männer (48 Prozent).

 

Das Empfinden starker bis sehr starker Auswirkungen geht außerdem mit steigendem Alter der Probanden zurück. Während die 18- bis 29-Jährigen hier einen Teil von 24 Prozent ausmachen, geht die Ü50- nur noch mit 21 Prozent und Ü60-Generation sogar mit nur knapp 10 Prozent in die Statistik mit ein. Deutliche Auswirkungen spüren vor allem Familien[6] (41 Prozent) im Gegensatz zu ArbeitnehmerInnen, die ohne Kinder im Haushalt leben (33 Prozent).

Die Probanden wurden außerdem befragt, welche positiven bzw. negativen Erfahrungen sie derzeit während ihrer Homeoffice-Phase sammeln. Ein positiver Effekt sticht hier signifikant hervor:

62 Prozent der Befragten gaben an, ihr Start in den Tag verlaufe auf jeden Fall stressfreier, da die „normalerweise“ täglichen Wege zur Arbeit wegfallen würden. Für 54 Prozent der ArbeitnehmerInnen sei sogar eine bessere Zeiteinteilung möglich und 46 Prozent der Befragten arbeiten im Homeoffice während der Corona-Krise weniger als normalerweise.

 

Mehr Frauen (55 Prozent) als Männer (45 Prozent) empfinden das Wegfallen der Arbeitswege als Entlastung. 48 Prozent der Befragten gaben an, im Homeoffice produktiver zu sein als im Büro. Über zwei Drittel davon (71 Prozent) befindet sich in einer festen Partnerschaft. Die gegenseitige Unterstützung wirkt sich hier möglicherweise positiv auf die Produktivität der ArbeitnehmerInnen aus. Die Mehrheit der Befragten (53 Prozent) empfinden sich am heimischen Schreibtisch allerdings nicht produktiver.

Interessant ist an dieser Stelle: Auf die Produktivität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice haben Kinder offenbar wenig bis gar keinen Einfluss. Ob mit oder ohne Kinder, ein Viertel der Befragten gibt an, im Homeoffice produktiver zu sein.

 

 

Während die Produktivität der Befragten im Homeoffice unabhängig von im Haushalt lebenden Kindern ist, gestaltet sich die Zeiteinteilung der Befragten mit im Haushalt lebenden Kindern eindeutig herausfordernder. Für über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) besteht im Homeoffice die Möglichkeit einer besseren Zeiteinteilung. 44 Prozent davon sind kinderlose Haushalte, ein Drittel davon (32 Prozent) lebt mit Kindern zusammen.

Homeoffice mit Kindern ist sicherlich eine außergewöhnliche Situation. Umso erstaunlicher ist es, dass immerhin 11 Prozent der Befragten angeben, die Kinderbetreuung gestalte sich im Homeoffice in Zeiten der Corona-Pandemie einfacher.

Positive Erfahrungen

Trotz etlicher Herausforderungen arbeitet über die Hälfte (53 Prozent) der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice konzentrierter. 48 bzw. 49 Prozent der Studienteilnehmer geben an, ihre Aufgaben im Homeoffice sowohl produktiver als auch schneller zu erledigen. Mit 49 Prozent ist knapp die Hälfte der Befragten sogar zufriedener mit der Arbeit im Homeoffice. Das könnte zum Teil am fehlenden Kontakt zu unliebsamen Kollegen liegen, denn für immerhin ein Viertel der Arbeiterinnen und Arbeitnehmer (26 Prozent) verkörpert diese Tatsache eine positive Erfahrung im Homeoffice. Bedeutend kreativer empfinden 43 Prozent der Befragten ihre Arbeit und der Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (59 Prozent) fühlt sich im Homeoffice sogar entspannter.

Geht man an dieser Stelle in die Tiefe, so ergeben sich interessante Zusammenhänge zwischen den genannten Faktoren wie Konzentration, Produktivität, Schnelligkeit, Zufriedenheit und Entspannung im Homeoffice und der Tatsache mit oder ohne Kinder im Haushalt zu leben.

Festzuhalten ist zunächst: Der Anteil an Familien und Befragten, die ohne Kinder im Haushalt leben, ist in der Gruppe der Menschen, die starke bis sehr starke Veränderungen bei den genannten Faktoren empfinden, weitestgehend gleich und unterscheidet sich lediglich um wenige Prozentpunkte.

