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New Work: Die Arbeitsrevolution?

17.07.2018
Menschen im modernen Büro

New Work in der Arbeitswelt 4.0? Klingt futuristisch, hält jedoch mit agilem Arbeiten, Coworking und Co. Einzug in unseren Arbeitsalltag. Wir verraten Dir, wie die neuen Arbeitsformen aussehen, wo ihre Vor- sowie Nachteile liegen und wie Du fit für die New-Work-Zukunft wirst.

Was ist New Work?

Der 6-Stunden-Tag, die Vier-Tage-Woche, Projektarbeit, Freelance-Arbeit, fluide Teams und Coworking Spaces (Jobsharing) gewinnen zunehmend an Beliebtheit. Kein Wunder, denn sie sind Teil einer neuen Arbeitsbewegung, auch bekannt als New Work oder Arbeit 4.0 (ein Dialogprozess über neue Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse).

New Work – eine Definition

Der Begriff New Work geht auf den Sozialphilosophen Frithjof Bergmann zurück und bedeutet „Neue Arbeit“. Dem Konzept New Work liegt die Annahme zugrunde, dass das bisherige Arbeitssystem veraltet sei, denn die Arbeitswelt entwickele sich weg von der Industrie- hin zu einer Wissensgesellschaft. Der Ansatz New Work und mit ihm die Arbeitswelt 4.0 sind ebenfalls durch die Globalisierung, die Digitalisierung und den demografischen Wandel geprägt. Das New-Work-Manifest, in dem Frithjof Bergmann seine neue New-Work-Gesellschaft darstellt, findest Du hier.

Neu arbeiten mit New Work

Wie das Konzept New Work im Einzelnen umgesetzt werden kann, hängt immer auch von der jeweiligen Arbeitsbranche ab. Im Kern ist der New-Work-Ansatz von Frithjof Bergmann zwar (noch) ein utopischer Gedanke, der darauf abzielt, dass sich die Einstellung der gesamten Gesellschaft zur Arbeit radikal ändert. Jedoch lassen sich bestimmte Punkte herausstellen, die auch praktisch umgesetzt werden können und aktuell schon werden. Dazu zählen:

  • mehr Flexibilität
  • Selbstbestimmung
  • Teilhabe an der Gemeinschaft
  • Projektarbeit
  • Teamgedanke
  • Handlungsfreiheit
  • Arbeit als Berufung
  • eigene Persönlichkeit mit in die Arbeit bringen

fröhliche Mitarbeiter bei Meeting

4 neue Arbeitsformen für die Arbeit 4.0

Agil statt straff durchorganisiert – New Work ist nicht nur Theorie, sondern sorgt auch dafür, dass neue Arbeitsformen entstehen. Wir stellen Dir vier neue Ansätze vor.

1. Agiles Arbeiten

Flexibel und schneller auf Veränderungen reagieren – das soll mit agilem Arbeiten möglich werden. Statt starrer Hierarchien zählt Kompetenz. Es gibt kurzfristige Ziele, viel Feedback, kleine Teams und einfache Entscheidungswege. Agile Methoden wie Scrum oder Kanban werden eingesetzt, um die Projektorganisation zu optimieren und unproduktives Multitasking zu bekämpfen. Der Slogan von Kanban lautet dazu passend: „Stop starting – start finishing!“

Teil des agilen Arbeitens sind auch der Entwicklungsansatz Design Thinking und die Organisationsstruktur Holokratie.

Design Thinking

Design Thinking ist ein kreativer Ansatz, der dabei helfen soll, Probleme zu lösen und neue Ideen zu entwickeln. Statt auf homogene Teams setzt Design Thinking auf Interdisziplinarität und orientiert sich an der Arbeitsweise von Designern.

Holokratie

Holokratie statt Hierarchie – bei der Holokratie handelt es sich um einen Führungsansatz, der ohne Hierarchien auskommt. Statt eines rigiden Führungsstils gibt es ein Regelwerk für alle Holons (selbstständige Einheiten an Mitarbeitern).

2. Work-Life-Integration

Nach der Work-Life-Balance kommt die Work-Life-Integration. Ziel dieser Arbeitsform ist es, Arbeit und Privatleben miteinander zu verknüpfen. Arbeitszeit und Freizeit sollen nicht mehr klar voneinander abgegrenzt sein. So können während der Arbeitszeit auch persönliche Telefonate geführt werden, solange Arbeitnehmer bereit sind, während der „Freizeit“ Arbeits-Mails zu beantworten.

Durch diese Verschmelzung von Privatleben und Arbeit sollen Schuldgefühle abgebaut werden und die Arbeit flexibler und damit auch produktiver werden. Im Zuge der Work-Life-Integration bieten Unternehmen zum Beispiel Gesundheits- und Freizeitangebote an, ermöglichen flexible Arbeitszeitmodelle wie Vertrauensarbeitszeit und Home-Office.

