Kreative Phase von Mitarbeitern

Kreativitätsboost für Dich und Dein Unternehmen – so funktioniert Design Thinking

Probleme lösen und innovative Produkte entwickeln – dabei soll die Methode Design Thinking helfen. Wir stellen Dir den Prozess vor, beleuchten Vor- sowie Nachteile und geben Tipps, wo Du Dich weiterbilden kannst.
14
Aug

Was ist Design Thinking? Eine Definition

Kreativ Probleme lösen und Ideen für neue Produkte entwickeln – das soll durch Design Thinking möglich werden. Das Konzept zum Design-„Denken“ wurde von David Kelley, Larry Leifer und Terry Winograd in den 1970er Jahren an der Stanford Universität entwickelt. Dabei ging es den Wissenschaftlern vorrangig darum, neue innovative Wege für die Produktentwicklung zu finden, mit Schwerpunkt Industriedesign.

Kernhypothese des Design Thinking ist es, dass Ideenfindung und Problemlösung mit interdisziplinären Teams am besten funktioniert. Die unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen der einzelnen Teammitglieder sollen es möglich machen, dass innovativ gedacht wird. Design Thinking ist dabei nicht nur ein Prozess, sondern auch eine Denkweise, die darauf abzielt, eine neue Kultur der Strukturierung, Problemlösung und Produktentwicklung zu schaffen.

Wie gestaltet sich der Design-Thinking-Prozess?

Bei der Methode des Design Thinking sind drei Bereiche wichtig:

  1. Menschen: in Form von multidisziplinären Teams
  2. Prozess: in Form eines sich wiederholenden Prozesses mit einer offenen Fehlerkultur
  3. Ort: eine freie und flexible Arbeitsumgebung

Das Team

Für Design Thinking sind besonders Menschen mit T-Profil geeignet:

  • Der vertikale Balken steht für Spezialisierung.
  • Der horizontale Balken steht für Offenheit, Interesse und Neugier gegenüber anderen Menschen, Disziplinen und der Umwelt.

Ein Design-Thinking-Team sollte sich aus Menschen mit unterschiedlichem Fachwissen zusammensetzen und nicht zu groß sein.

Frau vor Pinnwand

Design-Thinking-Prozess

Die 5 Phasen des Prozesses

Der Prozess beim Design Thinking, wie er in Stanford etabliert wurde, ist in fünf Stufen eingeteilt und sollte sich öfter wiederholen, also iterativ sein, bis die gewünschten Ergebnisse erreicht sind:

  1. Verstehen und Beobachten
  2. Sichtweise definieren
  3. Ideen generieren
  4. Prototypen entwickeln
  5. Testen

Der Ort

Die Arbeitsumgebung sollte flexibel und frei sein, um Gedanken und Wissen für alle sichtbar zu machen.

Dabei helfen zum Beispiel:

  • Gemeinschaftstische auf Rollen
  • Keine feste Sitzordnung
  • Mobile Trennwände für Notizen

Wo und wann ist Design Thinking sinnvoll? Vor- und Nachteile

Design Thinking wird oft als der heilige Gral der Ideenfindung angepriesen. Doch wie jede neue Arbeitsform bietet die Methodik nicht nur Vorteile, sondern kann auch herausfordernd sein.

Vorteile

  • Lange Prozesse können verkürzt werden.
  • Agiles Arbeiten wird möglich.
  • Es wird nutzerzentriert gearbeitet.
  • Unerkanntes Potential von Mitarbeitern kann entdeckt werden.
  • Eine positive Fehlerkultur wird gefördert – Scheitern ist Teil des Design-Thinking-Prozesses.
  • Endkunden werden stärker in den Prozess einbezogen.

Nachteile

  • Es müssen organisatorische Rahmenbedingungen geschaffen sein, sonst scheitert die Umsetzung – Teammitglieder dürfen nicht abgelenkt werden, brauchen Flexibilität und Raum.
  • Es gibt keine Ergebnissicherheit bei der Produktentwicklung.
  • Das Team sollte nicht größer als fünf bis acht Personen sein – der Prozess ist somit für größere Teams ungeeignet.
  • Die Teams müssen persönlich an einem Ort interagieren – es reicht nicht aus, mobil erreichbar zu sein und über Chats oder Mail zu kommunizieren.

Fazit: Design Thinking ist hilfreich, wenn die Voraussetzungen stimmen

Design Thinking bietet neue Impulse für die Ideenfindung und Problemlösung, kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn flexible und interdisziplinäre Teamarbeit garantiert wird. Wichtig ist auch, dass realistische Vorstellungen vom Ergebnis des Prozesses herrschen, im Team und von Seiten des Endkunden. Damit Design Thinking Erfolg hat, muss nicht nur der organisatorische Rahmen geschaffen werden, sondern es müssen auch benötigte Hilfsmittel, Materialien und Informationen jederzeit verfügbar sein.

drei Kollegen vor einer Pinnwand

Design Thinking in der Praxis – Welche Unternehmen wenden Design Thinking an?

