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Unglücklich im neuen Job – bleiben oder gehen?

28.08.2018
Frau ist unglücklich im neuen Job

Nicht jeder Jobwechsel bringt mehr Zufriedenheit: Denn es kann auch passieren, dass man merkt, dass die neue Stelle gar nicht den eigenen Vorstellungen entspricht und man damit unzufrieden ist. Unglücklich im neuen Job zu sein ist aber keine Seltenheit – im Gegenteil, wie uns Karrierecoach Nicole Broockmann verraten hat. Was Du tun kannst, wenn Du einen neuen Job hast, aber nicht glücklich bist, und hilfreiche Tipps für Deine weitere Karriereplanung findest Du im Folgenden.

Bleiben oder gehen?

Wenn Du schon früh merkst, dass Dich der neue Job nicht glücklich macht, stellt sich diese Frage schnell. Denn der Wechsel vom alten zum neuen Job ist meist nicht unbegründet und häufig mit Hoffnungen auf eine bessere Position, interessantere Aufgaben oder ein besseres Arbeitsklima verbunden. Zeigt sich aber, dass der Job ganz anders ist, als gedacht, kommen schnell Zweifel auf und man fragt sich, was man jetzt am besten macht. Die Situation wirkt vertrackt und scheint der reinste Killer für Deine Karriere zu sein. Dem ist aber nicht so. Im Interview hat uns Karrierecoach und Bewerbermanagerin Nicole Broockmann einige hilfreiche Tipps gegeben, worauf es ankommt, wenn man unglücklich im neuen Job ist: wie man mit einer solchen Situation am besten umgeht, was Du selbst tun kannst und wie die Zufriedenheit in Deine Karriere zurückkehrt. Höchste Zeit also, aktiv zu werden.

Unsere Interviewpartnerin
Nicole BroockmannNicole Broockmann ist Leiterin von personnel insight. Als Diplom-Psychologin, systemischer Coach und Karriereberaterin mit 20 Jahren Berufserfahrung unterstützt und berät sie Arbeitnehmer kompetent hinsichtlich ihrer individuellen Karriereplanung.

Unglücklich im neuen Job: Wie es dazu kommt

Dass man unglücklich im neuen Job ist, ist heute keine Seltenheit mehr. Dafür kann es aber verschiedenste Gründe geben.

AVANTGARDE Experts: Frau Broockmann, mit 20 Jahren Berufserfahrung bringen Sie sehr viel Kenntnis im Umgang mit Bewerbern und Angestellten mit. Kommt es Ihrer Erfahrung nach häufig vor, dass Mitarbeiter zu dem Schluss kommen, dass der neue Job sie nicht zufrieden macht?

Nicole Broockmann: Meine Erfahrungen zeigen, dass das immer häufiger passiert. Unsere Zeit ist viel schnelllebiger geworden. Kandidaten steigen in ein neues Unternehmen mit einer gewissen Vorstellung und Erwartungshaltung ein, die man Ihnen auch im Vorauswahlprozess durchaus so präsentiert hat. Anschließend sind sie dann ganz erstaunt, dass die präsentierten Arbeitsbedingungen so nicht vorliegen.

AVANTGARDE Experts: Konnten Sie Auffälligkeiten feststellen, wie es dazu kommt oder was mögliche Gründe dafür sein könnten?

Nicole Broockmann: Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Nur um ein paar zu nennen:

  • In der Vorauswahl sind mehrere Personen mit verschiedenen Funktionen involviert.
  • Das Anforderungsprofil wurde nicht klar definiert.
  • Unternehmenswerte und Leitlinien gibt es nur auf dem Papier.

Interessanterweise habe ich festgestellt, dass je höher man auf der Karriereleiter kommt und je wichtiger die Funktionen sind (sprich, ab dem mittleren Management), desto weniger und unkonkreter wird über die eigentliche Position gesprochen. Hier sind dann Fehlentscheidungen für beide Seiten wirklich sehr schmerzhaft und auch teuer. Dann geht es eher um Unternehmensziele und strategische Ausrichtungen des jeweiligen Bereiches, weniger um die eigene Person und deren Positionierung.

