Souverän im Vorstellungsgespräch: Profi-Tipps zur Körpersprache

Experten-Interview: Die Macht der Körpersprache im Vorstellungsgespräch

02.01.2017
Bewerbung bei Personalern

Im Vorstellungsgespräch zählen nicht nur Kompetenz, Fachwissen und eine gute Vorbereitung –nonverbale Signale verraten eine ganze Menge über den Bewerber. Wie Sie selbst als Bewerber Körpersprache gezielt einsetzen und wie Sie umgekehrt als Personaler Ihr Gegenüber anhand von körperlichen Signalen einschätzen können, erklären uns zwei Expertinnen auf diesem Gebiet: Monika Matschnig und Jessica Wahl.

Monika Matschnig
Monika MatschnigBereits als österreichische Nationalspielerin auf dem Volleyball-Feld erkannte Monika Matschnig, wie wichtig Wirkung ist: „Wer gewinnen will, muss innere Haltung und körperlichen Ausdruck in Einklang bringen.“ Heute ist Matschnig eine Expertin für Körpersprache und Wirkungskompetenz, die ihr Fachwissen in Vorträgen, Seminaren und individuellen Coachings weitergibt. „Die Macht der Wirkung“ heißt ihr neues Buch, in dem sie die Wirkung von Prominenten wie Karl Lagerfeld und Angela Merkel unter die Lupe nimmt.
Jessica Wahl
Jessica WahlFotografie, Logopädie, Theaterarbeit – das sind nur ein paar Stationen im vielseitigen Lebenslauf von Jessica Wahl. Vor 14 Jahren gründete sie ihr Institut für Personal Performance in Berlin. Als Performance Coach gibt sie Seminare und Coachings zu den Themen Karriere, Persönlichkeit, Medien und Bewerbung. Außerdem ist sie ausgebildete Atem-, Sprech- und Stimmtherapeutin.

Die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation im Vorstellungsgespräch

Das Thema Körpersprache wird heute in jedem Bewerbungsratgeber behandelt. Auch Jessica Wahl betont:

„Die nonverbale Kommunikation ist im Bewerbungsgespräch extrem wichtig. Denn wenn es um unsere Wirkung auf andere geht, kommt alles zusammen: die Kleidung, die Sprache, die Mimik, die Aussagen.“  

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren dient dem Gegenüber dazu, die Glaubwürdigkeit des Bewerbers zu überprüfen. Insbesondere durch unsere Mimik und Gestik stellen wir eine Beziehung zu unserem Gegenüber her, im positiven wie im negativen Sinne. Die Aussagen eines Bewerbers sind zwar durchaus relevant, der Gesamteindruck wird aber entscheidend von nonverbalen Signalen bestimmt.

Auch Monika Matschnig findet, dass die Wirkungskompetenz die Sachkompetenz in der heutigen Berufswelt längst überholt hat:

Es ist ein Irrglaube, dass die Sache im Vordergrund steht. Wenn ein Bewerber, ein Mitarbeiter nicht kompetent wirkt, wird er nicht gesehen, nicht gehört und nicht verstanden. Wirke ich souverän, dann rückt auch der Inhalt in den Vordergrund. Andersherum funktioniert es nicht.“

Wenn Personaler die Körpersprache eines Bewerbers überschätzen

Dennoch wird die Körpersprache laut Matschnig gerade mit Blick auf Bewerbungsgespräche auch gerne überschätzt: Der erhöhte Stresspegel des Bewerbers müsse berücksichtigt werden, mahnt die Expertin. Nicht jeder Griff ins Gesicht ist gleich ein negatives Signal. Wichtig sei es, „dass der Statushöhere – in diesem Fall der Personaler – eine gute Atmosphäre erzeugt.“ Nur so könne er den wahren Menschen wahrnehmen und verräterische Signale erkennen. Um sich auf sein Gegenüber einzustellen, müsste sich ein Personaler also Zeit nehmen. Das ist in vielen Fällen schwierig – aber nicht unmöglich.

