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Nebenberuflich selbstständig: Wir klären Deine wichtigsten Fragen

23.10.2018
nebenberuflich Selbstständiger bei der Arbeit

Dich reizt die berufliche Selbstständigkeit, aber Du willst sie zunächst lieber „nebenbei“ testen? Das gelingt mit einer nebenberuflichen Tätigkeit. Was genau das bedeutet, was Du mit Blick auf Deinen Arbeitgeber, die Steuern und Co. beachten musst, erfährst Du in unserem FAQ zur nebenberuflichen Selbstständigkeit.

Mit einem Nebengewerbe machen sich fast doppelt so viele Gründer selbstständig wie mit einem Hauptgewerbe, stellte der KfW Gründungsmonitor 2017 fest. Kein Wunder, bietet doch die nebenberufliche Gründung klare Vorteile:

  • die Chance, die Selbstständigkeit erst einmal zu testen
  • finanzielle Sicherheit durch das Gehalt aus dem Hauptberuf
  • die Möglichkeit, eine Geschäftsidee erst einmal auf den Prüfstand zu stellen
  • weiterhin Schutz durch die Sozialversicherungen

 

Gut zu wissen: Auch aus einer Arbeitslosigkeit heraus, als Hausfrau oder Student kannst Du nebenberuflich selbstständig arbeiten. Wenn Du Dich nebenberuflich selbstständig machen willst, hast Du zunächst bestimmt einmal jede Menge Fragen.

Hier findest Du die Antworten auf die wichtigsten:

jubelnde Frau im Arbeitszimmer

Nebenberuflich selbstständig – Antworten auf Deine wichtigsten Fragen

Zwar ist die Selbstständigkeit im Nebengewerbe mit weniger Aufwand verbunden als eine hauptberufliche Existenzgründung, die wichtigsten Fakten solltest Du dennoch vorab kennen. So kannst Du Dein Vorhaben richtig angehen und gegebenenfalls die nötigen Erkundigungen einholen.

Was bedeutet nebenberufliche Selbstständigkeit?

Nebenberuflich selbstständig sein heißt, dass Du neben Deinem Hauptberuf eine weitere berufliche Tätigkeit ausübst. Deine Nebentätigkeit umfasst dabei weniger Arbeitszeit als Deine Haupttätigkeit: Du solltest höchstens 18-20 Stunden pro Woche nebenberuflich selbstständig arbeiten. Außerdem sollte das Einkommen aus Deiner Nebentätigkeit das Deiner Haupttätigkeit nicht übersteigen.

Wie mache ich mich nebenberuflich selbstständig?

Zunächst einmal solltest Du abklären, ob Deine nebenberufliche Tätigkeit als freier Beruf oder als Gewerbe einzustufen ist.

Freiberufler bist Du laut Paragraph 18 des Einkommensteuergesetz (EStG), wenn Du eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit selbstständig ausübst oder als Arzt oder Zahnarzt, Steuerberater, Architekt, Journalist oder Übersetzer einer selbstständigen Berufstätigkeit nachgehst. Diese Tätigkeiten werden auch als „Katalogberufe“ bezeichnet.

Als Freiberufler musst Du Deine Freiberuflichkeit beim zuständigen Finanzamt anmelden, das heißt, einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen.

Gewerbetreibender bist Du, wenn Du keinen der oben genannten Katalogberufe oder einen ähnlichen Beruf ausübst. Genauer gesagt gilt als Gewerbetreibender, wer in einem handwerklichen, produzierenden oder kaufmännischen Beruf selbstständig ist.

Trifft das auf Dich zu, gelten für Dich als gewerblich Selbstständigen folgende Pflichten:

  • Anmeldung beim Gewerbeamt
  • Zahlung der Gewerbesteuer
  • Mitgliedschaft bei der IHK
  • Eintrag im Handelsregister
  • doppelte Buchführung

Ob Du freiberuflich oder in einem Gewerbe selbstständig bist, hat auch Auswirkungen darauf, welche Steuern Du zahlen musst.

Wie Du als Selbstständiger Dein Unternehmen anmelden musst, verrät Dir dieses Video von Für-Gründer.de:

 

Muss ich als nebenberuflich Selbstständiger Steuern zahlen?

Ja, grundsätzlich musst Du bei Selbstständigkeit im Nebenerwerb Steuern zahlen!

