Frau im Vorstellungsgespräch - Körpersprache

Körpersprache im Vorstellungsgespräch richtig einsetzen und deuten

Im Vorstellungsgespräch zählen nicht nur Kompetenz, Fachwissen und eine gute Vorbereitung – nonverbale Signale verraten eine ganze Menge über den Bewerber. Wie Du selbst als Bewerber Körpersprache gezielt einsetzen und wie Du umgekehrt als Personaler Dein Gegenüber anhand von körperlichen Signalen einschätzen kannst, erklären uns zwei Expertinnen auf diesem Gebiet: Monika Matschnig und Jessica Wahl.
24
Aug
2021

Körpersprache im Vorstellungsgespräch: das Wichtigste in Kürze

Mit folgender Körpersprache hinterlässt Du im Vorstellungsgespräch einen positiven Eindruck:

  • Freundlicher Gesichtsausdruck
  • Blickkontakt
  • Zugewandte und offene Körperhaltung
  • Aufrechte Haltung
  • Hände offen auf dem Tisch liegend
  • Kontrollierte Gestik

Du kannst Deine Körpersprache folgendermaßen trainieren:

  • Videoaufnahmen machen und auswerten.
  • Im Alltag auf die eigene Körpersprache achten.
  • Die Stimme aufwärmen und gezielte Stimmübungen machen.

Im Video-Interview kannst Du folgendermaßen mit Deiner Körpersprache überzeugen:

  • Vor der Kamera dynamisch bewegen und Hände einsetzen.
  • Bildausschnitt wählen, der den ganzen Oberkörper samt Händen zeigt.
  • Genau in die Kamera schauen.
  • Ein gutes Headset wählen, das störende Atemgeräusche herausfiltert.
  • Um Ablenkung zu vermeiden: für Ordnung auf dem Schreibtisch und auf dem Laptop sorgen.

Die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation im Vorstellungsgespräch

Die Expertinnen

Monika Matschnig:

Bereits als österreichische Nationalspielerin auf dem Volleyball-Feld erkannte Monika Matschnig, wie wichtig Wirkung ist: „Wer gewinnen will, muss innere Haltung und körperlichen Ausdruck in Einklang bringen.“ Heute ist Matschnig eine Expertin für Körpersprache und Wirkungskompetenz, die ihr Fachwissen in Vorträgen, Seminaren und individuellen Coachings weitergibt. „Die Macht der Wirkung“ heißt eines ihrer Bücher, in dem sie die Wirkung von Prominenten wie Karl Lagerfeld und Angela Merkel unter die Lupe nimmt.

Jessica Wahl:

Fotografie, Logopädie, Theaterarbeit – das sind nur ein paar Stationen im vielseitigen Lebenslauf von Jessica Wahl. 2002 gründete sie ihr Institut für Personalvideo Performance in Berlin. Als Performance Coach gibt sie Seminare und Coachings zu den Themen Karriere, Persönlichkeit, Medien und Bewerbung. Außerdem ist sie ausgebildete Atem-, Sprech- und Stimmtherapeutin.

 

Das Thema Körpersprache wird heute in jedem Bewerbungsratgeber behandelt. Auch Jessica Wahl betont:

„Die nonverbale Kommunikation ist im Bewerbungsgespräch extrem wichtig. Denn wenn es um unsere Wirkung auf andere geht, kommt alles zusammen: die Kleidung, die Sprache, die Mimik, die Aussagen.“  

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren dient dem Gegenüber dazu, die Glaubwürdigkeit des Bewerbers zu überprüfen. Insbesondere durch unsere Mimik und Gestik stellen wir eine Beziehung zu unserem Gegenüber her, im positiven wie im negativen Sinne. Die Aussagen eines Bewerbers sind zwar durchaus relevant, der Gesamteindruck wird aber entscheidend von nonverbalen Signalen bestimmt.