„Bereits die Hälfte der DAX Unternehmen setzen auf Design Thinking. Viele junge Firmen und Start-ups integrieren es in ihre Prozesse und Arbeitskultur.“

- Alexander Lancelot Wordel

Design Thinking und große Unternehmen – das scheint sehr gut zusammenzupassen, jedenfalls, wenn wir uns die folgenden fünf Beispiele anschauen.

Bosch

Anfang 2018 eröffnete Bosch den IoT-Campus in Berlin. Rund 250 Internet of Things-Experten aus unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens sollen hier an innovativen Lösungen arbeiten, mithilfe von Design Thinking. Auf feste Schreibtische wird verzichtet, dafür gibt es Werkstätten, Wohnwägen und Räume für Workshops.

Audi

16 Studierende, Design Thinking und Audi – das Ergebnis ist ein neuer Schulungskonfigurator-Prototyp. Die Kooperation mit der Hochschule Neu-Ulm wurde 2017 als Praxisprojekt für das Audi-Werk in Ingolstadt umgesetzt.

„Erstaunlich, wie konkrete, digitale Lösungen innerhalb einer Woche entstanden sind.“

- Bernd Pfeiffer, Leiter des Trainingscenters und Audi Produktionssystems in Ingolstadt

Airbnb

Airbnb ohne Design Thinking? Kaum denkbar. 2009 stand das Start-up kurz vor der Pleite. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch und so kam Mitgründer Joe Gebbia eine Idee. Statt zu versuchen, die Fehler der Airbnb-Webseite von zu Hause aus per Code zu beheben und alles messbar zu machen, war es Zeit für ein Experiment. Das Team versuchte nicht nur sich in seine Kunden hineinzuversetzen, sondern besuchte sie in New York und nahm mit ihnen professionelle Bilder der annoncierten Apartments auf. Wie sich herausstellen sollte: Schlechte Fotos waren die größte Schwachstelle des damaligen Airbnb. Mit den neuen Bildern stieg auch der Umsatz.

Joe Gebbia setzte damit die Methodik des Design Thinkings um, die er von seiner Zeit bei der Rhode Island School of Design kannte. Noch heute ist Design Thinking ein großer Teil der Airbnb-Philosophie. Statt nur Daten zu messen, geht es darum, auszuprobieren und kreativ Lösungen zu finden.

Im folgenden Interview stellt Joe Gebbia seinen Design-Thinking-Ansatz vor:

Apple

Das Design im Design-Thinking-Prozess – darum ging es Apple schon 1997, als Steve Jobs nach längerer Abwesenheit wieder zum schwächelnden Unternehmen zurückkehrte. Wie es die Legende will, setzte Jobs bei den ab 1997 folgenden Produktentwicklungen auf die Methodik. Kernelement war der Fokus auf den Nutzer und seine Bedürfnisse, unabhängig von den Bedürfnissen des eigenen Unternehmens. Die folgende Präsentation von Li Wei stellt Apples Desing-Thinking-Ansatz vor:

Deutsche Bank

Deutsche Bank arbeitet schon seit einigen Jahren mit internen Design-Thinking-Teams, um neue Prototypen zu entwickeln, die genau auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt sind. Wie Design Thinking in der Praxis funktioniert, zeigt auch das folgende Video:

Wo kann ich Design Thinking lernen?

Eine fachspezifische Spezialisierung und schon bist Du fit für ein Design-Thinking-Team? So schnell geht es meist nicht. Neben Fachwissen in einem oder mehreren Bereichen ist es auch von Vorteil, wenn Du weiterführende Erfahrungen aus dem Bereich Design Thinking mitbringst. Dieses Wissen kann Dir nicht nur dabei helfen, bei einem Unternehmen in einem schon bestehenden Design-Thinking-Team anzufangen, sondern auch ein Team in Deinem Unternehmen zu gründen oder einige Aspekte der Methodik umzusetzen.

Spezialisierung im Studium

Du befindest Dich noch im Studium, weißt aber schon jetzt, dass Du zukünftig im Bereich Design Thinking arbeiten möchtest? Dann kannst Du Dich während Deiner Ausbildung spezialisieren. Denn einige Universitäten bieten Studienrichtungen und Abschlüsse mit Schwerpunkt Design Thinking an. Dieser Weg eignet sich für alle, die später Design-Thinking-Prozesse planen möchten. Eine Auswahl an Studien-Möglichkeiten:

Workshops und Seminare

Wenn Du schon im Arbeitsleben stehst und Dich zum Thema Design Thinking weiterbilden möchtest, dann findest Du dazu eine Vielzahl an Workshops, Seminaren und Webinaren:

Weiterführende Quellen und Literatur

Du willst noch tiefer in die Design-Thinking-Thematik eintauchen? Dabei können Dir folgende Quellen helfen:

Werde kreativ!

Design Thinking ist erst der Anfang und Du interessierst Dich für noch mehr moderne Arbeitsmethoden und Arbeitsformen? Dann empfehlen wir Dir unsere Artikel zu neuen Marketingformen, dem Büro der Zukunft, New Work und den Digitalen Nomaden.

Du bist noch auf der Suche nach einem passenden Job im Bereich Design Thinking? Dann schau auf unserer Jobbörse vorbei.

 

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