Interessant ist allerdings die Tatsache, dass der Anteil an Familien in den genannten Bereichen immer höher ist, als der, der kinderlosen Haushalte.

 

 

Wie bereits im vorherigen Kapitel angedeutet, fällt es Familien erkennbar leichter, mit dieser besonderen Homeoffice-Situation während der Corona-Pandemie umzugehen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Familien bzw. Menschen mit Kindern, generell einem höheren Stresslevel und Organisationsaufkommen ausgesetzt sind als Menschen ohne Kinder im eigenen Haushalt. Daher gelingt es Familien hier offensichtlich eher, einer veränderten Arbeitssituation konzentrierter und entspannter gegenüberzutreten.

 

Neben positiven Erfahrungen im Homeoffice wurden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch nach ihrer Meinung zu negativen Erfahrungen befragt. Dabei sticht ein Umstand des Arbeitens in den eigenen vier Wänden klar hervor:

Jeder zweite Befragte stimmt der Aussage zu, dass das fehlende soziale Miteinander im Büro eine negative Erfahrung im Homeoffice ist und sogar 61 Prozent der Befragten vermisst die Gesellschaft der Arbeitskolleginnen im Büro.

Damit einher geht das Gefühl von knapp einem Fünftel (18 Prozent) der Befragten, es herrsche weniger Zusammenhalt im Team. Soll heißen: Auch wenn die KollegInnen im Büro vielleicht nicht immer die besten Freunde sind, so sind sie für die Mehrheit der Befragten dennoch soziale Kontakte, die ihnen jetzt fehlen. Keiner anderen Aussage stimmten die Probanden so oft mit 10 Punkten zu wie „Ich vermisse die gemeinsame Zeit mit KollegInnen am Arbeitsplatz“.

Vor allem Frauen (57 Prozent) vermissen die gemeinsame Zeit mit Kolleginnen und Kollegen im Büro, bei den Männern sind es im Vergleich nur 43 Prozent. Spannend ist hier die Tatsache, dass vorrangig Menschen, die in einer festen Partnerschaft bzw. Ehe leben (68 Prozent), das fehlende soziale Miteinander vermissen.

Erwartbarer wäre dies bei (alleinlebenden) Singles gewesen, die in diesem Fall allerdings nur knapp ein Drittel (32 Prozent) ausmachen. Befragte zwischen 40 und 69 Jahren haben den größten Anteil unter den Menschen, die das soziale Miteinander im Büro vermissen. Begründen lässt sich diese Tatsache eventuell damit, dass die jüngere Generation (18 bis 39 Jahre) es eher gewohnt ist, virtuell zu kommunizieren und auf diese Weise Kontakte aufrecht zu erhalten.

Wenn Home und Office Eins werden, gestaltet es sich für 36 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland herausfordern, Privates und Berufliches zu trennen. 29 Prozent sehen Schwierigkeiten darin, sich in dieser Situation langfristig zu motivieren.

Diese Feststellung geht einher mit der Tatsache des als hoch empfundenen Ablenkungsfaktors im Homeoffice – 35 Prozent der Befragten teilen diese Meinung. Der Anteil an Menschen ohne Kinder im Haushalt ist hier höher als der von Familien. Dies unterstreicht die oben bereits erwähnte Mutmaßung, dass Familien routinierter und flexibler an unvorhergesehene Situationen herangehen und sich demnach nicht so leicht ablenken lassen. Bestätigt wird dies durch 73 Prozent[7] der Befragten, welche Probleme bei der Kinderbetreuung verneinen. Was den Ablauf von Arbeitsprozessen im Homeoffice angeht, sind viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch nicht überzeugt. Nur 22 Prozent der Befragten sind der Meinung, gewisse Prozesse in ihrem Unternehmen würden durch Homeoffice beschleunigt, über die Hälfte davon (53 Prozent) sind Akademiker.