Freundliche Begrüßung

Als Bewerber Wertschätzung ausdrücken

Auch als Bewerber können Sie entscheidend zu einer positiven Gesprächsatmosphäre beitragen. Jessica Wahl empfiehlt, dem Gegenüber Wertschätzung zu zeigen: „Sehen Sie Ihr Gegenüber an, auch beim Sprechen. Gucken Sie freundlich, zeigen Sie eine offene, zugewandte Körperhaltung.“

So trainieren Sie Ihre eigene Körpersprache

Das ist ja alles schön und gut – doch wie setzen Sie das in der Praxis um? Üben, üben, üben ist da die Devise der beiden Expertinnen.

„Bewerber sollten ein fingiertes Bewerbungsgespräch üben und dabei sich selbst aufnehmen“, erklärt Monika Matschnig. „Durch diese Art der Selbstreflexion sehen sie, wie sie auf andere wirken und welche möglichen Macken sie haben. Alles, was ich mir antrainiert habe, kann ich mir abtrainieren und durch neue Verhaltensweisen ersetzen.“

Positive Signale senden

Einen positiven Eindruck hinterlassen – das funktioniert, wenn Sie sich einige grundlegende Verhaltensweisen aneignen.

Das ist für eine positive Wirkung im Vorstellungsgespräch wichtig:

  • Ein freundlicher Gesichtsausdruck: Blicken Sie das Gegenüber offen an, lächeln Sie!
  • Blickkontakt halten: fehlender Blickkontakt wird negativ gewertet.
  • Eine zugewandte, offene Körperhaltung: Verschränken Sie nicht die Arme!
  • Haltung bewahren: Sorgen Sie für eine aufrechte Haltung und genügend Spannung im Körper (Tipp: Klemmen Sie sich einfach eine virtuelle Erbse zwischen die Pobacken)
  • Lassen Sie Ihre Hände auf dem Tisch liegen – verstecken Sie sie nicht!
  • Reduzierte und kontrollierte Gestik einsetzen: Die Armbewegungen müssen kontrolliert wirken – nicht fuchteln, sondern Gesten einen Moment stehen lassen.

koerpersprache durch handbewegungen

Gezieltes Training für souveränes Auftreten

„Jeder kann an seiner Wirkung arbeiten“, erklärt Wirkungs-Coach Matschnig. „Bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen langsamer, aber es funktioniert in beiden Fällen.“

Diese Erfahrung macht auch Jessica Wahl in ihren Bewerbungscoachings: „Am besten sollte der Klient auch im Alltag und Zuhause weiterüben und seine neue Körpersprache anwenden“, rät Wahl. So gehen die neuen Verhaltensweisen in Fleisch und Blut über.

Wichtig ist außerdem: Die Körpersprache muss zum eigenen Ideal passen.“ Wie dieses aussieht, ermittelt die Performance-Expertin durch Videoaufnahmen: „Indem er seine Körpersprache im Video beobachtet, kann der Coachee selbst entscheiden, was ihm gefällt und was er ändern will. Auch seine Motivation, daran zu arbeiten, steigt.“

Mimik eines Mannes

Gut gestimmt: Mit der Stimme überzeugen

Als Atem-, Sprech- und Stimmtrainerin weiß Jessica Wahl um die große Bedeutung der Stimme: „Ihre Stimme kommuniziert Ihre Persönlichkeit und zeigt im wahrsten Sinne des Wortes, wie Sie gestimmt sind.“

Während eine schrille, hohe Stimme zu angespannt wirkt, vermittelt eine tiefe, gut vibrierende Stimme Souveränität und Entspanntheit. Doch was tun, wenn sich die Stimme in aufregenden Situationen überschlägt und zu schrill klingt?

Jessica Wahls „Notfallplan“ eignet sich für alle, deren Bewerbungsgespräch kurz bevorsteht:

  • Lesen Sie vor dem Vorstellungsgespräch einen Text laut vor. So bekommen Sie ein Gespür für Ihre eigene Stimme und ihre Wirkung im Raum.
  • Sprechen Sie nach Möglichkeit mit Ihrem Partner oder rufen Sie einen guten Freund oder eine Freundin an – so wird Ihre Stimme bereits „angewärmt“.
  • Erinnern Sie sich während des Gesprächs selbst daran, sich zu entspannen: Es wird alles gutgehen.

Langfristig kann sich ein spezielles Stimmtraining bezahlt machen, bei dem Sie Ihre Stimme gezielt schulen.