Ob Gewerbe-, Umsatz- oder Körperschaftssteuer – die Rechtsform Deines Unternehmens legt fest, welche Steuer Du zahlen musst. Welche steuerlichen Auswirkungen für Dich gelten, hängt davon ab, ob Du als Gewerbetreibender (oder Freiberufler) einzustufen bist und davon, ob Du dabei eine Kapitalgesellschaft (GmbH, UG, Limited, AG, Genossenschaft) gründest.

Als Freiberufler oder wenn Du als Kleinunternehmer eingestuft wirst, hast Du es in Sachen Steuern etwas leichter.

nebenberuflich Selbststände macht die Steuern

Mit diesen Steuern musst Du rechnen:

  • Als Freiberufler musst Du die Einkommenssteuer zahlen.
  • Bist Du Gewerbetreibender, musst Du die Einkommenssteuer, die Gewerbesteuer und die Umsatzsteuer zahlen.
  • Gründest Du eine Kapitalgesellschaft (GmbH, UG, Limited, AG, Genossenschaft), musst Du die Körperschaftssteuer entrichten.

 

Tipp: Falls auf Dich und Deine Tätigkeit die sogenannte Kleinunternehmerregelung zutrifft, musst Du keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen! Mehr zur Kleinunternehmerregelung erfährst Du auf Für-Gründer.de.

 

Wenn Du mehr zur Steuerpflicht von Selbstständigen wissen möchtest, findest Du bei finanzchef24.de wichtige Informationen. Erkundige Dich unbedingt rechtzeitig zum Thema Steuern, am besten bei einem Steuerberater.

Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich mich nebenberuflich selbstständig mache?

Du bist nicht verpflichtet, Deinen Arbeitgeber über Dein Vorhaben zu informieren. Und grundsätzlich darf er Dir die Nebentätigkeit auch nicht verbieten. Dennoch solltest Du Deinen Arbeitgeber von Deiner nebenberuflichen Selbstständigkeit in Kenntnis setzen.

Zum einen gibt es in Deinem Arbeitsvertrag vermutlich Klauseln, die die Regelungen zu einer Nebentätigkeit beschreiben. Zum anderen sollten folgende Punkte gewährleistet sein:

  • Dein Hauptberuf darf nicht unter Deiner Nebentätigkeit leiden.
  • Du hältst Dich an die gesetzlich festgelegten Arbeitszeitgrenzen (vgl. § 3 Arbeitszeitgesetz).
  • Du musst Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse wahren.
  • Du darfst Deine Urlaubs- oder Krankheitstage nicht für Deine selbstständige Tätigkeit nutzen (vgl. § 8 Bundesurlaubsgesetz).
  • Du machst Deinem Arbeitgeber mit Deiner nebenberuflichen Tätigkeit keine Konkurrenz. Sollte das doch der Fall sein, benötigst Du die Einwilligung Deines Arbeitgebers.

Wichtig: Solltest Du nachweislich gegen einen dieser Punkte verstoßen, kann Dir Dein Arbeitgeber Deine Nebentätigkeit verbieten oder Dir sogar kündigen.

Nebenberuflich selbstständige Frau arbeitet in ihrem Büro

Gibt es eine Verdienstgrenze für nebenberuflich Selbstständige?

Es gibt keine bestimmte Verdienstgrenze, wenn Du Dich als Arbeitnehmer nebenberuflich selbstständig machst. Es ist lediglich wichtig, dass Du nicht mehr als in Deinem Hauptberuf verdienst.

Beziehst Du jedoch Arbeitslosengeld (ALG) oder bist Student und Bafög-Empfänger, musst Du aufpassen, mit Deiner selbstständigen Arbeit nicht zu viel zu verdienen.

So viel darfst Du nebenbei dazuverdienen:

  • ALG1: bis zu 165 Euro monatlich. Nimm im Vorfeld Kontakt mit dem Jobcenter auf!
  • ALG2: bis zu 100 Euro monatlich.
  • Bafög-Empfänger: bis zu 4.880 Euro im Jahr. Erkundige Dich beim BAföG-Amt, wie viel Du hinzuverdienen darfst.

Mehr zu Selbstständigkeit bei Arbeitslosigkeit findest Du auf akademie.de. Weitere Hinweise zur Selbstständigkeit als Student kannst Du in den Steuertipps zum Thema Arbeiten und Bafög nachlesen.

Nebenberuflich selbstständig: was heißt das für die Krankenversicherung?