Ein Viertel der Studienteilnehmer (24 Prozent) teilt sogar die Überzeugung, dass Prozesse aufgrund der Homeoffice-Situation länger dauern. Ähnlich verhält es sich mit der Einstellung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu virtuellen Meetings gegenüber persönlichen Begegnungen. Lediglich 16 Prozent sehen in der virtuellen Variante eine höhere Produktivität. Auch hier sind es mit 56 Prozent mehrheitlich Akademiker, die diese Meinung teilen.

 

Von allen Befragten haben 39 Prozent grundsätzlich immer die Möglichkeit zu Homeoffice. 20 Prozent können an einigen Tagen aber nicht an allen Tagen von zuhause arbeiten, während 41 Prozent ausnahmsweise an allen Tagen im Homeoffice arbeiten.

Man kann bei diesen drei „Gruppen“ davon ausgehen, dass die Probanden jeweils ein unterschiedliches Maß an Routine und Übung in Sachen Homeoffice und virtuellen Meetings mitbringen. Trotz dieser Tatsache sind durchschnittlich 70 Prozent jeder Gruppe der Meinung, die virtuelle Zusammenarbeit funktioniere gut.

 

 

3. Herausforderungen für Unternehmen

 

 

Unternehmen wie Arbeitskräfte sind aktuell gleichsam herausgefordert. Potentiale und Defizite werden an vielen Stellen sichtbar. Auf betrieblicher wie auf menschlicher Seite gelten neue Umstände, die Beachtung verdienen, seien es veränderte Arbeitsformen und -prozesse, die Digitalisierung oder eine ungewisse wirtschaftliche Situation. In diesem Abschnitt wurden zunächst die ArbeitnehmerInnen explizit nach den empfundenen Auswirkungen der staatlichen Maßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie auf ihre persönliche Situation hin befragt. Die Mehrheit der Befragten bezeichnet diese als tendenziell positiv. 74 Prozent vergeben auf der Skala mindestens eine 5 (Mittel) oder höher. Signifikante Unterschiede zwischen Familien und Alleinstehenden, verschiedenen Altersgruppen oder nach Geschlecht haben sich nicht ergeben. Im Mittel ergibt sich ein Wert von 5,79. Erfreulich:

Nur 7 Prozent der Befragten empfinden die Wirkung der Maßnahmen als sehr negativ.



staatliche Maßnahmen

 

In einem weiteren Schritt wurden diejenigen, die ein positives Urteil fällen, genauer nach der Art dieser positiven Folgen befragt. Entsprechend wurden auch die 26 Prozent, welche auf der Skala einen niedrigen Wert vergaben, nach der Art der negativen Auswirkung auf die persönliche Situation gefragt. Mehrfachnennungen waren hierbei möglich.

 

Welche langfristigen Folgen die staatlichen Maßnahmen auf die Menschen haben könnten, daran scheiden sich in aktuellen Debatten die Geister. Erhöhen Beschlüsse wie Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen das Sicherheitsgefühl, oder führen sie zu Vereinsamung? Führt die an vielen Stellen erfolgte Umstellung auf Homeoffice zu entspanntem Arbeiten und mehr Freizeit, oder schadet sie der Produktivität?

Die Studie von AVANTGARDE Experts zeigt, dass es den einen gemeinsamen Nenner bei den als positiv empfundenen Folgen der staatlichen Maßnahmen nicht gibt. Festhalten lässt sich dennoch, dass unter den Befragten die Aspekte, die Bereiche des persönlichen Lebens betreffen, etwas häufiger bestätigt wurden, als solche Antworten, die Bereiche Arbeit und Produktivität betreffen.

In puncto Zusammenarbeit und Team Building müssen Chefs aufpassen. Nur 5 Prozent gaben an, dass die Zusammenarbeit mit KollegInnen im Homeoffice nun besser funktioniere.

Und auch, dass die persönliche Ebene unter KollegInnen dadurch gestärkt würde, dass man etwa durch Videocalls Einblicke in die Privaträume der anderen erhalte, nannten nur 7 Prozent der Befragten. Während allgemeiner Homeoffice-Phasen Kollaboration und Teamgeist zu erhalten ist also ein Faktor den Arbeitgeber im Auge behalten sollten.