Mann ist unglücklich im neuen Job

Wie Du jetzt am besten handelst

Grundsätzlich gilt, dass Du nicht vorschnell handeln solltest. Denn in einem neuen Job anfangs nicht vollkommen zufrieden zu sein, kommt häufiger vor, als Du vielleicht denkst. Wann es sich lohnt, erst einmal abzuwarten, und was Anzeichen dafür sind, dass Du den Job wirklich wechseln solltest, erklären wir Dir hier.

AVANTGARDE Experts: Ab wann kann man mit Sicherheit sagen, dass der neue Job ein Fehler ist? Wie lange sollte ich dem neuen Job eine Chance geben, um nicht vorschnell zu handeln?

Nicole Broockmann: Ich glaube, hier gibt es keinen festen Zeitpunkt oder ein bestimmtes Merkmal, an dem man das festmachen kann. Die Palette der Gründe ist doch eigentlich sehr subjektiv, nicht umsonst sagt man, „die Chemie muss stimmen“. Es gibt ja die bekannten 100 Tage im neuen Job, die ich empfehle, erst einmal zu durchlaufen. Erst dann solltest Du überhaupt von einer Fehlentscheidung sprechen und eine Umorientierung angehen.

AVANTGARDE Experts: In welchen Fällen lohnt es sich, erst einmal nichts zu tun und abzuwarten?

Nicole Broockmann: Gerade in der ersten Zeit ist natürlich ein „Beschnuppern“ und Kennenlernen der Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzten ganz wichtig. Hier solltest Du erst einmal vieles zur Kenntnis nehmen. Vorschnell Deinen eigenen Standpunkt durchbringen zu wollen, solltest Du vermeiden. Als Neuling in einem anderen System, also dem neuen Unternehmen, sollte man sich grundsätzlich erst einmal ein gutes und fundiertes Bild von Prozessen und Aufgaben gemacht haben.

AVANTGARDE Experts: Was sind ganz sichere Anzeichen dafür, dass der Job mich nicht glücklich macht und ich ihn nochmals wechseln sollte?

Nicole Broockmann: Eine innere Abneigung zur neuen Stelle oder sogar eine zu erwägende Kündigung können sich auf verschiedenste Arten bemerkbar machen:

  1. Du siehst in Deinem Unternehmen keine Entwicklungsmöglichkeiten, das heißt eine Weiterentwicklung in eine andere oder höhere Funktion ist nicht möglich.
  2. Der Job ist definitiv unterbezahlt (hier ist es wichtig, sich ein Benchmark einzuholen).
  3. Die fehlende Motivation kehrt einfach nicht zurück. Lustlosigkeit und Gleichgültigkeit sind die Folgen.
  4. Die Arbeit macht Dich krank. Dein Körper sträubt sich innerlich gegen den Job. Meist passiert das unbewusst.
  5. Die Chemie zu Vorgesetzten oder dem Team stimmt nicht.
  6. Du stehst nicht zu Deinem Job, weichst im privaten Bereich bei Fragen oder Gesprächen aus und möchtest Dich nicht mit diesem Thema beschäftigen.
  7. Oder Du regst Dich im privaten Bereich sehr über Deinen Job auf und beschwerst Dich ständig.

Gespräch mit Vorgesetztem über neuen Job

AVANTGARDE Experts: Was kann ich selbst aktiv in meiner Situation tun, wenn ich unglücklich im neuen Job bin?

Nicole Broockmann: Ich bin immer ein Fan der offenen Kommunikation und gebe das auch immer in der Beratung weiter. Man muss sich das Leben nicht unnötig schwer machen, daher ist das Ansprechen der eigenen Situation bei dem Vorgesetzten sehr wichtig. Beachte dabei, dass es der Vorgesetzte sein sollte und nicht erst die gesamte Belegschaft davon erfährt. Erfährt Dein Chef zuletzt von Deinen Bedenken, kann das schon mal für Unmut sorgen. Bereite Dich also gut und strukturiert auf das Gespräch vor.

AVANTGARDE Experts: Haben Sie Tipps, wie man sich auf ein solches Gespräch am besten vorbereitet?

Nicole Broockmann: Hilfreich sind hier immer nachvollziehbare Beispiele aus der bisherigen Praxis, um Deinen Unmut zu untermauern. Vereinbart also am besten zusammen eine Strategie mit festen Eckpunkten (mit Datum), wie Ihr die Zusammenarbeit in Zukunft verbessern könnt. Sollten diese Gespräche nicht fruchten, kannst Du über eine Umorientierung nachdenken.