Zwei junge Kollegen tauschen sich aus

3. Knowledge Worker und Learning Worker

Der „Wissensarbeiter“ und der „lernende Arbeiter“ rücken in modernen Arbeitsformen verstärkt in den Fokus. Was damit gemeint ist? Zum einen wird Wissen als eine der wichtigsten Ressourcen unserer Zeit angesehen. Wissen ist Macht. Schlüsselbegriffe dieses Konzepts sind Kreativität und Innovation.

Der Knowledge Worker muss beides in sich vereinen – kreatives Denken, aber auch innovative, nicht routinemäßige Strategien zur Problemlösung. Wissen ist keine gegebene oder angeborene Eigenschaft, Wissen muss man sich aneignen.

Hier kommt das Konzept des Learning Workers ins Spiel: Um Wissen zu erlangen, müssen wir uns kontinuierlich fortbilden, uns nicht auf bereits Gelerntem ausruhen. Der Learning Worker muss die Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung in unterschiedlichsten Bereichen mit sich bringen.

Für dieses kontinuierliche Lernen können wir nicht einfach einen E-Learning-Kurs besuchen, in dem wir unser Wissen erweitern, und das Thema dann abhaken. Wir müssen auch offen sein für neue Lernmöglichkeiten und Denkweisen.

Der Arbeitsplatz der Zukunft muss den Fokus auf Weiterbildungen legen und ein kontinuierliches Lernen ermöglichen, durch neue Technologien oder Schulungsräumlichkeiten.

4. Crowdworking

Crowdworker (Crowd: englisch für Menge) bieten ihre Arbeit über das Internet an und können so von überall auf der Welt arbeiten. Unternehmen engagieren sie vor allem dazu, um Aufgaben zu erledigen, für die viel Arbeitskraft benötigt wird, aber für die ein tiefergehendes Wissen über die Unternehmensstrukturen nicht relevant ist, wie das Testen von Apps oder das Kategorisieren von Bildern. Da Crowdworker und Unternehmen über Online-Plattformen zueinander finden, spricht man auch von einer Plattformökonomie.

Noch wird Crowdworking von Crowdworkern meist als Nebenverdienst betrieben und Unternehmen verzichten nicht komplett auf Festangestellte. Doch es entstehen immer mehr Crowdworking-Plattformen und die Option, von überall in der Welt flexibel und hierarchielos arbeiten zu können, macht es einfacher, das Modell Freelancer statt Festangestellter zu wählen.

lichtdurchflutetes Großraumbüro

Der Arbeitsalltag mit neuen Arbeitsformen

Ob agiles Arbeiten oder Crowdworking – New Work verändert unseren Arbeitsalltag. Diese Veränderung zeigt sich besonders am (physischen) Arbeitsplatz und in der Teamarbeit, wie die folgenden drei Trends zeigen.

1. Coworking Space

Coworking Spaces sind Gemeinschaftsbüros, in denen zum Beispiel Selbständige, Projektarbeiter oder Freelancer temporär Arbeitsplätze mieten können. Sie sind als alternativer Raum zwischen Büro und Wohnung gedacht und sollen die Zusammenarbeit fördern. Denn: Wer sich am Arbeitsplatz wohl fühlt, arbeitet effizienter und ist produktiver.

Im Preis des zeitlich befristeten Arbeitsplatzes ist meist die Nutzung von Netzwerken, Drucker, Scanner und Telefon inbegriffen. Außerdem finden häufig Events wie spezielle Workshops oder Mentoring-Programme statt, um Selbständige in ihrem Business zu unterstützen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Eine Übersicht über Coworking Spaces in Deutschland findest Du hier.

2. Desk Sharing

Bei Microsoft in München ist es schon Alltag, in anderen Firmen wird das Wie der Umsetzung noch diskutiert: Desk Sharing. Diese neue Arbeitsform bezieht sich auf das Abschaffen fest zugeteilter Arbeitsplätze einerseits, auf das Schaffen von Arbeitsplätzen mit bestimmten Funktionen andererseits.

Familienfotos am Arbeitsplatz gehören damit der Vergangenheit an. Denn heute sitzt Du an einem anderen Schreibtisch als morgen. Mit dem Desk Sharing geht auch eine zunehmende Flexibilität der Arbeitszeiten einher. Gleitzeiten werden die Regel, jeder kann selbst entscheiden, ob er ins Büro geht oder die Arbeit im Home-Office verrichtet.

3. Fluide & virtuelle Teams

Hinter dem Begriff fluides Team verbirgt sich die Idee eines Teams ohne feste Mitarbeiter. So arbeitet man in verschiedenen Teams und kommt mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt. Das soll die Lernbereitschaft und Handlungskompetenzen fördern – und damit auch die Einsatzmöglichkeiten und die Innovationskraft.

Im Gegensatz zu fluiden Teams, kennen sich die Kollegen eines virtuellen Teams meist nicht persönlich. Die Teammitglieder sind über Cloud-Services miteinander vernetzt, arbeiten aber von unterschiedlichen Standorten aus. Virtuelle Teams sind über die ganze Welt verteilt, sie arbeiten also ortsunabhängig.

junge Frau arbeitet am Schreibtisch

Vor- und Nachteile neuer Arbeitsformen

Keine Hierarchien, flexibler Arbeitsalltag, Selbstbestimmung – das klingt nach der perfekten Arbeitswelt. Doch bietet New Work nur Vorteile oder klaffen utopische Theorie und nüchterne Realität auseinander? Wir schauen uns die Vor- und Nachteile genauer an.