 

Ein eindeutiges und alarmierendes Bild ergibt sich dagegen bei jenen ArbeitnehmerInnen, welche die Wirkung staatlicher Maßnahmen auf die persönliche Situation als negativ beschrieben. Kontaktbeschränkungen und Herunterfahren des öffentlichen Lebens hinterlassen im sozialen Leben der Befragten eine tiefe Lücke.

Stolze 90 Prozent der hier Befragten vermissen den sozialen Ausgleich. 59 Prozent auch die gemeinsame Zeit mit KollegInnen am Arbeitsplatz. Die soziale Komponente von Büros scheint durch Videokonferenzen und reines Sehen also kaum ausgeglichen zu werden. So ist es wenig verwunderlich, dass 46 Prozent sich insgesamt einsamer als zuvor fühlen. Erwartungsgemäß wurde dieser Faktor häufiger genannt, je kleiner der Haushalt der Befragten ist. Befragte in Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten sind vom Gefühl der Einsamkeit stärker betroffen.

Corona ist in vielerlei Hinsicht eine gesundheitliche Herausforderung. Das Worst-Case-Szenario der Pandemie muss abgewehrt werden, gleichzeitig drohen Langzeitfolgen als Konsequenz der ergriffenen Maßnahmen. Beinahe ein Drittel der Befragten berichtet, als Auswirkung der staatlichen Maßnahmen unter körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit zu leiden.

Fast ebenso viele nennen psychische Beschwerden als Folge. Sie empfinden Gefühle wie Hoffnungslosigkeit oder Nutzlosigkeit und haben negative Gedanken. Der fehlende soziale Ausgleich sowie die empfundene Einsamkeit wurden als mögliche Ursachen bereits angesprochen. Weitere Faktoren, die hier genannt werden können, sind der bei einem Teil der Befragten erhöhte Stress, sowie eine Gruppe von 35 Prozent, die wiederum berichtet, weniger als zuvor zu arbeiten und möglicherweise darunter leidet.

In dieser Situation überfordert mit der Betreuung der eigenen Kinder zu sein, gaben nur 11 Prozent der Befragten an. ArbeitnehmerInnen mit Kindern unter 5 Jahren (73 Prozent) zeigten sich hiervon stärker betroffen.

Die Studie zeigt, dass die Auswirkung der gegenwärtigen Umstände auf die gesundheitliche Situation der ArbeitnehmerInnen ein Thema ist, das auf keinen Fall vernachlässigt werden darf. Eine große Gruppe empfindet bereits jetzt direkte Auswirkungen.

Der Umzug ins Homeoffice wird gemeinhin als plötzlich und abrupt bezeichnet. Die Rede ist davon, dass Prozesse, die vielerorts sonst Jahre gedauert hätten, nun innerhalb weniger Tage erfolgen mussten. Es war im Vornherein nur schwer einschätzbar, wie Betriebe und ArbeitnehmerInnen damit zurechtkommen würden. Deutschland wird gerne als Digitalisierungswüste verschrien. Mangelhafte Infrastruktur wird ebenso gerne beklagt wie fehlendes Grundinteresse. Häufig wird deutschen Unternehmen nachgesagt, nur zögerlich und ungerne in ihre IT-Infrastruktur zu investieren. Daher wollte AVANTGARDE Experts wissen, wie gut die Befragten und ihre jeweiligen Unternehmen sich im Rückblick auf die Umstellung des Arbeitsalltags auf digitale Kanäle gewappnet sahen.

Die Studie stellt ein gutes Zeugnis aus:

Nur 4 Prozent waren der Meinung, gar nicht gewappnet gewesen zu sein. 8 Prozent dagegen geben an, sie seien ideal vorbereitet gewesen.

Freilich muss hierbei berücksichtigt werden, dass bei der Studie nur solche Personen befragt wurden, die während der Corona-Krise die Möglichkeit haben, zumindest einige Tage im Homeoffice zu arbeiten. Trotzdem dürfte der Mittelwert von 6,37 für viele überraschend hoch sein. Die Digitalisierungswüste Deutschland scheint vitaler als gemeinhin erwartet. Dennoch verbleibt in vielen Unternehmen Verbesserungspotential.

 

 

Im Anschluss wurde der Anteil der Befragten, der ein negatives Urteil abgab, gebeten, genauer zu nennen, woran es ihrer Meinung nach bei der Umstellung gefehlt hatte. In der Mehrheit der Fälle waren die notwendigen technischen Voraussetzungen nicht gegeben.