Umorientierung & erneute Jobsuche

Du bist zu dem Schluss gekommen, dass eine Umorientierung sinnvoll sein könnte, weil Dein neuer Job Dich absolut nicht glücklich macht? Dann solltest Du auf die folgenden Punkte achten, um jetzt richtig zu handeln.

AVANTGARDE Experts: Wenn ich mich tatsächlich auf eine andere Stelle bewerbe, möchte ich sichergehen, nicht nochmals unglücklich im neuen Job zu sein. Welche Fragen sollte ich mir stellen, um sicherzugehen, dass ich lieber weiter nach einem neuen Job suchen sollte?

Nicole Broockmann: Grundsätzlich gilt ja bei einer Veränderung oder neuen Jobsuche das gewünschte Ziel, sich besser zu stellen als in der momentanen Funktion. Aus meiner Sicht hast Du als Bewerber heute im Gegensatz zu früher sehr viele Möglichkeiten, Dich über den möglichen neuen Arbeitgeber zu informieren. Das solltest Du nutzen. Ich empfehle immer, genauestens das Anforderungsprofil oder das Aufgabengebiet mit den HR-Verantwortlichen oder besser noch mit dem direkten Vorgesetzten zu besprechen. Das ist das gute Recht jedes Bewerbers. Entwicklungsmöglichkeiten, vertraglich relevante Fragen, Rahmenbedingungen sowie die „persönlichen Merkmale“ des Unternehmens solltest Du definitiv ansprechen und mit Deinen eigenen Vorstellungen abgleichen.

Frau beim Vorstellungsgespräch

AVANTGARDE Experts: Wie gehe ich bei einem Bewerbungsgespräch mit Rückfragen zur aktuellen Situation um? Dem Gesprächspartner wird vermutlich auffallen, dass ich die neue Stelle noch nicht lange ausübe. Haben Sie diesbezüglich Tipps oder Empfehlungen?

Nicole Broockmann: Auch hier gilt wieder das Motto, „Gehe ehrlich und offen mit dieser Situation um“. Sei authentisch in dem Gespräch und schildere Deine Lage: was Du Dir damals erwartet hast, welche Rahmenbedingungen definiert worden sind und was Dir in Deinem aktuellen Job fehlt. So wird klar, warum Du Dich dazu entschieden hast, Dich umzuorientieren. Gerade in solchen Fällen kann es immer mal wieder sein, dass die HR-Verantwortlichen sich Referenzen beim letzten Arbeitgeber einholen wollen.

AVANTGARDE Experts: Ist eine Rückkehr in eine alte Position ausgeschlossen?

Nicole Broockmann: Nein, überhaupt nicht. Interessanterweise nehmen Personaler aus den alten Unternehmen gerne wieder Rückkehrer auf – ganz nach dem Motto “Da weiß man was man hat“. Das ist natürlich nur der Fall, sofern man im Guten auseinandergegangen ist.

Dank Fachkräftemangel und demografischem Wandel sind die alten Arbeitgeber sogar oft froh, wenn gute Mitarbeiter wieder zurückkommen. Allerdings sollten dann mindestens zwei Jahre vergangen sein, denn sonst wirkst Du wenig glaubhaft, neue Erfahrungen und Wissen mit einzubringen. Überlege Dir aber genau, warum Du zu Deinem früheren Arbeitgeber wechseln möchtest. Ist es aus der Not heraus? Und verbesserst Du Dich mit der neuen Aufgabe? Einen Rückschritt solltest Du vermeiden.

Das Unternehmen verlassen

Ein Unternehmen zu verlassen, ist eine ernste Sache, die Du Dir vorab genau überlegen solltest. Bist Du Dir sicher, dass Du gehen möchtest, weil der neue Job Dich nicht glücklich macht, gibt es trotzdem einige Punkte, die Du berücksichtigen solltest.

AVANTGARDE Experts: Was sollte ich beachten, wenn ich kündigen möchte?