In der Regel musst Du als nebenberuflich Selbstständiger keine weiteren Beiträge zur gesetzlichen Pflege- oder Krankenversicherung bezahlen. Trotzdem solltest Du Deine Krankenkasse informieren, wenn Du Dich neben Deinem Hauptberuf selbstständig machen willst. Denn das Entgelt aus Deiner nebenberuflichen Tätigkeit wird ebenfalls im Versicherungsbeitrag berücksichtigt.

Wenn Deine wöchentliche Arbeitszeit höchstens 20 Stunden beträgt, Du Deinen Lebensunterhalt in erster Linie aus den Einnahmen Deines Hauptberufs bestreitest und Du keine sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter beschäftigst, wird Dich Deine Krankenversicherung vermutlich als nebenberuflich selbstständig einstufen. Je nach Versicherung kann es bei der Bewertung Deiner Selbstständigkeit Unterschiede geben. Mehr darüber erfährst Du bei Deiner Krankenkasse.

Mann bei nebenberufliche Tätigkeit im Home Office

Wie wirkt sich meine nebenberufliche Tätigkeit auf die Sozialversicherung aus?

Bist Du nebenberuflich selbstständig tätig, bist Du nicht sozialversicherungspflichtig. Deine Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung zahlst Du weiterhin über Deine hauptberufliche Tätigkeit.

Gut zu wissen: Was die Rentenversicherung betrifft, bist Du in der Regel als Selbstständiger (egal ob haupt- oder nebenberuflich selbstständig) nicht verpflichtet, Dich zu versichern. Beachte allerdings, dass bestimmte Gruppen Selbstständiger in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Das gilt auch für Selbstständige im Nebenerwerb.

Zu den pflichtversicherten Selbstständigen gehören zum Beispiel:

  • Lehrkräfte, die mehr als 450 Euro im Monat verdienen (dazu zählen beispielsweise auch Nachhilfelehrer, Fitnesstrainer oder Coaches)
  • Künstler, das heißt Personen, die Musik, darstellende oder bildende Kunst schaffen, ausüben oder lehren
  • Publizisten (Schriftsteller, Journalisten…)

Auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung erfährst Du, welche Selbstständigen pflichtversichert sind.

Tipp: Deine gesetzliche Unfallversicherung, die in Deinem Hauptberuf über Deinen Arbeitgeber läuft, gilt nicht für Deine Nebenbeschäftigung. Daher kann es sinnvoll sein, sich freiwillig gegen die Folgen eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit zu versichern. Informationen dazu findest Du bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Nebenberufliche Tätigkeit: Ein Überblick

Hier fassen wir noch einmal alle Schritte zusammen, die wichtig sind, wenn Du Dich nebenberuflich selbstständig machen willst:

  1. Unterscheidung hauptberuflich versus nebenberuflich selbstständig: Kläre, ob Du wirklich als nebenberuflich selbstständig einzustufen sein wirst (mit Blick auf Arbeitszeit und Einnahmen).
  2. Kläre, ob Du Freiberufler oder Gewerbetreibender bist. Als Freiberufler meldest Du Dich direkt beim Finanzamt an, als Gewerbetreibender musst Du zunächst zum Gewerbeamt.
  3. Lass Dich von einem Steuerberater oder Anwalt beraten, welche Rechtsform für Deine nebenberufliche Selbstständigkeit zutrifft.
  4. Anmeldung Deiner nebenberuflichen Selbstständigkeit: Melde Deine Tätigkeit als Freiberufler beim Finanzamt beziehungsweise als gewerblich Selbstständiger beim Gewerbeamt an. Welche Schritte auf die Anmeldung als Gewerbetreibender folgen, erfährst Du bei fuer-gruender.de sowie bei Deinem örtlichen Gewerbeamt.
  5. Informiere Deinen Arbeitgeber. Als Student oder ALG-Empfänger solltest Du Dich erkundigen, wie viel Du verdienen darfst.
  6. Informiere Deine Krankenkasse. Auch wenn Du bei einer Selbstständigkeit im Nebenerwerb nicht sozialversicherungspflichtig bist, solltest Du mit Deiner Versicherung Rücksprache halten.
  7. Kläre, ob Du zur gesetzlichen Rentenversicherung verpflichtet bist.

 

Du möchtest mehr über das Thema Selbstständigkeit erfahren? In unserem Magazin findest Du weitere hilfreiche Tipps:

Du bist bereit, nebenberuflich durchzustarten? Dann findest Du bei uns spannende Jobs und tolle Chancen für Freelancer. Bilder:

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23.10.2018

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