Es fehlte beispielsweise an mobiler Hardware, Software-Lizenzen oder sonstigen Tools. Viele Unternehmen und ArbeitnehmerInnen sahen sich zum ersten Mal mit Homeoffice konfrontiert.

Diese Arbeitsform sei nie vorgesehen oder gewollt gewesen, dementsprechend waren Erfahrung und auch die nötige Kompetenz oft nicht vorhanden. Hier rächen sich in der aktuellen Situation Versäumnisse oder bisheriges Desinteresse. Manche der Befragten sind in ihren Berufen auch stark auf Präsenzprozesse angewiesen und erlebten aus diesem Grund keinen reibungsfreien Übergang.

 

Analog wurden auch die Personen, die einen positiven Wert angaben, gebeten ihr Urteil noch zu konkretisieren. Hier profitierten viele davon, schon zuvor teilweise oder gar immer im Homeoffice gearbeitet zu haben. In ihren Unternehmen waren dementsprechend Ausrüstung sowie Erfahrung und Kompetenz ausreichend vorhanden.

Besonders dort, wo sowieso im digitalen Umfeld gearbeitet wird, wo viele Prozesse generell digital ablaufen, oder wo die Umstellung mit wenig Aufwand verbunden war, fiel der Übergang leicht.

Häufig lobten die Befragten der Studie weitsichtige Arbeitgeber. Frühzeitiges Antizipieren der Situation führte dazu, dass viele ArbeitnehmerInnen von rechtzeitigen Vorbereitungen und - falls nötig - auch von Schulungen im Vorfeld berichteten. Lobende Worte gab es in vielen Fällen auch für die IT-Abteilungen der Unternehmen.

Die Frage dagegen, ob während der Corona-Krise vermehrt Online-Fortbildungsangebote, wie Webinare, Podcasts und Online-Trainings genutzt werden, wurde von einer knappen Mehrheit (51 Prozent) klar verneint. 8 Prozent nutzen sie zwar, aber in verringertem Umfang. Gerade 19 Prozent gaben an, diese Angebote häufiger als sonst zu nutzen. Dies gilt für alle Altersgruppen, Geschlechter und Familienstände.

 

Nach Gründen für die Nicht-Nutzung gefragt, antworteten die ArbeitnehmerInnen häufig damit, keinen Bedarf an Fortbildungsangeboten zu sehen, keine Zeit oder grundsätzlich kein Interesse zu haben. Ein Teil gab an, die Angebote nicht zu kennen, oder dass keine zur Verfügung stünden. Für manche sind Online-Angebote schlicht und einfach die falsche Umsetzung. Sie bevorzugen Präsenzformate.

Viele ArbeitnehmerInnen sehen keinen Bedarf und keine Zeit für zusätzliche Online-Fortbildungen. Sie haben wenig Interesse, ihre Freizeit aktuell mit beruflicher Weiterbildung zu gestalten.

 

Bei der Frage nach den großen unternehmerischen Herausforderungen während der Corona-Zeit, sehen die Befragten mit 41 Prozent das Erhalten von Arbeitsplätzen klar an erster Stelle. Auf Platz zwei sehen 32 Prozent den Erhalt von Arbeitsmoral und Motivation der Belegschaft. Auch hier sollten alle Chefs aufhorchen.

Den Zugriff auf die firmeninterne IT-Infrastruktur sowie die Umstellung auf digitale Kommunikationsformen intern wie extern sehen mit 29, 27 und 25 Prozent eine hohe Zahl der Befragten als Herausforderung für Unternehmen.

 

Sorgen bereitet jedem fünften Befragten auch das wirtschaftliche Fortbestehen. Damit einhergehend sehen 18 Prozent das Einführen neuer Produkte und das Erschließen neuer Märkte als aktuell besonders herausfordernd. Um das Schaffen von Innovationen sorgen sich aktuell mit 9 Prozent die wenigsten.