Nicole Broockmann: Eine Kündigung bedarf einer gründlichen Vorbereitung und sollte gut überlegt sein. Natürlich muss sie immer schriftlich erfolgen. Hier gibt es schöne Vorlagen im Internet, die man gut als Grundlage nehmen und entsprechend anpassen kann. Achte dabei auf die jeweiligen Kündigungsfristen. Informiere Deinen Vorgesetzten als erstes. Auch wenn es manchmal schwer fällt, so kann ich nur empfehlen, in einem persönlichen Kündigungsgespräch die Haltung zu bewahren, und sich nicht auf Rechtfertigungen einzulassen. Das kann leicht ausufern und dann unsachlich werden.

AVANTGARDE Experts: Gibt es auch Dinge, die ich beachten muss, wenn mir gekündigt wird?

Nicole Broockmann: Grundsätzlich gilt: Vor der Kündigung müssen eine bis zwei Abmahnungen erfolgen, es sei denn, es gibt einen schwerwiegenden Verstoß, sodass es zu einer außerordentlichen Kündigung kommt. Außerdem gelten die folgenden Vorgaben:

  1. Der Arbeitgeber muss eine Kündigung immer schriftlich einreichen. Denn hier gilt nur die Schriftform. E-Mail und Fax sind ausgeschlossen.
  2. Bei einer Kündigung müssen die vorgesehen Fristen eingehalten werden. Sonst gelten die allgemeinen Kündigungsfristen von vier Wochen entweder zum 15. oder dem Ersten eines jeden Monats.
  3. Existiert ein Betriebsrat im Unternehmen, so muss er vor der Kündigung angehört werden. Ist das nicht passiert, ist die Kündigung nicht wirksam.
  4. Bei mehr als zehn Mitarbeitern im Unternehmen gelten die Regelungen des Kündigungsschutzgesetzes. Es besagt, dass eine Kündigung nur wirksam ist, wenn sie sozial gerechtfertigt ist.
  5. Es gilt ein besonderer Kündigungsschutz bei Schwerbehinderten, Personen in Schwangerschaft und Erziehungsurlaub sowie Auszubildenden und Betriebsrat-Mitgliedern.

Kollegen schütteln Hände nach Rückkehr in alten Job

AVANTGARDE Experts: Was kann ich tun oder worauf kann ich achten, um mich gar nicht erst in der Situation wiederzufinden und festzustellen, dass ein Job nicht der richtige für mich ist? Oder anders gefragt: Was kann ich Positives aus dieser Erfahrung ziehen?

Nicole Broockmann: Eine Reflexion dessen, was beim letzten Mal falsch gelaufen ist, ist unabdingbar. Auch wenn es schwer fällt, nimm Dir genau die Punkte heraus, an denen Dein letztes Arbeitsverhältnis gescheitert ist und analysiere das beim neuen Arbeitgeber genau. Auch eine Checkliste anzulegen, kann Dir dabei helfen, nichts zu vergessen.

Wir bedanken uns herzlich bei Nicole Broockmann für das aufschlussreiche Interview und die hilfreichen Tipps!

Unzufrieden im neuen Job? Werde aktiv

Wenn Du selbst einen neuen Job hast, aber nicht glücklich damit bist, empfehlen wir Dir, Nicole Broockmanns Tipps zu beachten, um bei Deiner Karriereplanung alles richtig zu machen. Brauchst Du noch Hilfe bei Deiner Entscheidung, hilft Dir möglicherweise auch unser Jobwechsel-Test oder unser Ratgeber „Die richtigen Entscheidungen treffen“ weiter.

Befindest Du Dich dagegen noch in der Probezeit und Du willst dem Job noch länger eine Chance geben, haben wir für Dich 6 hilfreiche Tipps, die Probezeit gut zu überstehen.

Solltest Du nach reichlicher Überlegung zum Schluss kommen, dass Du den Job lieber wechseln möchtest, empfehlen wir Dir einen Blick in unsere Jobbörse: Denn hier findest Du zahlreiche spannende Stellenangebote verschiedenster Unternehmen und Branchen. Über Deinen Besuch freuen wir uns!

Bildnachweis: Titelbild: © gettyimages/bixpicture, Bild 1: © Nicole Broockmann (privat), Bild 2: © gettyimages/demaerre, Bild 3: © gettyimages/HRAUN, Bild 4: © gettyimages/Ridofranz, Bild 5: © gettyimages/littlehenrabi.

28.08.2018

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