Auch Monika Matschnig findet, dass die Wirkungskompetenz die Sachkompetenz in der heutigen Berufswelt längst überholt hat:

„Es ist ein Irrglaube, dass die Sache im Vordergrund steht. Wenn ein Bewerber oder ein Mitarbeiter nicht kompetent wirkt, wird er nicht gesehen, nicht gehört und nicht verstanden. Wirke ich souverän, dann rückt auch der Inhalt in den Vordergrund. Andersherum funktioniert es nicht.“

Wenn Personaler die Körpersprache eines Bewerbers überschätzen

Dennoch wird die Körpersprache laut Matschnig gerade mit Blick auf Bewerbungsgespräche auch gerne überschätzt: Der erhöhte Stresspegel des Bewerbers müsse berücksichtigt werden, mahnt die Expertin. Nicht jeder Griff ins Gesicht ist gleich ein negatives Signal. Wichtig sei es, „dass der Statushöhere – in diesem Fall der Personaler – eine gute Atmosphäre erzeugt.“ Nur so könne er den wahren Menschen wahrnehmen und verräterische Signale erkennen. Um sich auf sein Gegenüber einzustellen, müsste sich ein Personaler also Zeit nehmen. Das ist in vielen Fällen schwierig – aber nicht unmöglich.

Als Bewerber Wertschätzung ausdrücken

Auch als Bewerber kannst Du entscheidend zu einer positiven Gesprächsatmosphäre beitragen. Jessica Wahl empfiehlt, dem Gegenüber Wertschätzung zu zeigen: „Sieh Dein Gegenüber an, auch beim Sprechen. Guck freundlich, zeig eine offene, zugewandte Körperhaltung.“

Mann im Vorstellungsgespräch – Körpersprache

So trainierst Du Deine eigene Körpersprache

Das ist ja alles schön und gut – doch wie setzt Du das in der Praxis um? Üben, üben, üben ist da die Devise der beiden Expertinnen. „Bewerber sollten ein fingiertes Bewerbungsgespräch üben und dabei sich selbst aufnehmen“, erklärt Monika Matschnig. „Durch diese Art der Selbstreflexion sehen sie, wie sie auf andere wirken und welche möglichen Macken sie haben. Alles, was ich mir antrainiert habe, kann ich mir abtrainieren und durch neue Verhaltensweisen ersetzen.

Positive Signale senden

Einen positiven Eindruck hinterlassen – das funktioniert, wenn Du Dir einige grundlegende Verhaltensweisen aneignest.

Das ist für eine positive Wirkung im Vorstellungsgespräch wichtig:

  • Ein freundlicher Gesichtsausdruck: Blicke Dein Gegenüber offen an, lächle!
  • Blickkontakt halten: fehlender Blickkontakt wird negativ gewertet.
  • Eine zugewandte, offene Körperhaltung: Verschränke nicht die Arme!
  • Haltung bewahren: Sorge für eine aufrechte Haltung und genügend Spannung im Körper (Tipp: Klemme Dir einfach eine virtuelle Erbse zwischen die Pobacken)
  • Lass Deine Hände auf dem Tisch liegen – verstecke sie nicht!
  • Reduzierte und kontrollierte Gestik einsetzen: Die Armbewegungen müssen kontrolliert wirken – nicht fuchteln, sondern Gesten einen Moment stehen lassen.

Gezieltes Training für souveränes Auftreten

„Jeder kann an seiner Wirkung arbeiten“, erklärt Wirkungs-Coach Matschnig. „Bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen langsamer, aber es funktioniert in beiden Fällen.“

Diese Erfahrung macht auch Jessica Wahl in ihren Bewerbungscoachings: „Am besten sollte der Klient auch im Alltag und Zuhause weiterüben und seine neue Körpersprache anwenden“, rät Wahl. So gehen die neuen Verhaltensweisen in Fleisch und Blut über.

„Wichtig ist außerdem: Die Körpersprache muss zum eigenen Ideal passen.“ Wie dieses aussieht, ermittelt die Performance-Expertin durch Videoaufnahmen: „Indem er seine Körpersprache im Video beobachtet, kann der Coachee selbst entscheiden, was ihm gefällt und was er ändern will. Auch seine Motivation, daran zu arbeiten, steigt.“

Hilfreich, ob als vorbereitendes Training oder kurz vor dem Vorstellungsgespräch, können auch Atemübungen sein, da ein freier, tiefer Atem sich positiv auf die Körperhaltung und Stimme auswirkt. Tipps für Atemübungen bietet Dir unser Artikel „Tipps gegen Aufregung – Lampenfieber-Coach Maria Staribacher im Interview“.

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Gut gestimmt: Mit der Stimme im Vorstellungsgespräch überzeugen

Als Atem-, Sprech- und Stimmtrainerin weiß Jessica Wahl um die große Bedeutung der Stimme: „Deine Stimme kommuniziert Deine Persönlichkeit und zeigt im wahrsten Sinne des Wortes, wie Du gestimmt bist.“

Während eine schrille, hohe Stimme zu angespannt wirkt, vermittelt eine tiefe, gut vibrierende Stimme Souveränität und Entspanntheit. Doch was tun, wenn sich die Stimme in aufregenden Situationen überschlägt und zu schrill klingt?

Jessica Wahls „Notfallplan“ eignet sich für alle, deren Bewerbungsgespräch kurz bevorsteht:

  • Lies vor dem Vorstellungsgespräch einen Text laut vor. So bekommst Du ein Gespür für Deine eigene Stimme und ihre Wirkung im Raum.
  • Sprich nach Möglichkeit mit Deinem Partner oder rufe einen guten Freund oder eine Freundin an – so wird Deine Stimme bereits „angewärmt“.
  • Erinnere Dich während des Gesprächs selbst daran, Dich zu entspannen: Es wird alles gutgehen.

Langfristig kann sich ein spezielles Stimmtraining bezahlt machen, bei dem Du Deine Stimme gezielt schulst.

Frau im Video-Bewerbungsgespräch mit Körpersprache

Alternativen zum Vorstellungsgespräch vor Ort: Körpersprache per Video und am Telefon

Angestoßen durch die Corona-Krise finden immer mehr Vorstellungsgespräche per Video oder Telefon statt. Das birgt neue Herausforderungen für Deine Körpersprache.

Körpersprache im Telefon-Interview

Neben unserem „Notfallplan“ für Dein Stimmtraining, solltest Du bei einem Vorstellungsgespräch per Telefon auf Deine Körperhaltung achten. Denn Deine Haltung und Körperspannung wirken sich auf Deine Stimme aus. Beachte folgende Tipps, um auch am Telefon zu überzeugen:

  • Setze Dich aufrecht auf einen bequemen Stuhl oder stelle Dich hin. Damit vermeidest Du eine zu schlaffe Körperhaltung.
  • Gehe nicht hektisch im Raum auf und ab.
  • Achte auf Deinen Gesichtsausdruck und versuche, wenn passend, zu lächeln, was sich positiv auf Deine Stimme auswirken kann.
  • Achte darauf, dass Deine Aussprache deutlich und vom Tempo angemessen ist (wir neigen in stressigen Situationen meist dazu, zu schnell zu sprechen).
  • Stelle ein Glas mit stillem Wasser in greifbarer Nähe ab, damit Du bei Heiserkeit etwas trinken kannst.

Körpersprache im Vorstellungsgespräch per Video

Wie auch in einem Vorstellungsgespräch vor Ort, solltest Du bei einem Bewerbungsgespräch per Video die schon vorgestellten Basics guter Körpersprache beachten. Daneben gibt es jedoch noch ein paar Video-spezifische Tipps für Deine Körpersprache:

  • Durch den starren Blickwinkel der Kamera kann ein Videointerview sehr steif wirken und viele Bewerber neigen dazu, sich kaum zu bewegen. Achte darauf, dass Du Dich wie auch bei einem klassischen Vorstellungsgespräch dynamisch bewegst und Deine Hände angemessen einsetzt.
  • Wähle einen Bildausschnitt aus, bei dem Dein ganzer Oberkörper samt Händen zu sehen ist.
  • Um Blickkontakt zu halten, solltest Du nicht auf Deinen Bildschirm schauen, sondern genau in die Kamera.
  • Investiere in ein gutes Headset, das störende Atemgeräusche herausfiltert und mit dem Du die Stummschaltung aktivieren kannst, wenn Dein Gesprächspartner redet.
  • Sorge für Ordnung auf Deinem Schreibtisch und auf dem Desktop Deines Laptops, damit Du nicht mit Deinen Augen oder Händen abgelenkt bist.

Noch mehr Tipps für ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch per Video verrät Dir unser Artikel „Online-Vorstellungsgespräch: 10 Tipps für Dein Video-Interview“.

Wie Du als Personaler nonverbale Signale deutest

Einsatz von Körpersprache im Bewerbungsgespräch

Wer als Personaler in einem Vorstellungsgespräch sitzt, wünscht sich anhand der nonverbalen Signale des Bewerbers, mehr über ihn herauszufinden. Doch wie kann man Körpersprache richtig deuten? Körpersprache-Expertin Monika Matschnig hat für Personalverantwortliche konkrete Tipps.

Die Baseline bestimmen

Die Voraussetzung, um die Körpersprache des Bewerbers richtig deuten zu können, ist es, „die Baseline herauszufinden – also das übliche Verhalten eines jeden Bewerbers. Hierzu sollte am Anfang ein belangloses Gespräch geführt werden – es darf in keinen Fall ein Thema sein, das emotional besetzt ist. Einfach Small Talk. In dieser Phase präge ich mir das übliche Verhalten ein – von Kopf bis Fuß. Weicht der Bewerber bei kritischen Fragen von der Baseline ab, so muss ich sein Verhalten hinterfragen.“

Auf Unstimmigkeiten achten

„Außerdem sollte ich auf Inkongruenzen achten: Passt die Aussage mit der Körpersprache zusammen? Wenn der Bewerber bei der Aussage „Mit meinem letzten Arbeitgeber habe ich mich sehr gut verstanden“ zeitgleich imaginäre Fusseln vom Sakko wischt, dann stimmt etwas nicht.

Das gleiche gilt für übertriebene Emotionen, die rasch abfallen. Aussagekräftig sind auch bestimmte vegetative Reaktionen, wie vergrößerte Pupillen, erhöhter Lidschlag oder ein „saures“ Aufstoßen – schwindelt eine Person, dann bekommt sie einen trockenen Mund und es fällt ihr schwerer zu schlucken.

Nichtsdestotrotz sollte man beim Deuten der Körpersprache Vorsicht walten lassen: „Es bedarf einiger Übung, um verräterische Signale zu erkennen.“

Wie Du als Personaler ein Bewerbungsgespräch richtig aufbaust, verrät Dir unser Artikel „Vorstellungsgespräche richtig führen“.

Gezielter Einsatz der Körpersprache im Bewerbungsgespräch: Die wichtigsten Tipps in der Übersicht

Die Körpersprache gezielt zu schulen, lohnt sich langfristig: Wer seine Mimik und Gestik bewusst und wirkungsvoll einsetzen kann, wird mit einer souveränen und überzeugenden Ausstrahlung belohnt. Selbstbeobachtung, etwa durch Video-Aufnahmen, das Feedback von Mitmenschen oder gezielte Coachings können Dir dabei helfen, Deine Körpersprache zu optimieren und im Vorstellungsgespräch und im Berufsalltag souverän zu wirken.

Die wichtigsten Tipps zur Körpersprache noch einmal für Deine Checkliste im Überblick:

Für Bewerber: Körpersprache richtig einsetzen

  • offener, freundlicher Gesichtsausdruck
  • Blickkontakt halten
  • zugewandte, offene Körperhaltung
  • aufrechte Haltung, Spannung im Körper
  • Hände auf dem Tisch liegen lassen
  • reduzierte und kontrollierte Gesten
  • Stimme rechtzeitig vor dem Gespräch „anwärmen“

Für Personaler: Körpersprache deuten

  • Für positive Atmosphäre sorgen: freundliche Begrüßung, Small Talk
  • Baseline des Bewerbers in Begrüßungsphase herausfinden
  • Auf Nichtübereinstimmung von Aussage und Verhalten achten
  • Auf verräterische Signale achten: übertriebene, rasch abfallende Emotionen; vegetative Reaktionen (vergrößerte Pupillen, erhöhter Lidschlag, „saures“ Aufstoßen)
  • nonverbale Kommunikation nicht überschätzen: Zugeständnisse an Nervosität des Bewerbers machen


Körpersprache ist nur ein wichtiger Bereich, mit dem Du beim Vorstellungsgespräch punkten kannst. Unter „Vorstellungsgespräch: Alle Tipps für Dein erfolgreiches Bewerbungsgespräch!“ findest Du unseren Bewerbungsgespräch-Guide, der Dir alle wichtigen Tipps zur Vorbereitung und zum Ablauf von Bewerbungsgesprächen gibt. Und sollte Dein Vorstellungsgespräch wider Erwarten nicht erfolgreich verlaufen, findest Du in unserer Jobbörse weitere Stellen, auf die sich eine Bewerbung lohnt – bewirb Dich jetzt auf Deinen Traumjob!

Vor dem Bewerbungsgespräch musst Du allerdings noch eine perfekte Bewerbung erstellen?

Wir helfen Dir dabei: nutze unsere Tipps für die perfekte Bewerbung in unserem Channel „Bewerbung: Alles Wichtige zu Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf und Co.“. 

Wir bedanken uns bei Frau Matschnig und Frau Wahl sehr herzlich für die interessanten Interviews!

Bildnachweis:  Titelbild: pixelfit/gettyimages, Bild 2: Morsa Images/gettyimages, Bild 3: Oscar Wong/gettyimages, Bild 4: Eva-Katalin/gettyimages