4. Ausblick

„Wie glauben Sie, wird es weitergehen?“:

Das war die Kernfrage zum Ende der repräsentativen Online-Erhebung von AVANTGARDE Experts und Splendid Research. Welche Auswirkungen werden die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auf das Berufsleben, aber auch auf die private Situation haben? Die Antworten sind bedingt positiv.

Die Frage nach der persönlichen Zukunft in den nächsten sechs Monaten zeigt viele Optimisten unter den Befragten. 

39 Prozent geben an, dass sich die behördlichen Maßnahmen rund um die Corona-Pandemie „eher positiv“ bis „sehr positiv“ auf ihre persönliche Situation auswirken werden. 30 Prozent sehen es weder positiv noch negativ und nur weitere 30 Prozent tendenziell negativ.

Bei der Frage nach den Corona-Auswirkungen in den nächsten sechs Monaten im beruflichen Umfeld geben sogar 44 Prozent „eher positiv“ bis „sehr positiv“ an. 34 Prozent sehen es neutral und nur ein Viertel mit 24 Prozent negativ.

 

 

Auf die Frage „Sind Sie froh, wenn Sie nach der Corona-Krise wieder wie gewohnt Ihrer Arbeit im Büro nachgehen können?“ antwortete die überwältigende Mehrheit mit 69 Prozent „Ja“. Interessant dabei ist, dass jeder Fünfte gar keinen Unterschied vermutet.

Nur 12 Prozent freuen sich nicht darauf, in den gewohnten Alltag zurückzukehren.

Dass diese Zeit einschneidende Veränderung für die Zukunft mitbringt, daran glaubt die überwältigende Mehrheit mit 85 Prozent.

 

Fast alle Befragten sind überzeugt davon, dass nach der Corona-Pandemie der Alltag nicht mehr derselbe sein wird wie zuvor. Blickt man tiefer, erwartet die Hälfte der Studienteilnehmer, dass die Vorteile der Arbeit von Zuhause vermehrt genutzt werden. Gerade der flexible Wechsel zwischen Büro und Homeoffice erwarten sich 44 Prozent der Befragten und 41 Prozent mehr Homeoffice als vor der Corona-Pandemie. Dass der Fokus auf die Digitalisierung von Arbeitsprozessen zunimmt, erwartet sich 39 Prozent und 33 Prozent glaubt, dass Dienstreisen dauerhaft durch virtuelle Zusammenkünfte ersetzt werden. 31 Prozent erwarten sich auch eine Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Nur 15 Prozent denkt, dass sich langfristig nichts ändern werde.

 

 

Dass einige Studienteilnehmer sich nicht auf die Rückkehr des gewohnten Alltags freuen, spiegelt auch die letzte Frage der Untersuchung wider. Auf die Frage „Möchten Sie nach der Corona-Pandemie etwas an Ihrem Leben ändern“, antworteten 26 Prozent klar mit Ja.

 

 

 

 

 

Jeder vierte Befragte möchte nach der Pandemie an seiner privaten und beruflichen Situation etwas verändern. Umgekehrt möchte allerdings die Mehrheit nichts an Ihrem Leben ändern und ist mit dem Status Quo zufrieden.

5. Fazit

Die erste von drei Fragewellen zum Arbeiten in Corona-Zeiten zeigt zwar einschneidende und nachhaltige Veränderungen in der Lebens- und Arbeitswelt von den sogenannten Knowledge-Workern (Angestellte deren Arbeit es erfordert für den Lebensunterhalt zu denken). Allerdings sind dabei viele positive Veränderungen und eine hohe Zuversicht zu spüren.

Persönliche Situation

Die größte Veränderung ist die Abwesenheit von den Kollegen. Die Befragten fühlen sich zudem im Homeoffice entspannter und haben mehr Zeit für Familie und Freunde sowie Hobbies. Ferner ist zu erkennen, dass man sich tendenziell besser auf einzelne Aufgaben konzentrieren kann.

Arbeitsleben

62 Prozent der Befragten stimmen zu, dass aufgrund des Homeoffices der Start in den Tag aufgrund wegfallender Wege stressfreier verläuft. Zudem gaben 54 Prozent an, dass eine bessere Zeiteinteilung möglich ist und 27 Prozent sind produktiver.