Vorteile

  • Beruf und Familie lassen sich durch die zeitliche und räumliche Flexibilität besser vereinbaren.
  • Besonders Frauen profitieren durch flexible Arbeitszeitmodelle.
  • Wenn Du von zuhause aus arbeitest, sparst Du täglich viel Zeit und musst nicht zwischen zwei Orten hin und her pendeln.
  • Durch Arbeitsplätze und Räume mit speziellen Funktionen wird die Produktivität gesteigert.
  • Die neuen Arbeitsformen führen zu einem selbständigeren Arbeiten.
  • Der Arbeitsplatz wird „gesünder“ – Du sitzt nicht mehr acht Stunden täglich am Schreibtisch.
  • Es ergeben sich neue Jobmöglichkeiten (zum Beispiel Bot Developer).
  • Kreative Auszeiten (zum Beispiel im Rahmen eines Sabbaticals) werden verstärkt in den beruflichen Alltag integriert.

Nachteile

  • Die neuen Arbeitsformen verlangen ein perfektes Zeit- und Selbstmanagement.
  • Unternehmen sind bei der Umsetzung oft noch überfordert, wie eine Trendstudie des Konstanzer Zentrums für Arbeitgeberattraktivität zeigt.
  • Eine zu schnelle Umsetzung neuer Arbeitsformen kann scheitern, da eine grundlegende Veränderung guter Planung und Führung bedarf.
  • Die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben lösen sich auf, was oft für Mehrarbeit sorgt. Um dem entgegen zu wirken eignen sich Coworking Spaces ideal, da der räumliche Abstand zwischen Arbeit und Beruf bestehen bleibt.
  • Die neuen Arbeitsformen erfordern eine hohe Affinität zur Technik und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzubilden.
  • Durch die Arbeit am und mit dem Smartphone sind wir ständig erreichbar. Wir müssen lernen, uns selbst Grenzen zu setzen und diese auch einzuhalten.
  • Eine fundierte Fachausbildung verliert zunehmend an Bedeutung.
  • Die Arbeit wird stärker individualisiert. Coworking Spaces und hochmoderne Bürokonzepte können aber genau dann einen Ort des sozialen Zusammenlebens und Austauschs schaffen.
  • Mobiles Arbeiten birgt Gefahren für den Datenschutz.

New Work: Risiko und Chancen

Die Vor- und Nachteile neuer Arbeitsformen zeigen: Wer ohne Plan auf den New-Work-Trend aufspringt, kann auch scheitern. Denn mehr Flexibilität, Eigenverantwortung und Agilität bergen auch das Risiko, dass der Einzelne sich selbst managen muss. Das liegt nicht jedem Arbeitnehmer und passt nicht zu jeder Unternehmensstruktur. Doch werden die neuen Arbeitsformen gut umgesetzt, bieten sie viele Chancen, besonders für alle, die Arbeit freier gestalten und nicht als Bürde ansehen wollen.

Frau mit Tablet

Bist Du fit für New Work?

Schon bald könnte New Work nicht mehr neu, sondern alltäglich sein. Damit auch Du fit für die Arbeitswelt 4.0 und ihre neuen Arbeitsformen wirst, solltest Du Dir folgende Fragen stellen:

  • Gibt es Tools, die ich noch nicht nutze, die mir aber beim fluiden/flexiblen Arbeiten helfen können?
  • Investiere ich schon jetzt in meine Weiterbildungen? Wo kann ich mich weiterbilden? (Stichwort Learning Worker)
  • Wie wird sich mein Berufsbild in den nächsten fünf oder zehn Jahren verändern – Wo kann oder muss ich agiler oder flexibler werden? Kann ich mein Einkommen auch auf andere Art und Weise generieren? (Stichwort Crowdworking)
  • Gibt es Wege/Chancen, wie ich meine Persönlichkeit auf positive Weise in die Arbeit einbringen kann?
  • In welchem Arbeitsumfeld kann ich am produktivsten arbeiten?

Neu an die Arbeit

Du möchtest mehr über moderne Arbeitsformen erfahren? In unserem Interview vermitteln Dir die digitalen Nomaden Felicia und Bastian authentische Einblicke in diesen Lebensstil. Alles rund um flexible Arbeitszeiten erfährst Du hier und danach kannst Du einen Blick in das Büro der Zukunft wagen. Schau auch auf unserer Jobbörse vorbei. Dort findest Du viele interessante Jobs.

Bilder: Bild 1: © gettyimages/ vm; Bild2: ©gettyimages/ Vadim_Key; Bild 3: © gettyimages/Eva-Katalin; Bild 4: gettyimages/pixdeluxe; Bild 5. © gettyimages/South_agency, Bild 6: ©gettyimages/Georgijevic

17.07.2018

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