Wie Sie als Personaler nonverbale Signale deuten

Wer als Personaler in einem Vorstellungsgespräch sitzt, wünscht sich anhand der nonverbalen Signale des Bewerbers, mehr über ihn herauszufinden. Doch wie kann man Körpersprache richtig deuten? Körpersprache-Expertin Monika Matschnig hat für Personaler konkrete Tipps.

Die Baseline bestimmen

Die Voraussetzung, um die Körpersprache des Bewerbers richtig deuten zu können, ist es, „die Baseline herauszufinden, also das übliche Verhalten eines jeden Bewerbers. Hierzu sollte am Anfang ein belangloses Gespräch geführt werden – es darf in keinen Fall ein Thema sein, das emotional besetzt ist. Einfach Small Talk. In dieser Phase präge ich mir das übliche Verhalten ein – von Kopf bis Fuß. Weicht der Bewerber bei kritischen Fragen von der Baseline ab, so muss ich sein Verhalten hinterfragen.“

Vorstellungsgespräch zwischen Frau und Personalern

Auf Unstimmigkeiten achten

„Außerdem sollte ich auf Inkongruenzen achten: Passt die Aussage mit der Körpersprache zusammen? Wenn der Bewerber bei der Aussage „Mit meinem letzten Arbeitgeber habe ich mich sehr gut verstanden“ zeitgleich imaginäre Fusseln vom Sakko wischt, dann stimmt etwas nicht.

Das gleiche gilt für übertriebene Emotionen, die rasch abfallen. Aussagekräftig sind auch bestimmte vegetative Reaktionen, wie vergrößerte Pupillen, erhöhter Lidschlag oder ein „saures“ Aufstoßen – schwindelt eine Person, dann bekommt sie einen trockenen Mund und es fällt ihr schwerer zu schlucken.

Nichtsdestotrotz sollte man beim Deuten der Körpersprache Vorsicht walten lassen: „Es bedarf einiger Übung, um verräterische Signale zu erkennen.“

Gezielter Einsatz der Körpersprache führt zum Erfolg

Die Körpersprache gezielt zu schulen, lohnt sich langfristig: Wer seine Mimik und Gestik bewusst und wirkungsvoll einsetzen kann, wird mit einer souveränen und überzeugenden Ausstrahlung belohnt. Selbstbeobachtung, etwa durch Video-Aufnahmen, das Feedback von Mitmenschen oder gezielte Coachings können Ihnen dabei helfen, Ihre Körpersprache zu optimieren und im Vorstellungsgespräch und im Berufsalltag souverän zu wirken.

Die wichtigsten Tipps zur Körpersprache noch einmal im Überblick:

Für Bewerber: Körpersprache richtig einsetzen

  • offener, freundlicher Gesichtsausdruck
  • Blickkontakt halten
  • zugewandte, offene Körperhaltung
  • aufrechte Haltung, Spannung im Körper
  • Hände auf dem Tisch liegen lassen
  • reduzierte und kontrollierte Gesten
  • Stimme rechtzeitig vor dem Gespräch „anwärmen“
  • Für Personaler: Körpersprache deuten

  • Für positive Atmosphäre sorgen: freundliche Begrüßung, Small Talk
  • Baseline des Bewerbers in Begrüßungsphase herausfinden
  • Auf Nichtübereinstimmung von Aussage und Verhalten achten
  • Auf verräterische Signale achten: übertriebene, rasch abfallende Emotionen; vegetative Reaktionen (vergrößerte Pupillen, erhöhter Lidschlag, „saures“ Aufstoßen)
  • nonverbale Kommunikation nicht überschätzen: Zugeständnisse an Nervosität des Bewerbers machen

 

Wir bedanken uns bei Frau Matschnig und Frau Wahl sehr herzlich für die interessanten Interviews.

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Bilder: Beitragsbild: © iStock / Wavebreakmedia; Bild 1: © Monika Matschnig; Bild 2: © Jessica Wahl; Bild 3: © iStock / demaerre; Bild 4: © iStock / STUDIO GRAND OUEST; Bild 5: © iStock / wgmbh; Bild 6: © iStock / Wavebreakmedia.

02.01.2017

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