Hingegen fehlt jedem zweiten Teilnehmer das soziale Miteinander im Büro. Auch die Trennung von Beruflichem und Privaten ist für 36 Prozent schwer. Der Einfluss der staatlichen Maßnahmen auf die persönliche Situation wird tendenziell eher als positiv empfunden. Vor allem die daraus resultierende entspannter Stimmung im Homeoffice (45 Prozent). 90 Prozent der Teilnehmer vermissen jedoch den sozialen Ausgleich.

Unternehmen sind auf die Umstellung des Arbeitsalltags vorbereitet gewesen. 23 Prozent der ArbeitnehmerInnen geben an, dass sie Online-Fortbildungskurse im selben Umfang nutzen wie zuvor.Als größte Herausforderung wird neben dem Erhalt von Arbeitsplätzen (41 Prozent) die Arbeitsmoral und Motivation der Mitarbeiter (32 Prozent) erachtet.

Ausblick

Jeder zweite Arbeitnehmer ist froh, dass er nach der Corona-Krise wieder wie gewohnt der Arbeit im Büro nachgehen kann. 44 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ein flexibler Wechsel zwischen Büro und Homeoffice nach Corona bestehen bleibt und 41 Prozent stellen sich vor, dass sie mehr im Homeoffice arbeiten würden. Außerdem würde ein zunehmender Fokus auf die Digitalisierung von Arbeitsprozessen gelegt werden (39 Prozent). Die Auswirkungen in den nächsten Monaten werden auf die berufliche Situation minimal positiver als auf die private Situation vermutet. Ob sich die Einschätzungen und Gefühle der Befragten hinsichtlich der Veränderungen ihrer privaten und beruflichen Situation in den nächsten Wochen und Monaten bestätigen, bleibt abzuwarten und wird sich in den folgenden Teilstudien herausstellen. Hier wird es spannend sein, herauszustellen, welche Aspekte sich beispielsweise durch den kompletten Zeitraum der Befragung ziehen und welche im Vergleich dazu, nur punktuell von den Befragten wahrgenommen werden.

Studienzusammenfassung als PDF

Soziodemografische Daten

 

Geschlechter- und Altersverteilung

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Verteilung nach Bundesland

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Verteilung nach Familienstand und Haushaltsgröße

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Vorkommen von Kindern im Haushalt

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Verteilung nach berufsqualifizierendem Abschluss und Beschäftigungsverhältnis

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Verteilung nach Infizierung mit Corona und Möglichkeit zu Homeoffice

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Quellen & Literatur

Fußnoten

[1] Die Probanden sollten auf einer Skala von 1 bis 10 einschätzen, wie stark sich ihr Leben durch die Corona-Pandemie verändert hatte. 1 entsprach dabei „gar nicht“, 2-5 „wenig bis mittel“ und 6-10 „stark bis sehr stark“. Ergebnisse wurden auf eine Nachkommastelle gerundet.

[2] Zur besseren Lesbarkeit wurden Prozentwerte auf ganze Zahlen gerundet. Bei der Summierung der Teilergebnisse kann es dadurch in Einzelfällen zur Abweichung von 100 Prozent kommen.

[3] Als „Probanden mit Familie“ sind hier diejenigen Befragten gemeint, die in einem Haushalt mit Kindern wohnen.

[4] Abgefragt wurde, ob die Probanden mehr Zeit für Freunde und Familie hätten, inklusive Nutzung virtueller Kontaktmöglichkeiten.

[5] Zur besseren Lesbarkeit wurden Prozentwerte gerundet. Bei der Summierung der Teilergebnisse kann es dadurch in Einzelfällen zur Abweichung von 100 Prozent kommen.

[6] Als „Probanden mit Familie“ sind hier diejenigen Befragten gemeint, die in einem Haushalt mit Kindern wohnen.

[7] Im Vergleich zu untenstehender Grafik, aus welcher hervorgeht, dass sich für 12 Prozent der Befragten die Kinderbetreuung als schwierig gestaltet, ergeben sich mit den angegebenen 73 Prozent, bei denen dies nicht der Fall ist, keine 100 Prozent. Grund dafür ist, dass 15 Prozent der StudienteilnehmerInnen sich bei dieser Antwortmöglichkeit enthalten haben.


ZUSÄTZLICHE QUELLEN UND LITERATUR: